Jahrgang 
1928
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VII. Der Kindergarten.(Städt. Kindergarten XXII).

Leiterin: Frl. Wilhelmine Schneider. 1. Gehilfin: Frl. Adelheid Dubois; ab 1. November 1927: Frl. Marie Josephs. 2. Gehilfin(halbe Arbeitskraft). Frl. Kath. Köhler; ab 22. Nai 1927: Frl. Hilde St audt. Kindermädchen: Frl. Maria Müller.

Zzu Beginn des Sommerhalbjahres war die Leiterin noch infolge ihrer Erkrankung beurlaubt. Ihre Vertretung übernahm die erste Gehilfin, einen Teil der praktischen Arbeit die Kindergärtnerin Frl. Hilde Staudt, bei halber Arbeitszeit, während die zweite Gehilfin voll be- schäftigt wurde. Nach Rückkehr der Leiterin kam Frl. Köhler an einen Hort. Frl. Staudt blieb als zweite Gehilfin bei uns.

Am 1. November schied unsere langjährige Gehilfin, Frl. Adelheid Dubois von unserem Kin- dergarten. Sie übernahm die Leitung des Städt. Kindergartens in Ginnheim. Frl. Dubois hat mit ihrem feinen, fürsorglichen Wesen an zahllosen Kindern viel Gutes getan. Mit den Eltern und Kindern sahen wir sie ungern von uns scheiden, und unsere herzlichsten Wünsche begleiten sie in ihren neuen Wirkungskreis.

Die Nachfolgerin von Frl. Dubois, die Jugendleiterin Frl. Josephs, konnte eines Unfalls wegen ihren Dienst erst am 5. Januar 1928 aufnehmen. Sie wurde nacheinander von den Kindergärt- nerinnen Frl. E. Guttmann und Frl. H. Flohr vertreten.

Vom Kindergärtnerinnenseminar arbeiteten zehn Schülerinnen des 3. Halbjahrs bei uns und zwar in 2zwei Gruppen, ein Vierteljahr lang wöchentlich viermal, gegenüber der bisher üblichen prak- tischen Lehrzeit von einem halben Jahre(bei wöchentl. zweimaligen Kindergartenbesuch), ein Versuch, der aber ungünstige Folgen für die Schülerinnen hatte. Im Interesse der Kinder war er zu begrüßen. Eine der genannten Gruppen setzte sich nur aus Frauenschülerinnen zusam- men, für die das Einleben nach der neuen Weise besondere Schwierigkeiten hatte. Um einen Ausgleich zu schaffen, wurde der Vorschlag gemacht und von der Seminarleitung ange- nommen, die Gruppe der sogenannten B-Schülerinnen auch im letzten Halbjahr zu behalten und zur Prüfung zu führen. Die praktische Prüfung fand am 14. und 15. Febrüùar unter Leitung von Frau Direktorin Ella Schwarz und des Direktors statt. Es nahmen 15 Schülerinnen teil, die sämtlich die Prüfung bestanden.

Aus dem Jugendleiterinnenlehrgang betätigten sich fünf Schülerinnen im Kindergarten und bestanden mit selbstgewählten Aufgaben am 13. und 14. November ihre praktische Prüfung. im Sommerhalbjahr besuchten durchschnittlich 75 Kinder den Kindergarten. Mit einsetzender Sommerwärme wurden nachmittags erstmalig Versuche mit einer Luftbadekur gemacht. Das Stadtgesundheitsamt stellte durch die zuständige Städtische Jugendberatungsstelle Luftbade- scheine zur Verfügung, die aber, außer im Ferienmonat, nur wenig benutzt wurden. Offen- bar stellt sich eine solche Kur doch zu teuer.

Den zur Erholung vorgeschlagenen Kindern wurden sämtlich Erholungskuren gewährt, und zwar gingen je vier Kinder nach Bad Sodenthal, Weilmünster und Bad Nauheim, drei nach Wil- dungen, zwei nach Hohenwald und je eins nach Wolfsmünster, Hochheim und Vielbach. Ein sehr schwächlicher Junge kam durch unsre Vermittlung in ein Kindersanatorium in Königsfeld (Schwarzwald). Die meisten erholungsbedürftigen Kinder gebrauchten Winterkuren, da es sich in erster Linie um schulpflichtig werdende handelte. Im alſgemeinen war der Gesundheitszu- stand befriedigend. Zur Kräftigung wurde seit Anfang März den Kleinkindern abwechselnd mit Kakao bestrahlte Wilch verabfolgt.

Vom 1. Januar 1928 erhöhten die städtischen Schulbehörden die Pflegegelder, was zu man- chen nicht immer unberechtigten Klagen führte. Die jetzigen Sätze betragen:

bei einem Einkommen bis 160 Rm.= 0.75 Rm. wöchentlich bei einem Einkommen bis 250 Rm.= O0.95 Rm. wöchentlich bei einem Einkommen bis 375 Rm.= 2.15 Rm. wöchentlich bei einem Einkommen über 375 Rm.= 3.50 Rm. wöchentſich.

Als Abschiedsfeier für die scheidende 1. Gehilfin Frl. Dubois wurde Anfang Dezember ein Elternabend abgehalten, mit dem gleichzeitig eine kleine Ausstellung von Bilderbüchern und Spielen verbunden war, die als Anregung zu den Weihnachtseinkäufen gedacht war und leb- haften Beifall fand.

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