4
Möge den drei ſchwergeprüften Kollegen ihre Geſundheit bald zurückgegeben werden und ein ſorgenfreies Weiterarbeiten ermöglichen!
Zu ihrer Vertretung ſtanden außer unſerem ſtets hilfsbereiten Fräulein Eliſabeth Rumpf die Damen Alice Bendheim, Wilhelmine Roſenhaupt und Anna Seul zur Verfügung. Den Zeichenunterricht konnten wir in die Hände der Malerin Fräulein Eliſabeth Ermel legen, der wir auch öffentlich für ihre treue und erfolgreiche Arbeit danken möchten.
Mit dem 1. März hat uns Fräulein Flora Baruch verlaſſen, um ſich zu verheiraten. In ihre Stelle tritt mit dem neuen Schuljahr Fräulein Roſenhaupt, während Fräulein Hedwig Lion den Unterricht in der Klaſſe IXb bis zum Schluß des Schuljahres übernommen hat.
Damit ſind wir zu den erfreulichen Veränderungen gekommen.
Herr Oberlehrer Dr. Bernhardt wurde unterm 2. Oktober zum Profeſſor ernannt, und Fräulein Eliſabeth Vincenz wurde die neugeſchaffene Stelle einer Aushilfsoberlehrerin für die höheren Mädchen⸗ ſchulen der Stadt Frankfurt a. M. übertragen. Da nun der von der Sophienſchule in Hannover an unſere Anſtalt berufene Oberlehrer Zaſſenhaus erſt auf 1. Oktober eintreten kann, wird Fräulein Vincenz bis dahin ſeine Vertretung führen. Ihre eigene Stelle iſt der Lehrerin Fräulein Katharina Caspar an der Bonifatiusſchule verliehen worden.
Der 6eſundheitsſtand der Schüler war faſt durchweg gut. Nur in den unterſten Klaſſen machten die Kinderkrankheiten ihr Recht zeitweilig in empfindlicher Weiſe geltend. Wegen eines vereinzelten Falles von Scharlach mußte die Klaſſe IUIIa auf Anordnung des Herrn Kreisarztes vom 22. Januar ab auf 10 Tage geſchloſſen werden.
Schulorganiſation. Das Seminar erhält nunmehr auch für den zweiten Jahrgang eine Doppelklaſſe(BI und BII). Auf den 1. Ottober wird es ſein eigenes Gebäude am Holzhauſenparke beziehen. Zum Seminardirektor iſt der Unterzeichmete, zu ſeinem Nachfolger als Leiter der Eliſabethen⸗ ſchule der Direktor der ſtädtiſchen höheren Mädchenſchule in Quendlinburg, Herr Dr. Ludwig Ehrichs beſtimmt.
Die Voörſchulklaſſen unſerer Schule ſollen künftig nur noch aus je einer Abtei'ung beſtehen. Das kommende Schuljayr wird nur eine IX Klaſſe haben: eine Änderung, die nicht ohne Harten und verwickelte Arbeiten duchführbar iſt.
Die längſt angekündigten und ſehnlich erwarteten neuen Lehrpläne für die höheren weiblichen Bildungsanſtalten ſollen erſt auf den Anfang des Schuljahres 1909/10 in Kraft treten. Mögen ſie uns bringen, was wir erhoffen: Lehranſtalten, die allen Drill, alle Einſeitigkeiten und Über⸗ treibungen verſchmähen, die nicht den Tagesmoden, aber den Bedürfniſſen der Gegenwart entſprechen und ihren Schülerinnen mit einer möglichſt harmoniſchen und gründlichen Ausbildung ihres Geiſtes und Herzens auch einen ſtarken und ſicheren Willen und damit die verläßlichſte Ausrüſtung für die Aufgaben und Kämpfe des Lebens mitgeben.
Schulleben. Am Kaiſertage hielt Herr Lehrer Hees die Feſtrede(über Jena und die Re⸗ formen Steins).
Eine Abſchiedsfeier wurde zu Ehren der Fräulein Baruch am 29. Februar abgehalten; dabei kam die Anerkennung der Kollegen, aber auch die dankbare Liebe der Schülerinnen gegen die treffliche und unverdroſſene Lehrerin zu ſchönem Ausdruck.
Eine andere Feier desſelben Gepräges ſoll am 7. April ſtattfinden; ſie ſoll dem Ausſcheiden unſeres Kollegen Stadelmann und der nun 25 jährigen Arbeit des Herrn Süß an der Eliſabethen⸗ ſchule gelten.
Die Sedansfeier hielten unſere Klaſſen im Wald ab. Eine Anzahl Tramwagen, die uns die Direktion der ſtädtiſchen Elektrizitätswerke bereitwilligſt zur Verfügung ſtellte, holten die einzelnen Gruppen frühmorgens am Börſenplatz ab, während die Rückkehr in das Ermeſſen der Klaſſenleiter geſtellt blieb.


