Jahrgang 
1908
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I. Zur Geſchichte der Eliſabethenſchule.

Das Schuljahr begann am Montag, den 8. April. Es verlief ruhiger als ſein Vorgänger, hat aber doch des Bewegenden viel gebracht in Freud und Leid.

Zu Anfang des Schuljahres traten der Profeſſor an der Realſchule zu Mannheim, Herr Dr. Hermann Buchegger, und der Oberlehrer an dem Realprogymnaſium zu Arolſen, Herr Dr. Erich Schwartze als Oberlehrer ein, und die Oberlehrerin Fräulein Magda Enneccerus konnte nach langem, ſchwerem Leiden ihre Berufsarbeit in vollem Umfange wieder aufnehmen.

Nicht ſo erfreulich geſtaltete ſich der Geſundheitsſtand einiger anderer Mitglieder unſerer Lehrerſchaft.

Herr Valentin Stadelmann hat ſich zwar von ſeiner Krankheit ſichtlich erholt, mußte aber den Gedanken, ſeinen Dienſt wieder aufzunehmen, aufgeben. Er wird mit dem Schluſſe dieſes Schuljahres in den Ruheſtand treten, den er ſich durch eine mehr als 40 jährige treue Lehrarbeit wohl verdient hat. Möge er ſich ſeiner Muße noch lange erfreuen!

Johann Valentin Stadelmann, geboren am 2. Juni 1848 in Friedberg, beſuchte bis zu ſeinem 16. Lebensjahre die Reaſchule ſeiner Vaterſtadt und trat dann in das dortige Lehrerſeminar ein. Oſtern 1867 beſtand er die Abgangsprüfung, war dann ein Jahr, an einer Privatſchule in Mainz tätig und nahm darauf eine Hauslehrer⸗ ſtelle in Frankfurt an. 1870 zu den Fahnen gerufen, machte er den Feldzug in Frankreich mit. Nach glücklicher Heimkehr wirkte er vom 20. November ab an der Volksſchule in Bornheim. Mit dem 1. Januar 1874 wurde er Hilfslehrer an der Muſterſchule, beſtand im Herbſt desſelben Jahres die vorgeſchriebene zweite Prüfung in Uſingen und trat 1876 an die neu errichtete Eliſabethenſchule über, an der er ſeither ununterbrochen, haupiſächlich als Zeichen⸗ und Rechenlehrer, aber auch auf den verſchiedenſten anderen Gebieten mit unverdroſſenem Eifer und ſchönem Erfolge tätig geweſen iſt. Wie die Amtsgenoſſen, werden ſeine Schülerinnen dem treuen und freundlichen Manne ein liebevolles Andenken bewahren.

Stadelmanns Stunden übernahm der von der Schuldeputation uns freundlichſt zugewieſene Lehrer Herr Friedrich Stöcklein, den wir alle, Lehrer wie Schülerinnen, nunmehr ungern an eine andere Schule übergehen ſehen. Als endgültiger Nachfolger des Herrn Stadelmann iſt der Lehrer Gottfried Dilcher an der Lersnerſchule auserſehen.

Auch das Befinden des Herrn Lehrers Martin Kolbe hat ſich nur in ſoweit gebeſſert, daß er den Rechenunterricht und die mathematiſchen Lehrübungen im Seminar übernehmen konnte.

Herr Zeichenlehrer Müller wurde im September von einer tückiſchen Krankheit befallen, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Auch er erholt ſich nur langſam; doch dürfen wir auf die Fortſetzung ſeiner wertvollen Lehrarbeit, wenn auch vorerſt nur in beſchränktem Umfang, rechnen.

Eine nicht minder ſchwere Erkrankung traf den Kollegen Heinrich Huth: am 17. Oktober brach er mitten im Unterricht zuſammen. Seine Herſtellung macht ſo langſame Fortſchritte, daß wir auch für das kommende Halbjahr auf ſeine Mitarbeit werden verzichten müſſen.