Jahrgang 
1887
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wesen Dienste erwiesen, welche uns die Lücke noch lange werden fühlbar bleiben lassen, die durch seinen Tod in unserem Kollegium entstanden ist. Auch ihm ist ein ehrendes Andenken unter uns gesichert.

Bei anderen Mitgliedern des Kollegiums hatten wir die Freude, sie nach längerem und schwerem Leiden wieder unter uns ihre Thätigkeit aufnehmen zu sehen. Fräulein Th. Schneider hatte als eine Wiedergenesende den ganzen Sommer Urlaub genommen, um neue Kraft zu sam- meln. Mit Beginn des Wintersemesters trat sie in einen Teil ihrer Arbeit wieder ein; sie konnte zu Weihnachten sich wieder mehr zumuten; für den Sommer wird sie ihre Arbeitslast fast ganz wieder übernehmen; so dürfen wir mit ihr die Hoffnung hegen, daß sie in absehbarer Zeit wieder ihrer vollen Arbeitskraft sich erfreuen wird, eine Freude, welche wir alle mit ihr teilen. Auch Herr Dr. Fritsch hat nach einem schweren Krankheitsanfall, welcher ihn veranlaßte, längere Zeit die mildere Luft Oberitaliens aufzusuchen, seine Arbeit wieder versehen können. Doch wurde ihm von den städtischen Behörden, erst vorübergehend, dann dauernd, eine Verminderung seiner Pflichtstunden bewilligt. Zu kürzeren Unterbrechungen ihrer Thätigkeit wurde außerdem eine größere Anzahl von Kollegen und Kolleginnen genötigt, so daß es häufig nicht leicht war, die Kontinuität des Unterrichts aufrecht zu erhalten. Manche von den gesunden Kollegen wurden dadurch stark belastet; wir sind ihnen dafür zu Dank verpflichtet, insbesondere jedoch auch Herrn Dr. R. Oesten, wie Fräulein B. Lentz, welche während des ganzen Schuljahres uns getreue Aushülfe geleistet haben.

Bei unseren Schülerinnen hat der allgemeine Gesundheitszustand einen bedeutend güns- tigeren Stand behauptet; ausnahmsweise sind wir von Epidemieen fast ganz verschont geblieben.

Um so grötzer war unsere Bestürzung, als am Schlusse des Sommersemesters in der VIIIa-Klasse das Auftreten von Diphteritis sich zeigte. Nur zwei Schülerinnen wuren von dieser Krankheit ergriffen; aber beide erlagen auch derselben nach kurzem, aber schwerem Leiden. Am 25. September starb Maria Riese; ihr folgte am 3. Oktober Anna Achenbach, zwei fröhliche, vielversprechende Kinder; der Schmerz um einen solchen Verlust erträgt nur ein stummes Beileid; wir haben mit den tiefbetrübten Eltern nur trauern können. Unter solchen ernsten Ein- drücken begannen wir unsere Arbeit wieder. Es war keine Vorsichtsmaßregel unterlassen worden um das Klassenzimmer zu desinfizieren und einen etwa noch vorhandenen Keim der Krankheit zu, zerstören; es hat sich auch keine Spur derselben mehr gezeigt.

In der zweiten Hälfte des Winters wurden die Eltern unserer Schülerinnen durch eine unbesonnene Notiz hiesiger Blätter in Aufregung versetzt, welche die Nachricht verbreitete, in unserer Schule sei der Scharlach ausgebrochen. Es liegt nicht in unserer Macht, solche Gerüchte zu verhindern. Doch dürfen die Eltern das volle Vertrauen zu uns hegen, daß der Gesundheits- zustand in unserem Hause die unausgesetzte Aufmerksamkeit in Atem hält. Kein Versäumnis einer Schülerin entzieht sich unserer Nachfrage nach der zweifellosen Veranlassung; wo ein, wenn auch entfernter Schein vorhanden ist, daß eine ansteckende Krankheit in der- Familie einer unserer Schülerinnen ausgebrochen sci, suchen wir volle Gewibheit. Andererseits müssen wir von den Eltern die gleiche Strenge erwarten; insbesondere müssen wir die Verantwortlichkeit betonen, welche die Fahrlässigkeit trifft, wenn uns in solchen Erkrankungsfällen der Kinder nicht die volle und unumwundene Benachrichtigung rechtzeitig zukommt. Denn nur unter dieser Voraussetzung ist es uns möglich, die unumgängliche Vorsicht walten zu lassen, um etwa schon geschehene In- fektionen zu beobachten, und Maßregeln gegen eine weitere Ubertragung zu treffen.