. 24 Als das andauernde Frostwetter nach Neujahr eintrat, fand sich die erwartete Gelegen-
heit, Beobachtungen anzustellen über die Luftbeschaffenheit unserer Klassenzimmer. Dieselben
erstreckten sich sowohl auf den Gehalt an Kohlensäure, wie an absoluter Feuchtigkeit.
Zur Messung der Koblensäure diente uns ein einfacher Apparat, welcher von Dr. Schaffer in Bern hergestellt und von namhaften Autoritäten empfohlen wurde. Die Beobachtungen er- folgten während mehrerer Wochen in den verschiedensten Räumen des Schulhauses, aber unter den gleichen Voraussetzungen, soweit dieselben die Stellung der Wärme- und Ventilationsklappen, vorhergegangene Lüftung etc. betrafen. Dieselben waren, wenn auch nicht von absoluter Zuver- lässigkeit, Sso doch von nicht geringem relativem Werte; denn sie bestätigten uns die Richtigkeit der Anordnungen, welche wir bis dahin auf gewisse mutmaßliche Wahrnehmungen hin schon ge- troffen hatten. Unumgänglich erscheint demnach als Regel, daß in jeder Pause ein Zimmerfenster geöffnet und während des Unterrichts die Warmluftklappe ganz geschlossen wird; sodann, daß die Benutzung des Gaslichts nur in den äußersten Notfällen angewendet werden darf. Wenn die Pettenkofersche Behauptung richtig ist, daß der Kohlensäuregehalt 1 pro Mille nicht überschreiten darf, wenn die Luft nicht schädlich werden soll, so wurde diese Normalgrenze in zwei Dritteln der Beobachtungsfälle überschritten; doch war wiederum in den meisten Fällen zu konstatieren, daß eine der obengenannten Regeln außeer acht gelassen war. So dürfen wir im ganzen mit den Ergebnissen dieser Beobachtungen wohl zufrieden sein; wir werden dieselben zu geeigneter Zeit wieder aufnehmen.
Die Messung des absoluten Feuchtigkeitsgehalts der Zimmerluft ist ungleich schwieriger, insofern die Vorbedingungen schwerer zu bestimmen sind, unter welchen die Beobachtung ge- schehen muß. Auch diese Untersuchungen wurden längere Zeit mit zwei Haarhygrometern vorge- nommen, welche jedesmal in genauen Einklang untereinander gebracht worden waren. Doch sind die Ergebnisse noch nicht derart, daß; wir es wagen dürften, formulierte Schlußfolgerungen aus denselben zu ziehen. Seit unsere Heizapparate mit vollkommeneren und ausgiebigeren Ver- dampfungseinrichtungen versehen sind, haben auch die Klagen wegen übergroßer Trockenheit der Zimmerluft bei uns bedeutend nachgelassen. Wenn trotzdem eine Reizung der Atmungsorgane sowohl bei Lehrern, wie bei Schülerinnen zu tage tritt, besonders zu Eingang des Winters, so wäre es voreilig, die Veranlassung lediglich in der Beschaffenheit der Luft der Schulzimmer zu suchen; der Grund liegt gewiß ebensosehr in dem Wechsel der Jahreszeit, wie in dem Um- stande, daß man dann allgemein genötigt ist, durch das Schließen der Fenster das Zuströmen von frischer Außzenluft zu unterbrechen. Dennoch nehmen wir keinen Anstand zuzugestehen, daß durch gewitze Mängel, welche jedem Schulhause anhaften und zum Teil mit seiner Bestimmung zusammenhängen, die Zimmerluft nachteiliger auf die Respirationsorgane wirken muß, als die Luft einer gesunden Familienwohnung. Wir werden auch nach dieser Richtung unsere Beobachtungen fortsetzen.
Die Kontrolle der Produktion und Regulierung der Wärme, über welche schon unsere vorjährige Einladungsschrift(pag. 22) berichtete, wurde auch in diesem Winter sowohl von den städtischen Aufsichtspersonen, wie von uns geübt. Die Ergebnisse waren in gleicher Weise zu- friedenstellend; die Schwankungen vollzogen sich innerhalb sehr enger Grenzen, und die Temperatur der Zimmer überstieg das Maximum von 15° nur in seltenen Fällen.


