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Aus wohlbedachten Gründen müssen wir es uns versagen, in irgend einer Form den engsten Kreis unseres Schullebens zu überschreiten, oder zu Gunsten irgend einer Veranstaltung unsere Aufmerksamkeit von dem gemessenen Gange unserer Unterrichtsthätigkeit ablenken zu lassen. Aber ein Ereignis, wie der Abschluß einer 25 jährigen Wirksamkeit eines verdienten Kollegen, welcher seine beste Kraft und seine ganze Liebe unserer Schule zugewendet hat, muß ür die ganze Anstalt eine solche Bedeutung gewinnen, daß sie diesen Tag mit dem Jubilar freu- dig begehen wird. Von dieser festlichen Stimmung erfüllt versammelten sich um 11 Uhr das gesamte Lehrerkollegium, die Seminar- und obersten Schulklassen in der Aula, um durch den Direktor dem hochgeehrten Kollegen und Lehrer ihren aufrichtigen Glückwunsch und den Dank für seine treuen Dienste auszusprechen. Der also Gefeierte konnte in seinem Rückblick auf diese lange, reichgesegnete Arbeitszeit nicht ohne Rührung der großen Krisen gedenken, durch welche er die Elisabethenschule hat begleiten dürfen; fast alle Mitarbeiter, in deren Kreis er vor 25 Jahren stand, deckt der Rasen; Hunderte von Schülerinnen haben einen wichtigen Teil ihrer Ausbildung von ihm empfangen; schon längst ist die zweite Generation unter seinen Händen; an Anerkennung hat es ihm nie gefehlt; so verbindet sich bei uns der Wunsch mit der Hoffnung, daß die Schule noch manches Jahr seine Erfahrung, wie seine getreue Mitarbeit wird genießen dürfen. Der Abend des 11. Januar versammelte im Hôtel Drexel einen großzen Kreis von persönlichen Freunden des Jubilars, insbesondere seine Kollegen mit deren Frauen und die Damen des Kollegiums, um bei einem einfachen Mahle ihre herzliche Mitfreude in ebenso frohbewegter, wie geistig angeregter Geselligkeit zum Ausdruck gelangen zu lassen.
Den Schluß des Semesters wird die Feier bilden, welche die Schule in Gemeinschaft mit dem ganzen deutschen Volke veranstaltet, um den Abschluß des 90. Lebensjahres Sr. Majestät des Kaisers festlich zu begehen. Nicht nur die kaiserliche Machtfülle, sondern mehr noch die menschlich-ehrwürdige Erscheinung hat über das ganze deutsche Volk sein kaiserliches Oberhaupt in solche Erhabenheit gestellt, daß in diese Höhe der Streit der Parteien nicht zu reichen vermag. Uns alle mahnt die Ehrfurcht, vor solcher gottbegnadeten Menschengröße als Kinder uns zu fühlen. Vernimmt auch unsere heranwachsende Jugend leider allzufrühe schon zu viel von dem Widerstreite der politischen Meinungen, so soll sie doch an diesem Tage erfahren, daß in der Ehre und Dankbarkeit, welche wir unserem Kaiser schuldig sind, die ganze deutsche Nation in Einmütigkeit zusammensteht. Die Eestrede wird Herr Baster halten. Die ganze Feier wird ein- geleitet durch folgenden, von dem Kollegen Herrn Dr. E. Böcker gedichteten
Prolog zu Kaiser Wilhelms 90. Geburtstage am 22. März 1887.
Ernst ist die Zeit! Gewitterdrohend steigen Da seht! Hoch über uns in tiefer Bläue Am klaren Friedenshimmel Wolken auf; Der Himmel noch! Es bricht der Sonne Glut Wir schau'n empor mit atemlosem Schweigen Grellleuchtend durch und überstrahlt aufs Neue Und fragen stumm: Was bringt der Dinge Lauf? Das weite Land vom Fels zur Meeresflut.
Wie sich die Wetter schwer herniederneigen!- Von Ost und West— wie türmen sie sich auf! Ist wirklich uns das Schreckliche beschieden? Bedroht ein neuer Krieg der Heimat Frieden?
Getrost! Wie auch der nahe Sturm uns dräue: Das Vaterland, es steht in Gottes Hut!
Hoch denn die Herzen! Hoch die fleh'nden Hände: Daß Er in Gnaden Unheil von uns wende!


