Jahrgang 
1885
Einzelbild herunterladen

11

Interesse eines Einzelnen oder eines Standes ist, und dem, was nach Einsicht der Besten das allgemeine Bildungsziel der Töchter gebildeter Stände sein muß. Immer aber lasse man dies als Fundamentalsatz für alles gedeihliche Zusammenwirken in der Erziehung der Jugend gelten: daß zwischen Elternhaus und Schule ein Vertrauensverhältnis bestehen muß von solcher Stärke, daß es nicht gleich durch einen versagten Wunsch, durch Irrtum oder Mitsverständnis, und auch nicht gleich durch einzelne Mängel zerrissen werden kann. Es ist gerecht und billig, das bisher errungene Gute anzuerkennen; in dieser Anerkennung selbst liegt wieder der beste Sporn, zu immer Besserem und Vollkommenerem zu streben.

B. Schulnachrichten.

1. Chronik des abgelaufenen Schuljahres.

Die schwebenden Organisationsfragen der Schule hatten schon vor Beginn des laufenden Schuljahres soweit ihre endgültige Erledigung gefunden, daß nur deren Durchführung noch be- vorstand. Die letzte dieser Fragen betraf die Beteiligung sämtlicher Klassen an dem obligato- rischen Turnunterrichte; da nunmehr auch die Selekta in den Turnbetrieb aufgenommen werden wird, hätte auch die Turufrage als erledigt angesehen werden können, wenn dieselbe nicht von einem anderen Gesichtspunkte aus wäre modifiziert worden.

Durch ministerielle Anordnung wurde nämlich der Gesamtunterricht in den Vorschul- klassen der höheren Knabenschulen einer Reduktion unterzogen; dieselbe hatte mit der Ver- kürzung einzelner Lehrfächer besonders eine Einschränkung der täglichen Unterrichtsstunden im Auge in der Weise, daß für die drei ersten Schuljahre je 18, 20 und 22 wöchentliche Unter- richtsstunden als Norm angesetzt wurden.

Da in den drei untersten Klassen der Elisabethenschule noch 22, 26 und 28 wöchent- liche Unterrichtsstunden hergebracht waren, erschien die Differenz doch zu auffallend; der Ge- danke wurde uns damit nahe gelegt, einen wenigstens teilweisen Ausgleich dieser großen Ver- schiedenheit zu versuchen, um so mehr, da die Unterrichtsziele der Vorschulklassen für beide Geschlechter ziemlich dieselben sind. Den einzigen Unterschied bildet der bei uns im 2. und 3. Schuljahre hinzukommende Handarbeitsunterricht. Derselbe war seither in wöchentlich 4 Stunden betrieben worden. Nach eingehenden Erwägungen wurde derselbe mit dem beginnenden Winter- semester auf 2 resp. 3 Stunden herabgesetzt. Ganz in Wegfall kam(in Übereinstimmung mit den Knabenschulen) die Heimatkunde als Unterrichtsgegenstand der VII. Klasse. Sie wurde als propädeutischer Kursus mit dem Jahrespensum der VI. Klasse verbunden. Damit erlischt auch der Vorwurf, daß die Anforderungen dieses Unterrichts für das Verständnis des dritten Schul- jahres durchschnittlich zu hoch lägen. Vollends gestrichen wurde(ebenfalls übereinstimmend mit