26 zühlen würden, so sollten auch sie des Dankes nicht vergessen gegenüber der Schule, welche ihre Schritte durch die Jahre des Wachsens und Gedeihens mit mütterlicher Sorgsamkeit geleitet und behütet habe.
Mit einem dem Ernste der Stunde entsprechenden Abschiedsliede schloß die bewegte Feier.
Während der Ferientage fand trotz der Ungunst der Witterung eine sehr große Zahl der erwachsenen Schülerinnen Gelegenheit, zu Ehren des Empfangs Sr. Majetät des Kaisers an der von den Schulen der Stadt gebildeten Spalieraufstellung sich zu beteiligen. Dabei verdient hervorgehoben zu werden, daß auch nicht wenige junge Damen, frühere Schülerinnen der Elisa- bethenschule, um die Erlaubnis baten, dem von den Lehrern geführten Zuge sich anschließen zu dürfen. Auch hierin erblicken wir gerne ein Zeichen der Anhänglichkeit, welche es nicht ver- schmäht, gegebenen Falles den alten, gerne gewährten Platz in unserer Mitte wieder einzunehmen.
Das Wintersemester wurde am 8. Oktober mit der Aufnahmeprüfung der angemeldeten Schülerinnen eröffnet. In die unterste Klasse(IXb) traten 51, in die übrigen Klassen der Schule und des Seminars weitere 8 Schülerinnen ein; das Gesamtergebnis war also wiederum ein sehr beschränktes.
Es gehörte sicherlich nicht zu den angenehmsten Obliegenheiten des Direktors, weitaus die Mehrzahl der Petenten, welche den Eintritt in die Elisabethenschule begehren, abschläglich bescheiden zu müssen. Nicht wenige der Abgewiesenen äußern es unverholen, daß nur der mangelnde gute Wille des Direktors die Abweisung verursache; und gewib eine weitere Anzahl hegt diese Anschauung im stillen, ohne derselben Ausdruck zu geben.
Zur Abwehr dieser ungerechtfertigten Vorwürfe ist eine Erklärung nachgerade un- umgänglich geworden.
Die allgemeine Kenntnis ist wohl vorauszusetzen, daß für jede Schulklasse eine Maximal- zahl offiziell festgesetzt ist, über welche hinaus die Zahl der Kinder nicht steigen soll und darf. Fast in sämtlichen Klassen ist auch die Zahl der vorhandenen Sitzplätze so bemessen, daß nur die bestimmte Anzahl von Schülerinnen untergebracht werden kann, also schon aus diesem Grunde ein UÜberschreiten der Norm sich von selbst verbietet. Da diese Zahlen mit den auf- steigenden Klassen stetig abnehmen, ergiebt es sich von selbst, daß bei jeder Versetzung die nächst höhere Klasse naturgemäß vollständig gefüllt werden wird, selbst wenn durch Austritt oder Zurückbleiben ein kleiner Ausfall entsteht. Nur in dem Falle, daß zufällig mehrere Schülerinnen derselben Klasse die Schule verlassen, wird ein Platz frei, welcher durch Neu- aufnahme besetzat werden kann. Als Beispiel möge dienen, daß in den 14 untersten Schul- klassen im Herbste auf diese Weise ein einziger Platz disponibel wurde. Da von der zweiten Klasse ab die Schülerinnen in größerer Zahl die Schule zu verlassen pflegen, treten neue Schülerinnen erfahrungsgemäß fast ausschließlich in die obersten Klassen ein.
Der Direktor ist verpflichtet, sobald wie möglich nach Beginn jedes Semesters über die Besetzung sämtlicher Klassen der Schule wie des Seminars sowohl der städtischen Schul- behörde wie dem Königlichen Provinzial-Schul-Kollegium Rechenschaft abzulegen; er muß darüber Bericht erstatten, ob und aus welchen Gründen eine Überschreitung der vorgeschriebenen Maximalzahlen nicht zu umgehen gewesen sei.
Aus diesen angeführten Thatsachen ergiebt sich wohl in überzeugender Weise, daß die Aufnahme neuer Schülerinnen an ganz genaue Vorschriften gebunden ist und daß für das Belieben eines Einzelnen kein Spielraum übrig bleibt.


