Jahrgang 
1884
Einzelbild herunterladen

19

2. Schulnachrichten.

1. Zur Geschichte der Schule und ihrer Organisation.

Seit vielen Jahren zum erstenmal können wir an die Spitze dieses Teiles unserer Ein- ladungsschrift das freudige Bekenntuis stellen, daß wir dem neuen Schuljahre entgegensehen, ohne Wünsche äußern zu müssen, welche auf eine weitere Ausdehnung der Plisabethenschule gerichtet wären. Die Organisation hat mit der Errichtung der Selekta ihren Abschluß gefunden. In zwei und zwanzig Klassen umschließt das Ganze eine höhere Mädchenschule von zehn auf- einander folgenden Schuljahren und ein Seminar mit drei Jahreskursen; die neun Schulklassen haben Parallelabteilungen; die Selekta und die drei Seminarklassen werden eine Teilung in Doppelcöten wohl grundsätzlich nie erfahren. So dürfen wir behaupten, daß sich in ganz Deutschland schwerlich eine zweite Schule finden wird, welche mit einer so reichen Gliederung ausgestattet ist. Unseren städtischen Behörden sind wir den uneingeschränkten Dank schuldig für die weitgehende Bereitwilligkeit, mit welcher sie unseren begründeten Wünschen entgegen- kamen und die erforderlichen Mittel zu deren Ausführung uns rückhaltlos bewilligten. Umso- mehr fühlen wir uns zu diesem Danke gedrungen, da wir die wachsenden Anforderungen des überraschend sich ausdehnenden Schulwesens in unserer Stadt zugleich mitübersehen; ist die thunlichste Sparsamkeit damit auch dringend geboten, sie hat im einzelnen es uns nie an dem Erforderlichen mangeln lassen. Diesem anerkennenden Danke müssen wir an dieser Stelle den gebührenden öffentlichen Ausdruck geben.

Die Errichtung der Selekta nötigte uns, die letzten verfügbaren Räume unseres Schul- gebäudes in Anspruch zu nehmen. Damit hieng eine weitere, schon seit Jahren schwebende Frage zusammen, welche die Gewinnung einer passenden Pedellenwohnung betraf. Seither hatte der Schuldiener in dem Schulgebäude selbst ein provisorisches Unterkommen gefunden; das Zimmer, welches ihm als Schlafzimmer war überlassen worden, mußte fortan die Naturalien- sammlung aufnehmen; die weiteren Räumlichkeiten, welche er in Benutzung hatte, waren aus sanitären Gründen ungeeignet; damit war die Frage wegen Beschaffung einer abgeschlossenen Wohnung für den Pedellen nicht weiter zu vertagen. Es ging auch nicht an, ihm die Ermietung einer Wohnung selbst zu überlassen; denn die Sicherung des Schulgebäudes vor jeder Gefahr, insbesondere vor Feuer- und Wasserschaden, erfordert eine unausgesetzte Beauf- sichtigung des Hauses bis zur späten Abendstunde; auch die mancherlei Beihülfe, deren unsere kleinsten Schülerinnen bedürfen und welche ihnen von der Familie des Pedellen stets bereit-