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willig erwiesen wird, bedingt die möglichste Nähe der Pedellenwohnung im Bereiche der Schule. Diese und andere Gründe unterstützten den Beschluß, ein an den Schulhof grenzendes Grund- stück zu erwerben. Dasselbe fand sich in dem Hause Meisengasse 20, dessen Ankauf durch die städtischen Behörden im Laufe des Sommers ratifiziert wurde. Da die Benutzung desselben noch einige bauliche Veränderungen nötig machte, wurde bis zum geschehenen Umzug des Pedellen die Seminarklasse A vorläufig im Bibliothekzimmer untergebracht; das beginnende Wintersemester fand uns in voller Ordnung; die Klassen haben nunmehr ihr entsprechendes Unterkommen gefunden; freilich ist auch das letzte Eckchen unseres großen Hauses nunmehr in Anspruch genommen worden.
Die Erwartungen, welche wir in die Entwickelung der Selekta setzten, haben sich in erfreulicher Weise erfüllt. Sie sollte als eine Schulklasse ausgebildet werden, ohne akademischen Charakter, ohne fakultativen Unterricht. Es hat sich bewährt, daß wir jede freiere Aus- gestaltung möglichst beschränkten; Fleiß und Haltung der Klasse hat während des ersten Schuljahres zu einem Bedenken keinerlei Veranlassung gegeben. Die starke Besetzung mit Schülerinnen aus unseren ersten Klassen, wie die wachsenden Anmeldungen aus anderen hiesigen Schulanstalten bestätigen uns, daß wir in der Zusammenstellung der Lehrfächer wie der Abgren- zung der Unterrichtszeit die Wünsche der Eltern getroffen haben. Der Verbleib einzelner Schülerinnen in der Klasse über die Dauer eines Jahreskursus hinaus bringt uns die Veranlassung, die Dehnbarkeit des Pensums dahin zu erweitern, daßz auch in einem dritten Semester sich noch neues in reichlicher Menge wird bieten lassen.
Die Durchführung des Purnunterrichts durch alle Klassen der Schule und des Seminars ist in vollem Zuge und wird im Herbste dieses Jahres abgeschlossen sein. Die Bedenken, welche bei diesem großen Entschlusse sich uns aufdrängten, haben wir vor Jahresfrist nicht unerörtert gelassen. Die Angstlichkeit, erwachsenen Mädchen bis zu zwanzig Jahren die Teilnahme an einem obligatorischen Turnunterrichte zuzumuten, war gewiß berechtigt. Es liets sich befürchten, daß die Neuerung bei Eltern und Arzten auf Widerstand stoßen würde; denn nicht nur Anstands- rücksichten kamen hierbei in Betracht, sondern ebensowohl bestimmte physiologische Fragen. Wir dürfen rühmen, daß die Befürchtungen bis jetzt als grundlos sich erwiesen haben; es ist kein einziges Dispensationsgesuch gestellt worden, welches auf ein Widerstreben gegen das Turnen an sich hätte zurückgeführt werden können. Noch mehr beruhigt uns das Verhalten der Mädchen selbst; man braucht nur in eine Turnstunde zu gehen, um sich zu überzeugen, mit welchem Eifer und welcher Lust die Turnübungen betrieben werden, auch von den Semina- ristinnen, von denen nicht wenige zum erstenmal mit diesen Künsten bekannt gemacht werden. Freilich sind wir noch nicht am Ende angelangt. Da kaum eine andere Schule auf ihren höheren Stufen den Turnunterricht durchgeführt hat, viel weniger noch ihre Erfahrungen oder Pläne veröffentlichte, sind wir genötigt, selbst unsere Wege uns zu suchen. Die Elisabethen- schule führte schon vor fünf und dreißig Jahren(1849) das Turnen als obligatorischen Lehrgegenstand ein; keine andere Schule hat auf diesem Gebiete so alte, wohlbegründete Er- fahrungen; sie darf also auf ihre Traditionen sich wohl verlassen; nichts destoweniger wird es noch großzer Vorsicht und weitgreifender Uberlegung bedürfen, bis wir imstande sein werden, den Unterrichtsplan im einzelnen endgültig festzusetzen. Doch hoffen wir auch hierin das Rechte zu treffen, da wir in dem sach- und fachkundigen Rate des Herrn Turninspektor Danneberg die erwünschteste Beihülfe besitzen.


