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um so tiefer, weil es den Mann in die geheimsten Falten des Herzens seiner Frau hat blicken lassen; es offenbart ihm, daß seine Genossin ihre ganze, ungeteilte Hingabe an seine Lebens- arbeit und Sorge ihm nicht geschenkt hat; es richtet eine Scheidewand auf zwischen zwei Menschen, die durch keinen Gedanken sollten geschieden sein; es führt zu einer Erkältung der Gemüter, welche dem verhängnisvollen Gedanken Nahrung giebt, daßz die Lebenswege sich besser nicht gekreuzt hätten.
Der Entgegnung auf die zweite Behauptung,»daß die Mädchen nicht genug lernen könnten«, haben wir inzwischen schon vielfach vorgegriffen.
In der Form, wie sie ausgesprochen wird, muß sie uns noch mehr stutzig machen, wie die erste. Wenn man auch bereit ist, ihr ein gewisses Maß von Berechtigung zuzugestehen, so wird man doch seine Zustimmung zurückhalten, so lange bis eine Grenze gesetzt ist, welche der öffentlichen Mädchenerziehung Weg und Ziel vorschreibt.
Denn nur, wenn wir in dieser Behauptung einen Vorwurf erblicken, welcher seine Spitze gegen das öffentliche Mädchenschulwesen richtet, kann dieselbe überhaupt eine Bedeutung für uns gewinnen. Bei der Erziehung der Töchter ist den Eltern die volle Freiheit gelassen selbst zu entscheiden, welchen Bildungsweg sie dieselben einschlagen lassen wolleu. Zahlreiche Privat- anstalten bieten die wünschenswerteste Auswahl in der Zusammenstellung der Unterrichtsfächer; sie sind auch unterschieden nach den Gesellschaftskreisen, aus welchen sie ihre Zöglinge beziehen; sie legen auch traditionell mehr Gewicht auf gewisse Kutzerlichkeiten der gesellschaftlichen Aus- bildung; vermöge ihrer Unabhängigkeit von höheren Verwaltungsinstanzen sind sie in der Lage, den persönlichen Wünschen der Eltern in Bezug auf Nachhülfe, Dispensatiounen u. s. w. Rechnung zu tragen. Diese je unach Fall und Art berechtigte Dehubarkeit ihrer Grundlage wird den Privat- unternehmungen ihren Bestand für die Zukunft sichern.
Aber ihre Unabhängigkeit ist auch nur eine scheinbare. Denn in der Hauptsache, nämlich ihren Leistungen, müssen sie es sich gefallen lassen, daß man allerorts die Ergebnisse des öffentlichen Schulunterrichts ihnen vorhält. Damit ist viel gewonnen. Sie werden genötigt, zu ihrem eigenen Besten aus der Isolierung herauszutreten, dem großen Strome sich anzuschließsen und die Erfahrungen, welche anderswo erprobt sind, sich zu nutze zu machen; wo dies nicht geschieht, da werden die tauben Blüten bald abfallen.
Aus den Reihen derer, welche diesen Umschwung der Dinge nicht anerkennen wollen und dem indirekten Einflusse des öffentlichen Mädchenschulwesens noch widerstreben, stammt vorzugsweise jene UÜbertreibung der Forderungen für den Wissensbereich des weiblichen Geschlechtes. Man hegt hier einen gewissen Widerspruch gegen die öffentliche Erziehung der Mädchen, befindet sich also in eiuer prinzipiellen Opposition gegen die öffentliche Mädchenschule, und da diese Gegnerschaft eine mehr empfundene, als aus klaren bewußten Gründen geschöpfte ist, kleidet sich dieselbe in fremde Formen.
Viel scheint allerdings dafür zu sprechen, daß die Mädchen im engeren Kreise, womöglich im elterlichen Hause erzogen und unterrichtet werden sollen. Schon die Schulwege sind in einer großen Stadt unleugbar nicht ohne Bedenken. Früh morgens im Zwielicht und abends in der Dämmerung müssen während der Wintermonate die Kinder die Straßen durchwandern; die kleineren sind den direkten Gefahren des lebhaften Verkehrs ausgesetzt; die größzeren sind außerdem vor Roh- heiten und Excessen nicht sicher. Mit der Zeit werden auch die Mädchen keck; der knabenhafte


