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Diese schwer empfundene Kalamität lastet auf dem männlichen Geschlechte in allen Berufszweigen, welche eine wissenschaftliche Bildung voraussetzen; wollen wir in diese Bedrängnisse auch noch das weibliche Geschlecht mit hinein gezogen wissen? Trotz alledem werden unter denen, welche in Deutschland die Bewegung zu Gunsten der sogenannten Frauenfrage leiten möchten, noch Stimmen laut, welche von dem Staate die Errichtung von Lyceen und Akademien für das weibliche Geschlecht glauben fordern zu dürfen.
Schulunterricht und Schulerziehung bedeuten für die beiden Geschlechter darum etwas grundverschiedenes.
Sobald der Knabe den ersten schüchternen Schritt über die Schwelle der Schule thut, hat die Loslösung von dem Vaterhause ihren Anfang genommen; er bleibt nur noch ein Gast in demselben. Das Leben hat ihn in seine Vorstufe aufgenommen; er wird sich dessen bald bewußzt, daß er in jeder künftigen Lebensstellung etwas gelernt haben muß. Vielleicht sieht er schon seine bestimmte Lebensbahn vor sich; der künftige Kaufmann, Techniker, Beamte bevor- zugt schon gewisse Zweige des Unterrichts, weil er diese Kenntnisse später wird erproben können. Dabei wird er mit zunehmender Klarheit sich bewußt, daß er in seiner künftigen Stellung auf alle Fälle in bestimmt abgegrenzte Verhältnisse sich wird einordnen müssen. An diese Ein- resp. Unterordnung gewöhnt ihn schon die Schule; er wird gelehrt, daß diese Be- schränkung seiner Willensfreiheit nicht auf Kosten seines Selbstbewußtseins eintreten solle. So tritt er frühzeitig unter die öffentliche Kontrolle; vor ihm liegt das selbstgewählte Feld seiner Berufsthätigkeit, welches er streben muß zu erreichen; hinter ihm steht der Zwang des vüter- lichen Hauses und mahnt zur Eile; er schädigt sich selbst, wenn er aus eigener Schuld hinter seinen mitstrebenden Genossen zurückbleibt; er muß die Zeit auskaufen um sich mit dem be- stimmten Maße von Wissen auszurüsten, welches später von ihm nachgewiesen werden muß.
Nichts von alledem bei dem Mädchen. Ihm bedeutet die Schule nur ein zeitweiliges Heraustreten aus seinem natürlichen Verbande; es tritt unter die öffentliche Autorität nur so lange, bis die naturgemäßze Ordnung der Dinge es wieder in den Kreis des Hauses und der Familie zurücktreten heitzt. Daher darf bei ihm der Zusammenhang mit den hauptsächlichen Quellen seiner geistigen und sittlichen Ernährung sich niemals in dem gleichen Mafze lockern, wie bei dem Knaben; mag die Schule dem Bruder auch alles werden, für die Schwester wäre es ein Unglück, sollte ihr die Mutter auch nur annähernd durch die Schule ersetzt werden. Eine instinktive Empfindung hat das Mädchen davon, daß die Schule ihm nie so nahe treten kann; daher auch sein weitergehendes Widerstreben gegen Anordnungen, welche der Schulorganismus ihm als Pflicht auferlegt; daher sein passiver Widerstand gegen alles, was ihm nicht psychologisch vermittelt werden kann, was es sich nicht geistig zu assimilieren vermag; dies alles trägt es als einen Ballast, den es baldigst abschüttelt.
So steht es mit der natürlichen Neigung, welche die weibliche Jugend der gründlichen Aneignung des gesamten Wissensstoffes, welchen die Schule bietet, entgegenbringt. Es fehlt fast durchaus jeder Hinweis auf eine zukünftige Ausnützung des erworbenen Kapitals. Oder soll man es gelten lassen, daßz dem Mädchen gesagt wird, in deiner zukünftigen gesellschaftlichen Stellung mußt du dies und jenes wissen? über dies und das mufzt du mit reden können? Nehmen wir als Rechtfertigung nicht die Thatsache, daß dies in der That geschieht; wir kennen zu wohl die Mißbräuche, die hiermit im Zusammenhange stehen. Naturnotwendig wird damit das Mädchen auf eine falsche Bahn gedrängt; seiner Natur entspricht es, während der Schulzeit in


