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suchen, sich sagen lassen muss: davon verstehst du nichts! aber ihren Töchtern gegenüber wird ihre Autorität entschieden gefährdet, wenn sie sich nicht fähig weiß, auf allen Stufen der geistigen Entwickelung sie verständnißvoll zu begleiten und zu führen.
Mag man auch diesen oder jenen Ausdruck, welcher vielleicht zu weit zu gehen scheint tilgen; im ganzen wird man zugestehen, daß diese Anschauungen nicht nur gehegt, sondern auch geäußert werden. Nicht einmal alles, sondern nur das Verbreitetste ist angeführt, welches die Behauptung stützen soll, daßz die Mädchen nicht genng lernen könnten. In diesem Falle ist der Vorwurf, welcher die Schule trifft, ein mehr indirekter; was sie leistet wird nicht angefochten; nur gehe Alles noch nicht weit genug; wurde doch unlängst die Elisabethenschule angeklagt, daß die Schülerinnen der ersten Klasse nicht einmal mit der Theorie und Konstruktion des Telephons vertraut seien.
Was haben wir von diesen Begründungen zu halten?
Wären die Beschuldigungen, welche in solcher Menge auf die Schulen gehäuft werden, alle begründet, wir würden angesichts der Unfruchtbarkeit und Verkehrtheit unseres Thuns ratlos dastehen. Doch muß eben das Eine uns trösten, daß die Vorwürfe vielfach gegenseitig sich aufheben. Die beiden thematischen Behanptungen stehen schon einander so diametral entgegegen, daß wir es eigentlich ruhig könnten abwarten, bis der principielle Streit ausgetragen würe, und könnten dann nach den obsiegenden Schlußurteilen eine Revision der Grundlagen unserer Unter- richtsthätigkeit vornehmen mit einer ziemlichen Gewißheit, dann das Rechte wirklich zu treffen. Doch würden wir mit diesem Entschlusse uns zu einem langen Warten verurteilen; denn dieser Streit der Meinungen ist ebensowenig neu, wie sein endlicher Austrag sich irgendwie absehen läßt. Die Schule kann darum nicht abwartend sich auf die Seite stellen; da sie gerade in ihren Absichten und Bestrebungen das eigentliche Kampfobjekt ist, wird sie bei jedem neuen Stadium des Streites aufs neue prüfen müssen, wie viele Streiche wirklich an ihr eine ungedeckte Stelle treffen, ob sie sich verwundbar weißz, and welche Verteidigungswaffen ihr zu Gebote stehen.
Eine erste unbefangene Prüfung der aufgeführten Gründe bringt uns die Überzengung, daß die Erörterungen pro et contra jedenfalls einseitig zugespitzt sind. Aber auch nach Abzug der Übertreibungen werden wir es uns nicht verhehlen können, daß in sämtlichen Behauptungen ein gut Stück Wahrheit enthalten ist.
Welche Stellung hat demnach eine sorgsame Schulpädagogik gegenüber diesen Fragen und Klagen einzuncehmen?
Vorab kann und darf nicht bestritten werden, daß die Schule oder vielmehr der einzelne Lehrer in seinem heiligen Eifer wohl hier und da etwas zu weit geht. Doch hängt das Urteil hierüber zunächst davon ab, ob man bei der Behauptung,»daß die Mädchen zu viel lernen«, die Betonung auf»lernen« oder auf»zu viel« legt. Allerdings lernen die Mädchen zu viel, wenn man hiermit meint, daß sie ihr Gedächtnis mit einem Übermaß von unverdaulichem und unver- dautem Material belasten; und sieht man die Art an, wie in vielen Mädchenschulen gelernt wird, so möchte man sich diesen Klagen mit voller Uberzeugung auschließzen. Eine Gefahr der Übertreibung liegt hier allerdings vor; doch entspringt dieselbe nicht zum wenigsten der eigen- tümlichen Neigung der weiblichen Natur, daß sie weit lieber mit dem Gedächtnisse als mit dem Verstande operiert. Die Gabe der Beobachtung geht ihr auffallend ab im Vergleich mit der
männlichen Jugend. Tausend Fragen aus der Welt der Erscheinungen um uns hat der Knabe Elisabethenschule 1884. 2


