es allmählich zu einer Pflichtsache darauf zu sinnen, wie er diesem Treiben und Drängen Einhalt thue, bevor größerer Schaden entstehe.
Sieht man nun das bunte Vielerlei dessen durch, was das Kind alles bewältigen soll, so ließze sich ohne Gefahr manches streichen. Gar vieles hat für die Zukunft des Kindes gar keine Bedeutung. Es braucht keine detaillierte Kenntnis weder der Gesetze noch der Einzel- erscheinungen der Natur zu haben; dann die unendliche Reihe von Geschichtszahlen und geographischen Namen hat für das Kind doch gar keinen Wert; Handarbeit wird in seiner voraussichtlichen zukünftigen Lebensstellung doch nie von ihm verlangt werden.
Die direkte Folge dieser UÜberladung ist die, daß die Mädchen doch nichts gründlich lernen; weder werden sie geistig selbständig, noch lernen sie genug, um schlimmsten Falles auf das Gelernte eine unabhängige Zukunft sich zu gründen. Statt den Ernst der Arbeit wirklich zu erfahren, bekommen sie von allem nur die Süßigkeiten zu kosten; gerade das für ihre ganze Lebenszeit Notwendigste und Unentbehrlichste bleibt ihnen fremd, nämlich ein energisches Pflichtbewußtsein, Sinn für Ordnung und Pünktlichkeit; den Wert des Geldes und der Zeit lernen sie nicht schätzen.
Dies alles wird bestätigt durch eine Beobachtung, welche zwar allgemein gemacht, aber doch selten ausgesprochen wird. Mit dem Wissensbesitz, welchen die Mädchen aus der Schule mitbringen, wissen sie nichts anzufangen. Denn womit füllen sie ihre Thätigkeit aus in den Jahren vom Schulschlusse an gerechnet bis zur Begründung eines eigenen Hausstandes? in den meisten Fällen ist es nicht viel besser als eine Tändelei. Selten haben sie Lust gründlich mit anzufassen; da wir noch unter dem Vorurteile stehen, daß die Arbeit schände, fällt dieselbe den Dienstboten zu; oder aber die Mutter ist bereit, in aufreibender Weise sich zu plagen, damit nur das Töchterchen nicht in Anspruch genommen zu werden braucht. Was dieses produziert, sind zwar schöne, aber meist auch entsprechend teure Spielereien. Ihrem körper- lichen Wohlbefinden und Gedeihen wäre es viel zuträglicher, wenn sie ihre körperliche Kraft und Leistungsfähigkeit recht anstrengen wollte, das gäbe auch ihrer Gesundheit für die Dauer einen festen Halt; denn wo findet man heutzutage noch eine gesunde Frau? statt dessen geht das Lernen weiter; der Privatunterricht, welcher nun folgt, greift wo möglich noch weiter in abgelegene Gebiete über, als die Schule schon that; der Vater hat die schweren Kosten zu tragen; kann man es ihm verübeln, wenn er fragt: Wozu das alles? Wo liegt der Zweck oder der Nutzen?
Im Gegenteil wird ein augenfälliger Schaden angerichtet durch dieses Ubermaß von Geisteskultur und ästhetischer Liebhabereien. Denn die landläufigen Klagen über die schlechten Zeiten und die herrschende Unzufriedenheit rühren zum großen Teil daher, daß ein bedeutender Bruchteil der so erzogenen und gebildeten Frauen überzeugt sind, durch die Ehe diejenige Lebensstellung nicht gefunden zu haben, auf welche sie von Rechts wegen hätten Anspruch erheben dürfen; so wird durch die maßlose Überschätzung des persönlichen Wertes der Grund gelegt zu einer Bitterkeit, welche gar ein Menschenalter lang über einem vielleicht sonst glück- lich angelegten Familienkreise als eine dunkle Wolke lastet.
In diesem oder einem ähnlichen Sinne bewegen sich die Angriffe, welche gegen das behauptete Übermaß des Lernens sich richten. Weder die Heftigkeit der Meinung, noch etwa die herbe Fassung des Wortlauts sind dem Bereiche der Phantasie entnommen; solche Auße- rungen sind häufig zu hören, und werden vielleicht da nicht am häufigsten laut, wo sie am


