Jahrgang 
1883
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ihm eine starke Stütze zu sein in seinem Kämpfen und Streben, zu glätten und zu ebnen, und ihm sein Haus voll Frieden stets offen zu halten als den Zufluchtsort, der von Stürmen nicht berührt wird. Hier wartet ihrer die höchste Aufgabe, die ihr das Leben nur stellen kann; wenn irgendwo so soll hier der Segen unter ihrer Hand erblühen. Denn das Haus ist einer edlen Frau Burg und Palast; hier steht sie unter dem mächtigen Schutze der Sitte; hier ist sie Königin und trägt die Krone der Würde..

Wohl ihr, wenn sie diese Eindrücke aus dem vüterlichen Hause als einen unverlierbaren Schatz mit hinausgenommen hat! An ihnen besitzt sie ein Gut, mit welchem sie nur von Seiten des Elternhauses ausgestattet werden kann, von keiner späteren Lebenserfahrung, auch nicht von der Schule. So sehen wir uns durchaus abhängig von der starken und freudigen Unterstützung der ersten und obersten Instanz aller Erziehung der Familie..

Unsere Absichten sind nach dem Gesagten nunmher wohl klar durch die drei genannten Seiten unserer Thätigkeit, die wissenschaftliche, die ästhetisch-künstlerische und die ethisch-religiöse suchen wir ebenso viele Seiten der jaugendlichen Natur zu erziehen: einen hellen Kopf, ein sinniges Gemüt und ein warmes Herz. Aber nicht Eins vorwiegend über das Andere, und noch weniger Eins auf Kosten des Andern! Und sehen wir, daß unsere Hoffnungen nur zum Teil sich erfüllen, so wissen wir wohl, daß eigene Mißgriffe und Irrungen unser Werk oft genug schädigen; wir bleiben uns jedoch auch bewußßt, daß wir den Acker nur nach bestem Wissen und Vermögen bestellen können, über Sonnenschein und Regen aber nicht gebieten.

Aber eine Frage haben wir noch nicht berührt, welcher doch die Schule auch nicht aus dem Wege gehen kann und darf, nämlich die Frage nach der Zukunft derjenigen Kinder, welche aus irgend einem Grunde die Wahrscheinlichkeit in's Auge fassen müssen, daß sie mit eigner Kraft den Weg sich bahnen, durch eigene Thätigkeit ihren Unterhalt dem Leben werden abringen müssen. Diese Frage ist doch gewiß eine prennende; die soziale Not ist doch vorhanden, und unter den sozialen Fragen internationalen Charakters steht doch die sogenannte Frauen-Frage mit oben an; sie läugnen wollen, hieße wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken.

Kann denn eine Schule, wie die unsrige, nicht dahin streben, die weibliche Jugend er- werbsfähig zu machen?

Wir antworten mit einem wohler wogenen, ehrlichen, runden: Nein! das können nur Fachschulen, zu welchen unser Seminar auch zu zählen ist.

Es mub uns erlassen bleiben diese ablehnende Antwort im Einzelnen hier zu begründen. Denn es würde nicht genügen, die Thatsache des Notstandes einfach anzuerkennen und die Mittel zu beleuchten, welche aus diesem Zustande herausführen, sondern wir müßten nach den Quellen des Notstandes selbst forschen. Wie schwierig diese Fragen sind, geht schon daraus hervor, daßz nur so selten ein Berufener es gewagt hat sich über dieselben auszusprechen; weitaus die meisten der bis jetzt laut gewordenen Stimmen gemahnen uns an den Kinderkreuzzug, der das heilige Land erobern will. Man greife jedoch zurück bis auf Fichte's Reden an die deutsche Nation, da findet sich viel Beherzigenswertes, das auch heute noch nicht veraltet ist.

Man sage jedoch auch nicht: das weibliche Geschlecht müsse vor der Teilnahme an dem Streite bewahrt bleiben; es besitze nicht die Kraft, sei auch nicht berufen in den Kampf der Geister sich zu mischen. Diese Frage hat mit der anderen nach der Erwerbsfähigkeit zu- nächst nichts zu thun. Das weibliche Geschlecht ist aus seiner früheren kindlichen Position