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nicht ausschließlich als Lehrer ansehen, denen man scheu aus dem Wege geht, sondern sollen die persönliche Freundschaft suchen, die mit Rat und That Auskunft und Hülfe zu spenden sich bereit finden läßt, und gern geneigt ist vom Katheder herabzusteigen, um Sinn und Art der Schülerinnen auch im freien Umgange kennen zu lernen. So soll der Verkehr sich regeln, unter der lebendigen Empfindung, daß wir Alle unter dem Gesetze stehen, daß in keinem Teile des großen Ganzen die Willkür des Einzelnen herrschen darf, daß wir den Genuß der wahren Freiheit in der Gebundenheit suchen, daßz wir die Schönheit des Ganzen in der ungetrübten Harmonie erstreben und daß jede Störung im Einzelnen angesehen werden muß als ein Frevel gegen den Geist der guten Sitte, welcher das Ganze durchdringt. Wenn auf diesem Gebiete auch noch Manches für uns zu bessern und zu regeln ist, so dürfen wir es doch mit Bestimmt- heit erklären, daß hierüber eine Meinungsverschiedenheit unter uns nicht vorhanden ist; wir dürfen darum auch die wohlbegründete Hoffnung hegen, daß es uns gelingen wird, mit Nachdruck den erkannten Uebelständen zu steuern. Dazu bedürfen wir aber der thatkräftigen Unterstützung des elterlichen Hauses, und um diese wollen wir wiederholt gebeten haben.
Als zweiter Faktor der allgemeinen Bildung gilt zweifellos der Besitz eines gewissen Schatzes von positiven Kenntnissen. Welchen Gebieten dieselben entnommen sein sollen, wird wohl schon seltener gefragt. Diese Frage wird sich auch verschieden beantworten lassen müssen, weil persönliche Anlage und Neigung, ganz besonders aber die Verschiedenheit der Kräfte und Bedürfnisse, mit welchen die beiden Geschlechter von der Natur ausgestattet sind, hierbei in Betracht gezogen werden müssen.
Es ist noch nicht gar lange her, daß das Mädchenschulwesen begonnen hat seine eigenen Wege sich zu suchen. Bis dahin befand sich namentlich die höhere Töchterschule in starker Abhängigkeit von den Erfahrungen, welche man in den Knabenschulen, besonders den Real- schulen, gesammelt hatte. Sie bekam damit selbst einen mehr oder minder ausgeprägten realschulmäßigen Charakter. Wir wollen es hier unterlassen im Einzelnen auszuführen, wie weit diese Anlehnung hervortrat in der auf gleicher Altersstufe beobachteten Einführung der einzelnen Unterrichtsfächer, in der Gleichheit der Methoden, in dem Gebrauche derselben Leitfäden und Lesebücher. Gewiß ist, daß diese Gleichartigkeit durchgeführt wurde auf Kosten der kon- stitutionellen Elemente der weiblichen Natur. Als besonderes Bildungsmittel für die weibliche Jugend wurden noch einige ästhetisirende Disziplinen gepflegt, welche den ausgesprochenen Zweck hatten die Schülerinnen„anzuregen“. Doch gehen wir wohl nicht zu weit, wenn wir behaupten, daß das psychologische Moment dieser beabsichtigten Anregung wohl niemals zu einem klaren pädagogischen Ausdruck gekommen ist. Wollte man ein Verständnis erziehen für das Schöne auf irgend einem Gebiete der Kunstleistung? Wollte man also dem Geschmack damit eine künst- lerische Ausbildung angedeihen lassen? Oder wollte man das Interesse erwecken, selbst tiefer einzudringen in die Gebiete künstlerischen Schaffens, deren Vorhallen der Jugend durch die Schule erschlossen wurden? oder gedachte man den Schülerinnen so viel zu bieten, daß sich deren Kenntnisse schon zu einem übersichtlichen und eindringenden Besitz abrundeten? Nehmen wir an, es seien alle Absichten vereinigt gewesen. Damit wurde aber weder das Ziel klarer, noch die zu ihm führenden Wege einfacher. Dem erfahrenen, mit der Natur der weiblichen Jugend vertrauten Lehrer blieb es überlassen, das auszuwählen und seiner persönlichen Art entsprechend zu behandeln, was er für zweckdienlich hielt; und zweifellos sind unter den geschickten Händen berufener Männer dankenswerte Erfolge erzielt worden. Die Methode blieb


