Jahrgang 
1882
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sprechen, daß sie verstehen kann, wie sie es meinen; daßz siegerne folgt und gerne hört dem Streit der Klugen zu, wenn um die Kräfte, die des Menschen Brust so freundlich und so fürchterlich bewegen, mit Grazie die Rednerlippe spielt. Und dies Alles soll bewältigt werden in einer zwar zehn lange Jahre umfassenden, aber für diese Forderungen doch so kurzen Schulzeit! da steht die Schule solchen Ansprüchen ratlos gegenüber, wenn sie sich nicht entschließen kann dem Scheine zu dienen, und Schülerinnen sowohl wie Eltern klagen über die Ueberbürdung und seufzen unter der Last der Schulstunden wie der häuslichen Arbeit, welche nach ihrem Dafür- halten nur durch die Willkür der Lehrer auf sie getürmt werde.

Hier sind wir an einer Grenze angelangt oder haben sie vielleicht schon überschritten, welche dringend eine Revision erheischt. Wird hier nicht ein entschiedenes Halt geboten, so laufen wir Gefahr, die gesunde Natur der Jugend zu schädigen. Die Elastizität der jugendlichen Fassungskraft verträgt viel; aber wir sind nur selten in der Lage zu beurteilen, wie weit solche Uebertreibungen in späteren Jahren an Körper und Geist sich rächen. Daß ein gewisses Mafz positiver Kenntnisse Einfluß gewinnt auf die Ausbildung der Charaktertüchtigkeit, ist ein unbezweifelter Erfahrungssatz; wo aber der Punkt liegt, an welchem diese Wechselwirkung beginnt, darüber wird sich eine Gewitheit so leicht nicht gewinnen lassen. Sicher aber ist eine solche Buntscheckigkeit des Wissens nicht geeignet, eine Konzentration des Wesens bei einem werdenden Menschen herbeizuführen; im Gegenteil kann diese Zersplitterung des Interesses nur zu einer Konfusion führen. Darum gilt es namentlich für den Unterricht der weiblichen Jugend wieder ein festes einheitliches Fundament zu konstruieren, auf welchem der ganze Bau sich fest fügen und harmonisch gliedern läßt. Soll dieses Fundament gesucht werden in der Gesammtheit der Fächer, welche sich um das Deutsche gruppieren? oder in dem Unterricht in den fremden Sprachen? oder in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Gebieten? Wir wollen diese Fragen hier zunächst noch nicht erörtern. Am nächsten scheint es jedoch zu liegen, daß eine deutsche Schule es doch für ihre oberste Pflicht erkennt, die ihr anvertraute Jugend auch in die Gebiete einzuführen, welche mit der heimischen Sprache, Geschichte, Religion, Brauch und Sitte zusammenhängen. Wenn die Jugend diese Kenntnisse als heilige Besitztümer mit aus der Schule nimmt, so hat sie einen Baum gepflanzt, dessen Wurzeln nicht steter künstlicher Ernährung bedürfen, sondern welcher aus der umgebenden Lebensluft täglich und stündlich mit Wurzeln, Blüttern und Poren gesunde Nahrung in sich aufnimmt,

Hier wenden wir uns wieder an die Väter und Mütter. Hier ist die Schule keineswegs die einzig entscheidende Instanz. Sie darf auch die Verantwortlichkeit nicht allein tragen wollen. Hier bedarf es einer vollen Verständigung über das Recht sowohl dessen, was gefordert werden darf, wie dessen, was geleistet werden kann. Lassen Sie uns die Bitte nicht vergebens an Sie gerichtet haben, auf Grund eigener Beobachtung und reiflicher Erwägung mit Rat und Beihülfe uns zur Seite zu stehen, damit wir bei allen vorzunehmenden notwendigen Schritten uns im Einklang wissen mit den Bedingungen, welche der heimische Grund und Boden an die Elisa- bethenschule stellt.