Jahrgang 
1882
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zu den andachtsvollen Momenten der Schulzeit zurückkehren läßt. Das sind die gemeinsamen Erlebnisse, welche ebensoviele Bausteine der Jugendfreundschaft bilden; wie die Kinder desselben Hauses dieselbe Lebensluft geatmet und von dem gemeinsamen Tische dasselbe Brod gegessen haben, so umgibt die hier versammelte Familie ebenfalls dieselbe geistige Atmosphäre, und jedem Gliede wird auch hier die gleiche Speise gereicht; die Freuden, wie auch die kleinen Leiden werden gemeinsam genossen und getragen, und unter derselben Pflege gedeiht das geistige Wachstum unter gleichen Bedingungen. Das sind Erfahrungsthatsachen, welche die Vergangenheit eines Jeden, dessen Erinnerung an eine und dieselbe Schulumgebung geknüpft ist, reichlich bestätigen wird. Wie es für ein Kind ein unschätzbares Glück ist, wenn seine Jugenderinnerungen an einem bestimmten Vaterhause haften, dessen einzelne Räume und Winkel ihm unvergeßlich sind wegen tausend lieb gewordener Momente, welche von der Oertlichkeit sich nicht trennen lassen, so ist es in nicht geringerem Maße für ein Kind zu beklagen, wenn seine Schulerinnerungen zerrissen sind; es entbehrt der Pietät, des Heimatgefühls, welches unteilbar ist, das wie die Mutterliebe und Muttersprache unübertragbar ist, das als eine Forderung der Natur auftritt und eine Lücke hinterläßt, wo es verkümmert oder in seinem Gedeihen gewaltsam gestört worden ist, und das durch keine Wendung der späteren Lebenserfahrung ganz ersetzt werden kann. Das klingt leicht als eine enthusiastische Ueberschätzung; doch sind wir nicht alle so nüchtern in unseren Lebensanschauungen, als wir zu sein glauben oder auch zu sein uns einreden; sogar in unserer Jugend zeigt sich zur Zeit ein Streben, die kühle Verstandeskritik in den Vordergrund zu stellen; wir könnten uns dadurch erschrecken lassen, wenn wir nicht die Erfahrung täglich und stündlich machten, wie tief in der Menschennatur die Empfindungswelt sich gründet, und wie ewig und unabänderlich auch sie ihr Recht verlangt.

So lauten die Forderungen, welche als ebenso viele aus dem Wesen der Menschennatur geschöpfte Gesetze an die Erziehungsweise des Schulunterrichts herantreten. Wäre diese Instanz die einzige, nach welcher die Schule zu fragen hätte, so wäre sie in der beneidenswerten Lage sich verschließen zu dürfen gegen die Strömungen der wechselvollen Tagesmeinung. Leider jedoch vermag sie dies nicht.

Denn noch von einer anderen Seite wird sie unaufhörlich mit Ansprüchen pestürmt, welche des prinzipiellen Zusammenhangs entbehren, in bunter Mannigfaltigkeit wechseln, bald tadeln und korrigieren, bald neue Momente in den Unterricht eingeführt wissen wollen. Da soll der heranwachsende junge Mann vor allen Dingen mit gründlichen Fachkenntnissen ausgerüstet werden, damit er dem Posten, welchen er später im Leben einnehmen soll, ausreichend gewachsen sei; daneben soll er orientiert werden über weite geschichtliche Gebiete, soll speziell mit den Interessen und Problemen der Gegenwart bekannt gemacht werden; dazu soll er ein allgemeines encyclopädisches Wissen sich erworben haben, damit er später als sogenannter gebildeter Mensch mitzureden wisse und den Beweis erbringe, daß er in seiner Jugend die Zeit des Sammelns nicht verträumt habe. Die heranwachsende Jungfrau soll nicht minder herangebildet werden zu einer an Geist und Herz starken und gesunden Frau, welche die Pflichten voll begreift, welche sie später ihrem häuslichen wie dem öffentlichen Leben gegenüber zu erfüllen berufen ist. Dazu soll sie aber ebenfalls einen Einblick gewinnen in Sprachen und Literaturen, in Mathematik und Naturwissenschaften, in Weltgeschichte und Kunstgeschichte und wie die so bekannten und doch so unendlich schwierigen Gebiete alle heißen mögen. Von Allem soll sie gekostet haben, vielleicht zum Schaden der Bescheidenheit sich an der Freude genfigen zu lassen,wenn kluge Männer