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übrigen Disciplinen teil nehmen und wir wünschen es sogar, daß dies in recht ausgiebigem Matze geschehe: denn wir halten alle Zweige des Unterrichts für gleichberechtigt und die Bildung wesentlich fördernd und gestatten daher prinzipiell keine Dispensation von einem der- selben. Wir dürfen daher auch wohl hoffen, daß eine gleiche Überzeugung bei den Eltern vorwaltet und nur die Rücksicht auf die außerhalb des Schulbereiches herantretenden Forderungen den Verzicht auf Teilnahme an dem Gesamtunterricht herbeiführt. Um so mehr müssen wir verlangen, daß die Teilnahme an einem oder mehreren der nicht obligatorischen Fächer zugleich die Pflicht in sich schlietst, dem schulmäßzigen Betrieb derselben aufs pünktlichste und gewissen- hafteste obzuliegen.
Für allen und jeden Unterricht aber. sei er obligatorisch oder der freien Entschließung anheimgegeben, gilt dieselbe Schulordnung, und wir können es uns nicht nehmen lassen, unsre erziehliche Aufgabe durch alle Kreise der Schulgemeinde hindurch gewissenhaft und streng zu erfüllen. Wer und so lange er als Lernender bei uns ein- und ausgeht, ist an die Hausordnung gebunden und wir werden sie aufrecht erhalten zum Besten der Schule und zum Wohle Derer. die sie besuchen. Wir rechnen dabei zuversichtlich auf die Unterstützung des Hauses, und wenn wir auch gern anerkennen wollen, daß pei dem gereifteren Alter unsrer Selektanerinnen in den anderweitigen Beschäftigungen und Beziehungen hie und da ein Konflikt mit unsern Anforde- rungen liegen mag, dürfen wir doch verlangen, daß hauptsächlich im Interesse der Schule dieser Konflikt gelöst werde. Von unsern Selektanerinnen selbst aber hoffen und erwarten wir. daß sie am Abschluß ihrer Schulzeit nicht mehr gezwungen, sondern freiwillig und gern das thun, von dessen Unterlassung sie in jüngeren Jahren vielleicht nur die Strafe abgehalten hat.
Indem wir das Gesagte der sorgfältigen Prüfung und Beachtung der verehrten Eltern empfehlen und sie um ihre gewiß erfolgreiche Mithilfe auf diesem so wichtigen Gebiete unsres Schullebens angelegentlichst bitten, heben wir noch besonders hervor. wie unerläßlich auch in dieser Klasse der regelmäßige und pünktliche Besuch des Unterrichts sei und wie jede nach- giebige Rücksichtnahme auf äußzere Verhältnisse nicht nur den Erfolg des Unterrichts mindern, sondern auch die sittliche Kraft der Schülerin erlahmen lasse und ihr Interesse an der Sache verkümmern müsse.
Wir rechnen namentlich in dem kommenden Sommerhalbjahr, das durch den oben dargelegten Notstand die erziehliche und wissenschaftliche Arbeit in dieser Klasse pesonders schwierig macht, sicher auf die bereitwillige Unterstützung des Hauses, wenn sie auch hier und da ein kleines Opfer im Kreise der Familie erfordern sollte. Wie das Wohl aller unsrer Schüle- rinnen uns am Herzen liege und wir es für unsre heiligste Pflicht erachten, ihnen treue Führer für das Leben zu werden, mögen die Worte bekunden, mit denen wir die aus unsrer Gemein- schaft Scheidenden am Schlusse der letzten Prüfung entlassen haben. Sie sind in einem Augen- plicke gesprochen, wo wir in banger Erwartung des Todes einer geliebten Schülerin von tiefer Wehmut erfüllt waren.
»Wie zum Beginn unserer Prüfung, sehen wir auch jetzt den größten Teil unserer er- wachsenen Schülerinnen hier versammelt; sie haben die feierliche Handlung durch ihren Gesang eingeleitet, belebt und beschlossen; viele von ihnen stehen zum letzten Male als Schülerinnen in diesem Saale und erwarten einige herzliche Worte des Abschiedes. Und sie verdienen diese auch, denn sie haben ja alle die Schule lieb gehabt, sie scheiden gewit nicht mit leichtem Herzen
aus der ihnen so lieb gewordenen Schulgemeinschaft und werden das Andenken an die Jahre Elisabethenschule 1880. 2


