Jahrgang 
1878
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Wir hegen Alle die Ueberzeugung, dass den Gebresten unserer schweren und von so vielen Seiten dunkeln Zeit Erleichterung, wenn nicht Abhilfe werden kann nur von der Schule aus und dass insbesondere die Frauenfrage, um nicht das widerwärtige Wort»Frauen-Emanci- pation« zu gebrauchen, nur gelöst werden kann durch die Schule. Die Schule muss zeigen, dass

der oft gehörte, leichtfertige Ausspruch, das Weib könne nicht folgerichtig denken, keine Berechtigung hat oder wenigstens, wie weit er sie nicht hat. Das folgerichtige Denken führt zum folgerichtigen Handeln und der Mensch, der folgerichtig handelt, ist allein fähig, fest in den Stürmen des Lebens zu stehen, auch wenn ihm keine Stützen geboten sind durch die äusseren Verhältnisse, in denen er gross geworden ist. Darum soll all' unser Unterricht vom ersten Anfang an das richtige Denken fördern; darum nirgends mechanisches Gedächtnis- werk, sondern klares Erfassen, von der äusseren zu der inneren Anschauung, vom Bild zur Abstraction.

So betreiben wir die Sprachen, zunächst die Muttersprache, dann mit Hilfe derselben die fremden Sprachen, nicht bloss zur Uebung und geläufigen Handhabung, sondern zur mög- lichst klaren Erkenntnis ihrer Gesetze. So wird das für die Uebung der Denkkraft hochwichtige Rechnen in genauer Stufenfolge gelehrt, mit welchem sich in den oberen Klassen die Elemente der Raumlehre verbinden. Und mit demselben Ernste führen wir unsere Schülerinnen ein in das unermessliche, herrliche Gebiet der Naturwissenschaften und suchen ihnen in den Wundern ihrer Gesetze, in der Fülle ihrer Organismen ein Gebiet der Thätigkeit zu erschliessen, das ihnen die edelsten Freuden des Lebens gewähren kann. Endlich Geschichte und Geographie, diese unzertrennlichen Wissensgebiete, sollten wir sie unsren Schülerinnen nur in der Absicht eröffnen, ihnen ein gewisses im gewöhnlichen Leben verlangtes Mass von Kenntnissen zuzuführen? ISt es nicht vielmehr eine ernste, hohe Aufgabe, ihnen durch lebendige Darstellung des Schauplatzes der Menschheit und der vielfachen Einflüsse und Beziehungen desselben zu ihrer Entwicklung und ihren Schicksalen, durch begeisterte Schilderung des theils erhebenden theils erschütternden Ganges der Weltgeschichte und ihrer bedeutendsten Träger Ehrfurcht vor den unwandelbaren Gesetzen der sittlichen Welt einzuflössen und für ihr eignes Verhalten einen ermunternden oder warnenden Führer in das Leben mitzugeben?

Wir massen uns nicht an zu behaupten, dass wir diese Ziele erreichen; aber dass wir ernstlich darnach streben, das dürfen wir aussprechen und daher auch verlangen, dass man gerecht sei in Beurtheilung unsres Verfahrens bei der Aufnahme in unsre Schulgemeinde.

Betrifft dieser letzte wegen seiner Wichtigkeit so angelegentlich pesprochene Punkt mehr die geehrten Collegen andrer Lehranstalten und bezweckt eine unparteiische, ruhige Er- wägung und Würdigung von Seiten derselben: so soll das, was ich zum Schluss dieser Mit- theilungen noch auf dem Herzen habe, das Haus selbst zu bereitwilliger Mitwirkung auffordern. Es handelt sich um die erziehliche Disciplin in unsrer Schule. Ich darf wohl aussprechen, dass wir im Ganzen nicht zu klagen haben über die sittliche Haltung unsrer Schülerinnen, der er- wachsenen sowohl wie der kleinen. Ausschreitungen, die hier und da vorkamen und haupt- sächlich in dem lebhaften Temperament der Jugend ihre Quelle hatten, sind durch Tadel oder Strafen, vornehmlich aber durch den guten Geist, der, fasst alle Klassen beherrscht, ohne Schwierigkeit beseitigt worden. Doch sind in den unteren Klassen einige Fälle von Unredlichkeit vorgekommen, die zu ernsten Bedenken Veranlassung gegeben und an uns die dringende Auf- forderung gestellt haben, der Wiederkehr solcher höchst bedauerlichen Erscheinungen vorzu- beugen. Wir finden den Anlass zu solchen Unredlichkeiten in der verführerischen, leider über- hand nehmenden Sitte, den Schülerinnen, auch den kleinen und kleinsten, Geld in die Schule