Jahrgang 
1878
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zu begrüssen und uns zu vertrauen, dass wir überall nur den ausgiebigsten Erfolg unseres Unter- richtes im Auge haben und mit vereinten Kräften erstreben wollen.

Ein anderer Punkt, der uns schon viel Verlegenheit und Sorge bereitet hat, betrifft die Aufnahme neuer Schülerinnen. Nach zwei Richtungen hin hat sie seit Eröffnung der Elisabethen- Schule unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Die eine Richtung führt zur Platzfrage, die andere bewegt sich auf dem Gebiete der inneren Organisation.

Als unsere Schule cröffnet wurde, drängte sich die Einweihung und Uebergabe des nothdürftig fertiggestellten Gebäudes und der Beginn des Unterrichts in wenige Tage zusammen; Vieles musste in den Räumlichkeiten erst eingerichtet werden und die Sorge für das KAeussere beeinträchtigte die ruhige Besonnenheit und allseitige Berücksichtigung der Verhältnisse bei der Aufnahme neuer Schülerinnen. Der Zudrang war ein unerwartet grosser. Von der Behörde war die Weisung gekommen, die Zahl der Aufzunehmenden nach der Räumlichkeit zu bemessen. Da nun die 8 grössten Schulräume, die für die unteren und untersten Klassen eingerichtet waren, 27 zweisitzige Subsellien fassten, also 54 Schülerinnen aufnehmen konnten, wurden in der Klasse IXb, in der der Unterricht beginnt, alle Angemeldeten zugelassen und in den anderen Klassen so viele derselben, als für die Klasse reif waren. Im folgenden Sommerhalbjahr steigerte sich der Zudrang in der Weise, dass die 5 untersten Klassen(Xa, VIIIa, VIIa, IxXb und VIIIb) die höchste Zahl(54) erhielten. Es stellte sich bald heraus, dass aus diesem Verfahren unüber- windliche Hindernisse entstanden. Die mittleren Klassen mit ihren geringeren Dimensionen bieten nur für eine kleinere Zahl von Subsellien Raum, abgesehen davon, dass den heranwachsenden Mädchen zu grosse Beengung nicht zuträglich sein kann. Schon im Sommer des vorigen Jahres trat denn auch der Misstand ein, dass in der Klasse IVa 48 aus der fünften Klasse aufrückende Schülerinnen Platz finden mussten, während nur 21 Subsellien mit 42 Mädchen genügenden Raum hatten; 3 Subsellien wurden noch mit Noth hineingebracht. Ebenso gieng es im Herbst mit der Klasse IVb, die sogar 49 Schülerinnen erhielt und also für 3 nur ein Subsellium bieten konnte. Man hatte wohl hie und da darauf gerechnet, dass im Laufe der Schulzeit gar manche Schülerin wieder austreten würde. Das geschah aber nur sehr vereinzelt, sei es, dass andauernde Krankheit oder der Tod eine oder die andere uns entriss, sei es, dass Wegzug der Eltern ihren Austritt nothwendig machte. Selbst die bedeutende Erhöhung des Schulgeldes hat uns nur sehr vereinzelt eine Schülerin entzogen. Es wäre ja auch kein gutes Zeugnis für die Tüchtigkeit der Schule, wenn häufigere Austritte erfolgten. Diese Noth, die sich in der nächsten Zeit allem Auscheine nach noch steigern musste, veranlasste uns, bei der Behörde eine feste Bestimmung über die Normalzahl der einzelnen Klassen zu beantragen. Die vorgeschlagene Normirung wurde von der Behörde genehmigt(Prot.-Ausz. des Curatoriums d. d. 21. August 1877). Darnach sollen die beiden Klassen IX 54, die VIII. 52, die VII. 50, die VI. 48, die V. 44, die IV. 40, die III. und II. 36, die I. 32 Schülerinnen aufnehmen dürfen. Gern hätten wir auch in den untersten Klassen die Zahl der Schülerinnen noch einigermassen beschränkt; aber die allgemeinen Schul- verhältnisse liessen uns dies für jetzt unthunlich erscheinen. Wir werden daher in den nächsten Jahren wohl noch manche Verlegenheit zu überwinden haben, hoffen aber, dafür eine rücksichts- volle Beurtheilung Seitens des Hauses in Anspruch nehmen zu dürfen. In solcher Lage ist es gebieterische Nothwendigkeit, die Aufnahme in eine andere als die unterste, den Unterricht erst beginnende Klasse, nur in seltenen Fällen eintreten zu lassen, wenn jede Gefahr einer Ueber- füllung durch die Versetzung ausgeschlossen erscheint. Nur in den beiden ersten Klassen werden für jetzt noch Schülerinnen, welche die volle Reife haben, eintreten können.

Es führt mich dies zu der andern Seite, von welcher die Aufnahme von Schülerinnen Elisabethenschule 1868. 2