2. Mittheilungen an das Elternhaus.
Im Wesentlichen wird das, was wir Lehrer und Lehrerinnen in Bezug auf Unterricht und Handhabung der Ordnung auf dem Herzen haben und gern den verehrten Eltern mittheilen möchten, in den Ansprachen und Schulreden bei Gelegenheit der Prüfungen und der Eröffnungs- Feierlichkeiten von dem Direktor im Namen des gesammten Collegiums niedergelegt. Da aber immerhin nur verhältnismüssig wenige Eltern und Schulfreunde diesen Festakten beiwohnen können und die besprochenen Punkte doch die Schulwelt im Allgemeinen und insbesondere das Elternhaus nahe berühren und ihre allseitig gedeihliche Erledigung von der Kenntnisnahme der Gesammtheit der Eltern abhängt, wird es erspriesslich sein, an dieser Stelle das Wichtigste von Dem zu wiederholen, was uns im verflossenen Schuljahre besonders beschäftigt hat.
Zunächst muss ich auch hier nochmals auf den ÜUnterricht in den weiblichen Hand- arbeiten zurückkommen. Gerade weil seine Einführung nun in der ganzen Töchterschule und im Seminar als obligatorischer Unterrichts-Gegenstand auftritt, ist für den günstigen Erfolg die Mitwirkung des Hauses umsomehr in Anspruch zu nehmen. Von der Schweiz ausgehend, besteht er in seiner methodisch und sachlich verbesserten Gestalt schon seit Jahrzehnten im ganzen Süden unseres Vaterlandes und grossentheils auch schon im Norden und soll in dieser, für die Schule und ihre äussere und innere Disciplin vorzüglich geeigneten Methode auch in unserer Stadt durchgeführt werden. Diese Methode(die Schallenfeld'sche nach ihrer Begründerin genannt) besteht nicht nur darin, dass alle Schülerinnen das nämliche möglichst in gleicher Zeit, wie beim Schreib-Lese-Unterricht machen, sondern dass sie auch darüber klar werden müssen, wie sie es machen und warum sie es so machen. Sie werden angehalten, jede einzelne Handhabung zu erklären, über die Stoffe, die Instrumente Auskunft zu geben, die einzelnen Theile einer jeden Arbeit an der Tafel zu zeichnen; sie verbinden daher mit der mechanischen Arbeit zugleich eine Thätigkeit des Aufmerkens, Denkens und Sprechens, die das sonst so beliebte Plaudern in den sogenannten Nähstunden unmöglich macht, indem sie den ganzen Menschen in Anspruch nimmt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, dass diese Methode, wenn sie auch nicht überall den Schallenfeld'schen Lehrgang bis ins Einzelne verfolgt, wo sie sich eingebürgert hat, den vollen Beifall der Schulcollegien und der Pltern findet. Wie ich schon oben angedeutet, kann bei der gleichzeitigen Einführung in den oberen Klassen die wohlthätige Wirkung dieses Unterrichts erst nach Jahren vollkommen erkannt und gewürdigt werden.»Gut' Ding will Weile haben« ist ein alterprobtes Wort. Ich bitte die verehrten Eltern, es auch in diesem Fall auf die Probe zu stellen und diese neue Einrichtung mit Vertrauen aufzunehmen. Es ist mit dieser Einrichtung, um ihr den möglichsten Erfolg zu sichern, die Massregel verbunden, dass Stoffe und Geräth- schaften, weil sie ganz gleichartig sein müssen, von der Schule selbst angeschafft und den Schülerinnen zu dem Kostenpreise vertheilt werden. Auch diese Massregel bitte ich mit Beifall


