Klasse belassen wollen.« In Ausführung dieses Auftrags sandte der Direktor am 12. November an die Eltern der Schülerinnen der Klasse La und b folgende gedruckte Zuschrift:
»Nachdem mit Beginn dieses Winterhalbjahres durch die Errichtung der Klasse Ib die Theilung unsrer grossen Schulgemeinde in parallel laufende Oster- und Herbstklassen zu ihrem Abschluss gekommen ist, fehlt unsrem Schulorganismus nur noch ein Glied und zwar ein für den innern Ausbau unsrer Töchterschule und ihre Verbindang mit dem Lehrerinnen-Seminar sehr wesentliches Glied. Wir beabsichtigen, dieses Glied zwischen den beiden ersten Klassen (la und Ib) und den Seminarklassen als eine Selekta zu Ostern des nächsten Jahres einzufügen. Der Plan zu dieser Selekta hat bereits der Behörde vorgelegen, und ist von ihr im Allgemeinen gut geheissen worden; sie hat aber den Wunsch ausgesprochen, dass die Aufmerksamkeit der Eltern auf diese Einrichtung, bevor sie ins Leben trete, hingelenkt werde, da von ihrer thätigen Theilnahme das Gedeihen der neuen Klasse nicht unwesentlich abhänge.
»Ich lege daher, den Auftrag der Behörde erfüllend, Ihnen, verehrte Eltern unsrer Schülerinnen, den Plan dieser Selekta vor, wie ich ihn bereits bei der Einführung der neuen Schülerinnen angedeutet habe.
»Bei den wohlberechtigten gesteigerten Forderungen, die man an die Schulen stellt, welchen die Bildung unsrer Mädchen anvertraut ist, hat sich die Nothwendigkeit herausgestellt, die Unterrichtszeit der Schule bis zum vollendeten sechzehnten Jahre auszudehnen; daher haben fast überall in den grösseren Städten die höheren Töchterschulen zehn Jahreskurse. In unsrer Mädchen-Musterschule konnte aus äusseren Gründen diese Erweiterung bis jetzt nicht vor- genommen werden. Einige Jahre lang ersetzte man die fehlende Klasse durch Errichtung einer Fortbildungsklasse, in welcher zugleich künftige Lehrerinnen herangebildet werden sollten. Diese Fortbildungsklasse theilte sich bald in eine untere und obere, welche letztere speciell die Lehrerinnen zur Prüfung vorbereitete. Es wurde aber sofort klar, dass für die künftigen Lehrerinnen ein nur für sie berechneter zweijähriger Kursus unumgänglich nothwendig sei. Man nahm also auch in die untere Fortbildungsklasse nur noch solche Schülerinnen auf, welche die Lehrerinnen-Prüfung bestehen wollten; um aber solchen Schülerinnen, die bis dahin in der unteren Fortbildungsklasse ihre Schulzeit vollendet hatten, die Gelegenheit zu weiterer Vervoll- kommung zu bieten und dem Ziele näher zu kommen, das sich die höheren Töchterschulen in unsrer Zeit stecken, wurde, da die räumlichen Verhältnisse die Einrichtung einer neuen Klasse noch nicht erlaubten, für die erste Klasse der Töchterschule ein doppelter Jahreskursus ein- gerichtet. Das Missliche dieser nun seit 2 Jahren bestehenden Einrichtung stellte sich bald heraus. Die Schülerinnen, die beim beginnenden zweiten Jahreskursus aus der zweiten Klasse in die erste aufstiegen, erhielten in solchen Unterrichtsgegenständen, wie Geschichte, bei denen die Zeitfolge von Wichtigkeit ist für das Verständnis, das Spätergeschehene vor dem Früheren, ihnen noch nicht Bekannten, und zur Ausfüllung der Lücke bedurfte es einer zeitraubenden s. g. übersichtlichen Darstellung, die ihnen zur lebendigen Auffassung nichte genügte und doch auf der andern Seite den Schülerinnen, die den ersten Kursus mit Eifer benutzt hatten, hemmend erscheinen musste; auch in den andern Disciplinen wurde der Unterschied in der Bildung bei den Schülerinnen des ersten und des zweiten Jahreskursus in störender Weise fühl- bar. Da nun die Räumlichkeit der Schule uns nicht mehr hindernd entgegentritt, sollen die beiden ersten Klassen a und b wieder ihren einjährigen Kursus erhalten und über ihnen eine Selekta errichtet werden.
»Die Selekta soll einerseits als oberste Klasse den zehnjährigen Bildungskursus der Töchterschule vollenden, also das in ausgiebigerem Masse leisten, was der nun wegfallende


