Jahrgang 
1878
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wird hoffentlich mit Hinzuziehung der Osterklassen VI die Einführung vollendet sein. Dann erst kann sich dieser für das Leben der Frau so bedeutsame Unterricht als vollberechtigtes Glied in unserem Schulorganismus erweisen und wir zweifeln nicht, dass der Erfolg gar bald jegliches bis jetzt wohl noch auftauchende Bedenken zum Schweigen bringen, ja in unbedingte Anerkennung verwandeln wird. Freilich darf, was unsere Schule betrifft, in den nächsten Jahren von den Leistungen noch nicht gefordert werden, was die Methode in sichere Aussicht stellt; erst wenn die Schülerinnen, die den Unterricht unten beginnen, ihre Schulzeit vollendet haben, kann auch der strengste Massstab an ihre Leistungen angelegt werden. Wir dürfen daher wohl auch erwarten, dass die verehrten Eltern und Freunde der Schule die Probearbeiten, die in diesem Jahre zum ersten Male während der Prüfung aufgelegt werden sollen, im Hinblick auf die Kürze der Uebungszeit rücksichtsvoll beurtheilen. Ein höchst erfreulicher Beweis der durchaus tüchtigen Oberleitung, deren sich dieser Uuterrichtszweig bei uns erfreut, ist der Ausfall der Prüfung, der sich 18 von derselben vorbereitete Examinandinnen im Mai vorigen Jahres in Wiesbaden unterzogen. Alle bestanden gut und Herr Provinzial-Schulrath Kretschel sprach unmittelbar nachher bei einem kurzen Besuche in unserer Schule seine vollste Befriedigung über die Leistungen aus. Dieser Anerkennung entsprechend erfolgte dann auch auf eine von Hoch- verehrlichem Curatorium befürwortete Eingabe unseres Collegiums vom 25. Nov., am 4. Febr. d. J. von Seiten des Königl. Ministeriums die Genehmigung: die Prüfung für Handarbeits-Lehrerinnen in Verbindung mit der Lehrerinnen-Prüfung an der Elisabethenschule abzuhalten. Der Termin ist für dieses Jahr auf den 18. September bestimmt. Für die erste Anschaffung der zum Unter- richt unentbehrlichen Apparate und Lehrmittel hat Hochverehrl. Curatorium die Summe von M. 200 bewilligt; ein Verzeichnis derselben findet sich in dem Abschnitt dieser Einladungs- schrift: Mobilien, Bibliothek, Sammlungen, Apparate und Lehrmittel. Mit anerkennendem Danke ist noch zu erwähnen, dass Frl. Herold manche dieser Lehrmittel, um sie für Klassen von 40 50 Schülerinnen prauchbar zu machen, zu besserer Anschaulichkeit in grösserem Massstabe zum Theil selbst hergestellt hat, zum Theil nach ihrer Angabe und unter ihrer Aufsicht hat anfertigen lassen. Mögen denn die verehrten Eltern unserer Schülerinnen und Freunde des Schulwesens diesen allseitigen Bemühungen eine vertrauende und anerkennende Theilnahme eutgegen bringen.

Während diese neuen Einrichtungen die Thätigkeit des Direktoriums und des Schul- Collegiums in Anspruch nahmen, wurde der Eingangs erwähnte Plan, die beiden Jahreskurse der ersten Klasse zu trennen, nicht aus den Augen gelassen. Nach mehrfachen Berathungen der in den oberen Klassen und dem Seminar arbeitenden Collegen wurde der Conferenz der Plan zu einer neuen Klasse vorgelegt und von ihr gutgeheissen, die als Bindeglied zwischen die höhere Töchterschule und das Seminar sich einfügen sollte. Es wurde derselben der Name Selekta beigelegt, später aber dieser mit dem Namen Seminarklasse C als bezeichnenderem vertauscht. In sorgfältiger Motivirung wurde sodann der ausgearbeitete Lehrplan in einer Eingabe vom 4. Juli vor. Jahres Hochverehrlichem Curatorium zur Prüfung vorgelegt und von demselben in der Sitzung am 11. Juli»die Zweckmässigkeit der in Aussicht genommenen Massregel keineswegs verkannt, dabei jedoch die definitive Entschliessung von einer eventuell entsprechenden Betheili- gung Seitens der Schülerinnen abhängig gemacht.« Um zu ermitteln, welche Aufnahme die Ausführung in den Kreisen der Eltern finden würde, beauftragte die Behörde den Direktor, »gegen Ende des Jahres den betreffenden Eltern davon Mittheilung zu machen, dass für den Fall genügender Theilnahme die Trennung der Klasse I beabsichtigt werde, und deren Erklärung einzuholen, ob sie in diesem Falle ihre Töchter in der zu den Seminarklassen vorbereitenden