Jahrgang 
1878
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1. Zur Geschichte der Schule.

Am Schluss meiner Ansprache bei Einführung der neu aufgenommenen Schülerinnen am 17. Oktober 1876(s. die Einladungsschrift zur Prüfung 1877, S. 23) theilte ich den ver- sammelten Eltern mit:»Die Schule soll nun, da sie von äusseren Fesseln nicht mehr gehemmt wird, ihren letzten Ausbau erhalten. Wohl schon im nächsten Jahre wird sie durch Trennung der beiden Jahres-Abtheilungen der ersten Klasse die 10 gesonderten Stufen einer höheren Töchterschule besitzen und damit alles leisten können, was dem Mädchen zu seiner Bildung erspriesslich ist.« Bevor aber an die Ausführung dieses Planes gedacht werden konnte, galt es, nach zwei Richtungen hin das Lehrgebäude der Schule zu vervollständigen: der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten musste eingeführt und die Klasse Ib gebildet werden. Mit ersterem wurde schon in dem Sommerhalbjahr 1877 der Anfang gemacht; letztere trat im Herbst des- selben Jahres ins Leben als die letzte nothwendige Consequenz der Theilung der Schülerinnen in Oster- und Herbst-Jahreskurse.

Was den Unterricht in weiblichen Handarbeiten betrifft, so begann er an Ostern 1877 für die beiden achten, siebenten und sechsten Klassen mit je 4 Stunden wöchentlich. Die bereits eine Reihe von Jahren an der höheren Bürgerschule fungierende Lehrerin, Frl. Marie Herold, welche von Hochverehrl. Curatorium in Gemässheit Magistratsbeschlusses vom 30. Januar 1877 zur Inspicientin, zunächst für das Schuljahr 1877 1878 ernannt worden war, um diesen Unter- richt nach der Schallenfeld'schen Methode in den hiesigen Mädchenschulen einzuführen, insbe- sondere auch die Lehrerinnen, sowie die das Seminar besuchenden Schülerinnen in dieser Methode auszubilden und zum Staats-Examen in weiblichen Handarbeiten vorzubereiten, hatte schon während des Winters die Lehrerinnen unserer Elisabethenschule mit der ersten Stufe dieser Methode, dem Stricken, vertraut gemacht und unter der Anweisung und Aufsicht dieser an- erkannten Meisterin des Faches übernahmen 6 der Lehrerinnen den ÜUnterricht. Die wenigen, von den langen Ferien unterbrochenen Sommermonate bewiesen, welche den ganzen Menschen bildende Kraft in der neuen, ganz besonders für Schulen berechneten Methode dieses Unterrichtes liegt und wie sie nicht nur mit wahrer Lust, sondern auch mit sicherm Erfolg geübt wird, wie sie nicht nur durch ihren systematischen Aufbau Handfertigkeit und technisches Geschick mehr als jede frühere Praxis verleiht, sondern auch den Verstand schärft, die Aufmerksamkeit stets wach erhält und dadurch erziehend wirkt und endlich durch die Gemeinsamkeit, da alle Schülerinnen das gleiche arbeiten, einen wohlthätigen Wetteifer hervorruft. Raum und LZeit gestatten es diesmal nicht, ausführlich über die weit verbreitete Methode zu sprechen; ich verweise für jetzt auf die 3 Heftchen des Leitfadens, welche die 3 Stufen des Strickens, Häkelns und Nähens behandeln. Mit dem Winterhalbjahr 1877 auf 1878 wurde der Unterricht auf sämmtliche im Herbst beginnenden Klassen ausgedehnt und in dem nach Ostern beginnenden Sommerhalbjahr