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I. Uber das Kartenzeichnen der Schüler.
1. Der Deutsche Geographentag empfiehlt das Zeichnen im geographischen Unterricht als ein un- erläſsliches Mittel zur Förderung klarer Anschauung und als einen kräftigen Hebel zur Erweckung der Selbstthätigkeit der Schüler.
2. Die Versammlung erklärt sich auf das entschiedenste gegen die noch weit verbreitete Unsitte, den Schülern das Zeichnen einer Landkarte als häusliche Arbeit aufzuerlegen, ohne dals dieselben durch eine langsam fortschreitende methodische Anleitung zu solchen Leistungen befähigt würden.
3. Sie verwirft die Ersetzung aller Linienelemente durch gerade(resp. gebrochene) Linien(Lohse'sche Methode), da dies Verfahren nicht geeignet ist, den Formensinn der Schüler zu entwickeln, vielmehr ihren Geschmack in Bezug auf Kartenbilder geradezu verderben mufs.
4. Sie erklärt sich entschieden gegen die systematische Durchführung der sogenannten konstruk- tiven Methode im Unterricht, da dieselbe ein zu künstliches System von Hülfslinien und Stützpunkten erfordert, deren Kenntnis zumeist an sich gar keinen Wert für den Schüler hat, und welche daher das Gedächtnis in hohem Maſse auf unfruchtbare Weise belasten.
5. Obgleich die Kenntnis der kartographischen Elemente für das Verständnis der Karte(Karten- lesen) unerläfslich ist, erklärt sich die Versammlung dennoch gegen eine systematische Vorschule des topographischen Zeichnens, da dieselbe über die Bildungszwecke der höheren Schulen hinausgeht.
6. Sie empfiehlt die Methode der Entwerfung freier Skizzen einzelner Erdräume zur Wiedergabe typischer Verhältnisse der betreffenden Kartenbildcr, da dieselben in Umfang und Ausführung dem jedes- maligen Standpunkte des Auffassungsvermögens uud der Handgeschicklichkeit des Schülers am leich- testen angepafst werden können.
7. Sie erklärt zich aber gegen die Verbreitung der sog. Faustzeichnungen und ähnlicher derber Skizzen in gedruckter Form innerhalb des Schülerkreises, da dieselben niemals den Ausgangspunkt des Unterrichts bilden dürfen, und die Gefahr nahe liegt, dafs sie die Karte verdrängen.
II. UÜber das metrische Maſs.
Der deutsche Geographentag erachtet es an der Zeit, die deutsche Meile zu 15= 10 und die ihn entsprechende deutsche Quadratmeile zu Gunsten der Einführung des metrischen, Malſses in der geo⸗ graphischen Litteratur sowie im geographischen Unterricht ganz aufzugeben.
5.„Berufswahl“— ein sehr beliebtes Thema in der letzten Zeit, und ein sehr zeit- gemäſses, besonders darum, weil es seit Jahren gar zu viele gibt,„die ihren Beruf ver- fehlt haben.“ Es ist ein gar schönes Ding, wenn der Mensch zum Wahlspruch die zwei Worte nimmt:„Immer höher“; aber schlimm ist es, wenn er dieses„höher“ in falscher Richtung sucht, nicht da, wohin Familientradition, persönliche Beanlagung, pekuniäre Mittel etc. weisen. Zu häufig kommt es vor, und gerade beim Mittelstande, bei den bürgerlichen Berufsarten, dals der Sohn nicht das werden will, was der Vater gewesen ist, daſs er mit Verachtung auf den ehrsamen Beruf hinblickt, der es diesem möglich machte, ein glückliches Heim zu gründen. Die Eltern tragen viel Mitschuld an diesen verkehrten Ansichten, das eigene Kreuz dünkt einem bekanntlich viel schwerer als das fremde, und so will man dem Kinde im anderen Berufe ein angenehmeres Dasein ver- schaffen, statt daſs man es anhält, mit vermehrten Kenntnissen und verbesserten Mitteln den väterlichen Beruf zu vervollkommnen. Wenn man ferner sieht, wie mancher irre geht bei der Wahl des Berufs, wenn man sieht, wie zu den anscheinend bequemen Berufsarten sich die groſlse Menge drängt und dort bedauerliche Uberproduktion hervor- bringt, wogegen andere anscheinend mühsamere Berufsarten über Mangel an geeigne- ten Vertretern zu klagen haben, so möchte man meinen, die alten Zunftordnungen oder die noch älteren Kasteneinrichtungen hätten doch einigen Sinn gehabt. Und so gibt sich ein krankhafter Zug unserer Zeit darin kund, dafs sich so viele den produktiven Berufs- arten abwenden möchten,— möchten, sage ich, denn allen gelingt es doch nicht, irgend ein Durchfall nötigt gar manchen zur bürgerlichen Hantierung, für die er eigentlich nun schon halb verdorben ist. 3
Auf keinem Gebiete zeigt sich eine gröfsere Uberproduktion an Kandidaten als da, wo akademische Bildung vorausgesetzt wird, groſs ist hier die Zahl derjenigen, die jahre-


