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teil nehmen kann, die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise in Anspruch genommen. Man hat dabei der Schule vielfach den Vorwurf gemacht, daſs sie in der Beziehung ihre Pflicht nicht voll und ganz erfülle, vielmehr über dem Bestreben, es in geistiger Gym- nastik zu recht hohen Zielen zu bringen, die Sorge für die körperliche Gesundheit, in einer die Jugend schädigenden Weise hintenansetzt. Von berufener und unberufener Seite sind nun Vorschläge zur Abhilfe in diesem Punkte gemacht worden, zum teil recht abenteuerliche. Einiges Aufsehen hat dabei die Broschüre:„Woran wir leiden“ von Amtsrichter Hartwig in Düsseldorf gemacht. Die Broschüre ist in einem günstigen Augen- blick erschienen, der Inhalt selbst rechtfertigt, genau besehen, jenes Aufsehen nicht, sie leidet an Einseitigkeiten und Ubertreibungen, bringt im übrigen manches Gute, was nicht neu und manches Neue was nicht gut ist. Sehr zu tadeln ist, daſs der Herr Verfasser die deutsche Turnerei und deutsche Turnspiele so wenig zu würdigen weils, dagegen den englischen Nationalspielen als Mittel zur körperlichen Erziehung deutscher Jugend einen übermäſsigen Wert beilegt. Man möge wohl bedenken, daſs nationale Eigentümlichkeiten auf fremden Boden versetzt, über die Karrikatur nie weit hinauskommen. Pflegen wir erst in hinreichender Weise, was heimisch ist, reicht das nicht zum Ziele, dann sehe man sich nach fremden Hilfsmitteln um. Ich möchte dem Hrn. Amtsrichter wünschen, daſs er auf seinem eigentlichen Berufsfeld Lorbeeren einheimse, die von längerer Dauer sind, als die durch seine Broschüre erworbenen.— Zu den berufensten Vertretern einer Sache, wie die vorliegende, muſs ohne Zweifel der Mann gerechnet werden, der an der Spitze unseres Unterrichts- und Erziehungswesens steht, und darum ist es erfreulich, dals der Herr Unterrichtsminister es verstanden hat, sich durch einen Erlaſs, d. d. 27. Oktober 1882, in den Mittelpunkt der Bewegung, körperliche Erziehung betreffend, zu stellen und der- selben Regel und Richtung zu geben. Die hervorragendsten Stellen aus diesem Erlasse haben für alle Kreise Interesse und folgen hierunter:
Nachdem das Turnen als ein integrierender Teil dem Unterrichte der Jugend in den höheren und niederen Schulen eingefügt worden und an die Stelle der Freiwilligkeit der PLeilnahme an diesen UÜbungen für die turnfähigen Schüler die Verpflichtung getreten ist, hat sich die staatliche und kommunale Für- sorge auf die Beschaffung und Herstellung von geschlossenen Turnräumen erstreckt, in welchen unabhängig von der Jahreszeit und unbehindert von den Unbilden der Witterung das Schulturnen eine ununterbrochene und geordnete Pflege gefunden hat.
Es ist dies für den Jugendunterricht ein überaus wertvoller Erwerb. Erst die Fortführung der turnerischen UÜbungen durch das ganze Jahr sichert eine tüchtige körperliche Ausübung.
Nicht minder wertvoll aber ist der Turnplatz. Géwisse UÜbungen, wie das Stabspringen, der Gerwurf, mancherlei Wettkämpfe u. a. lassen sich in der Halle gar nicht oder nicht ohne Beschränkung und ohne Gefahr vornehmen. Ein gröſseres Gewicht muſs aber noch darauf gelegt werden, dals das Turnen im Freien den günstigen gesundheitlichen Einfluſs der Ubungen wesentlich erhöht, und dals mit dem Turnplatze eine Stätte gewonnen wird, wo sich die Jugend im Spiele ihrer Freiheit freuen kann, und wo sie dieselbe, nur gehalten durch Gesetz und Regel des Spieles, auch gebrauchen lernt. Es ist von hoher erziehlicher Bedeutung, dafs dieses Stück jugendlichen Lebens, die Freude früherer Ge- schlechter, in der Gegenwart wieder aufblühe und der Zukunft erhalten bleibe. Öfter und in freierer Weise, als es beim Schulturnen in geschlossenen Räumen möglich ist, muſs der Jugend Gelegenheit gegeben werden, Kraft und Geschicklichkeit zu bethätigen und sich des Kampfes zu freuen, der mit jedem rechten Spiele verbunden ist. Es gibt schwerlich ein Mittel, welches wie dieses so sehr im Stande ist, die geistige Ermüdung zu beheben, Leib und Seele zu erfrischen und zu neuer Arbeit fähig und freudig zu machen. Es bewahrt vor unnatürlicher Frühreife und blasirtem Wesen und wo diese be- klagenswerten Erscheinungen bereits Platz gegriffen, arbeitet es mit Erfolg an der Besserung eines ungesund gewordenen Jugendlebens. Das Spiel wahrt der Jugend über das Kindesalter hinaus Un- befangenheit und Frohsinn, die ihr so wohl anstehen, lehrt und übt Gemeinsinn, weckt und stärkt die Freude am thatkräftigen Leben und die volle Hingabe an gemeinsam gestellte Aufgaben und Ziele. Treffend sagt Jahn im zweiten Abschnitte seiner deutschen Turnkunst von den Turnspielen:„In ihnen lebt ein geselliger freudiger lebensfrischer Wettkampf. Hier paart sich Arbeit mit Lust, und Ernst mit Jubel. Da lernt die Jugend von klein auf, gleiches Recht und Gesetz mit andern halten. Da hat sie


