Jahrgang 
1880
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ginn des Unterrichts, zeigte das Thermometer in verschiedenen Klassen der Domschule 4 50 Wärme, in einer Klasse sogar 1 Grad unter Null, am Ende der ersten Stunde 2,50 darüber. Die Tinte in den Fässern war eingefroren etc. etc. Die Domschule ist aber durch Ofenheizung beglückt.

Auf einen Umstand möchten wir noch besonders aufmerksam machen. Sollte unsre in ihrer Anlage kostspielige Zentralheizung über Bord geworfen und dafür Lokalfeuerung durch Oefen eingeführt werden, so würden deren für Real- und Volkschule ohngefähr 36 erforderlich sein. Dabei ist es fraglich, dass die Turnhalle, welche wol mehr Kubikinhalt aufweist, als sämtliche Räume der hiesigen Höheren Töchterschule, ebenso der Zeichensaal und die jetzige 4. Klasse der Volksschule durch je zwei Oefen genügend erwärmt werden. Sodann ist für bequemen Kohlentransport aus dem Keller nach den oberen Stockwerken keine Vorrichtung getroffen und es ist auch eine solche nicht mehr anzubringen. Wo sollen in den gefüllten Klassen die Oefen richtig stehen? Wird nicht die Feuergefährlich- keit des Gebäudes durch anzubringende 30 36 Oefen bedeutend erhöht werden, während man bei der höchst zweckmäſsigen Einrichtung unserer Kaloriferen das Gefühl vollstän- diger Sicherheit gegen Feuersgefahr hat? Kurz, unser Schulhaus ist trotz der vorge- sehenen Schornsteine für Zentral- und nicht für Lokalheizung eingerichtet.

Die Ingenieure für Heiz- und gesundheitstechnische Anlagen haben genau nachzu- weisen gesucht, dass durch die Zentralheizungssysteme der Ofenheizung gegenüber eine bedeutende Ersparung sowohl an Brennmaterial durch möglichste Ausnützung, als auch an Arbeitskraft erwachse. Letzteres ist richtig; von einer Ersparung an Brennmaterial dagegen hat Berichterstatter noch nicht sich überzeugen können. Indessen steht fest, dass bei umsichtigerer und regelrechterer Bedienung, als wir sie bisher hatten, der Kohlen- verbrauch sich bedeutend mindern wird.

Schliesslich möge noch das diesen Gegenstand betr. Schreiben eines uns befreundeten Schuldirektors hier Platz finden:

Geehrter Herr Kollege!

Ihrem Wunsche entsprechend, beehre ich mich, meine Erfahrungen über die Zweckmäſsigkeit der Zentral- heizung umgehend mitzuteilen. Nach meinem Dafürhalten ist dieselbe in gröfseren Schulen jeder anderen Heizvorrichtung, insbesondere derjenigen durch gusseiserne Oefen vorzuziehen. Es lässt sich durch Einzel- Oefen, abgesehen davon, dass diese zu vielfachen Störungen des Unterrichts Veranlassung geben und dabei die Reinhaltung der Säle erschweren, wol selten namentlich in groſsen Lokalitäten eine gleichmäſsige, dem Alter und der Beschäftigung der Schüler angemessene, sowie der äufseren Temperatur entsprechende Wärme erzielen. Wir haben dagegen stets, selbst bei strenger Kälte uud bei nur zwei Heizvorrichtungen, in jedem Winkel unserer grofsen Klassenzimmer eine Wärme von 14 Grad und können dieses Mafs nach Bedürfniss mit Leichtigkeit steigern, oder verringern. Es sind bis jetzt Lehrer und Schüler weder einer übermäſsigen, noch einer zu geringen Wärme und der hieraus entspringenden schhlimmen Folgen ausgesetzt gewesen. Durch unsere Zentralheizung wird und darin erblicke ich einen weiteren Vorzug derselben den Klassen auch im Winter fortwährend frische Luft von Aufsen zugeführt. Erscheint diese nicht zureichend, so hat man nur in den Pausen die Fenster zu öffnen, und es vollzieht sich der Zutritt erneuerter Luft da die Canäle unterdessen geschlossen gehalten werden ohne jeglichen Wärmeverlust. Bis heute sind mir nur vereinzelte Klagen über die durch die Central- heizung erzeugtezu trockene Luft zur Kenntnis gekommen; in denj. Fällen, wo sie erhoben wurden, waren sie meiner Ansicht nach nur durch ein Uebermals von Wärme veranlasst werden. Ich habe die Ueberzeugung, dass gerade unsere Zentralheizung eine reichliche Durchdringung der Luft mit Wasser ermöglicht, was sich bei jeder anderen Vorrichtung nur schwer machen lassen dürfte. Die durch die Zentralheizung zugeführte Luft wird nicht durch Rauch, Kohlenabfälle oder Rufs beeinträchtigt, und er- kenne ich ihr auch schon deswegen einen grolsen Vorzug zu. Der Gesundheitszustand unserer Schüler (über 600 Knaben) und unseres Lehrerkollegiums hat bis jetzt unter irgend einem ungünstigen Einfluss der Heizung meines Wissens nicht zu leiden gehabt. Dass bei der Zentralheizung eine Ersparnis von Brennmaterial und Arbeitskraft sich ermöglichen lässt, verdient bei den vielen anderen Vorteilen kaum der Erwähnung.