Jahrgang 
1880
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Temperatur bald eine Abspannung bemerken zu können. Er kann auch nicht umhin an- zunehmen, dass Klagen über nachteilige Einwirkungen der Luftheizung auf die Gesundheit in den meisten Fällen auf Ueberheizung der Lehrsäle zurückzuführen sind.*)

Das was einzelne wol inbezug auf Winter-Stubenwärme zu ertragen geneigt sind, ohne sich zunächst zu beklagen wir sagen nicht, ohne krank zu werden geht ziemlich weit.+ 16, 17 u. 180 R. und mehr finden sich häufig in Schulzimmern, und es werden keineEingesandt geschrieben, trotzdem dass angenommen werden muss, dass 3 40 über+ 140 R. längere Zeit im Lehrsaal erhalten für die Gesundheit von Lehrern und Schülern nachteiliger sind als 3 40 darunter.

Als im Laufe dieses Winters vereinzelte Störungen im Betrieb unserer Heizeinrich- tung sich einstellten, versuchte man eine Agitation zur Abstellung derselben und Ein- führung der Ofenheizung in Szene zu setzen.**) Im Interesse der Lehrer und Schüler wäre ein Erfolg solchen Vorhabens zu bedauern. Hat denn die Ofenheizung gar keine Schattenseiten? Hat man den durch dieselbe erzeugten Staub und Schmutz, den Kohlen- dunst, die ungleichmäſsige Erwärmung der Räume, trockene Luft, mangelhafte Ventilation, die unangenehmen Wirkungen der Wärmestrahlung bei starker Feuerung und vollbesetzten Klassen, wo oft Subsellien bis auf ½ Meter-Entfernung vom Ofen angebracht sind, ver- gessen? Vergessen endlich die Gefahr des heiſsen Ofens für die im unbewachten Augen- blick um denselben sich gruppirenden Kinder und die Störungen des Unterrichts, welche durch das Nachstochen oder Reguliren, geschehe dies nun durch den Pedellen oder, wie es gewöhnlich ist, durch den Lehrer oder die Schüler? Und sind denn während dieses Winters bei 15 bis 20 R. unter Null die durch Oefen bedienten Schulsäle überall und zu jeder Zeit behaglich warm gewesen? Durchaus nicht. Auch hier hat man mit ge- ringeren Wärmegraden als gewöhnlich rechnen müssen. Die Schulen Wiesbadens haben sämtlich Lokalfeuerung durch eiserne Oefen neuester und ältester Konstruktion, und in Eingesandt der dortigen Zeitungen wurde zur Zeit der groſsen Kälte geklagt, dass Lehrer und Schüler während des Unterrichts sich durch Ueberzieher und wollene Tücher vor Erkältungen müssten zu schützen suchen. Und frankfurter Blätter berichteten von dort im Monat Januar d. J. wörtlich wie folgt:An einem Tage dieser Woche, kurz vor Be-

*) Heiserkeit und andere Halsübel soll die Luftheizung bei manchen Lehrern bewirken. Sind solche Erscheinungen früher, als es noch keine Zentralheizungen gab, nicht vorgekommen? Sind Hals- und Lungenschwindsucht nicht immer schon gefährliche Feindinnen besonders jüngerer Lehrer gewesen? Es fragt sich nur, kommen diese Uebel unter dem Einfluss von Zentralheizungen häufiger als sonst vor. Wir bezweifeln es.

**) Auch in der Stadtverordneten-Versammlung zu Berlin kam am 22. d. J. gelegentlich einer Vorlage des Magistrats, betreffend den Neubau eines Doppelschulhauses, die Zentralheizung zur Sprache und es wurde dabei der später verworfene Antrag gestellt, statt der projektirten Wasserheizung eine Heizung vermittelst Kachelöfen mit eisernen Einsätzen neuester Konstruktion einzurichten. Ein Gegner des Antrags bemerkte dabei,dass wie sich auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens eine retrograde Bewegung geltend mache, so werde nun auch in der Heizfrage zum Rückzuge geblasen. Bisher habe es immer als ein Triumph der Wissenschaft gegolten, von einem Zentralpunkte aus ein komplizirtes Ge- bäude erheizen zu können. Im Jahre des Heils 1880, wo der Ausschuss tagte und Kachelöfen empfahl, sei die Wissenschaft umgekehrt.

Ein städt. Baurat verweist in derselben Sitzung darauf,dass die Kommune die verschiedensten Heizungsanlagen besitze, dass man damit also genügende Erfahrung habe machen können und wesent- lich Neues daher auch die Sachverständigen nicht würden vorbringen können. Die wenigsten Klagen würden über die Luftheizung laut, und es sei auffallend, dass auch die wenigen Klagen mit dem Tage aufgehört hätten, wo die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen habe: keine Luftheizung mehr. In allen neueren Schulen, die Luftheizung hätten, habe sich dieselbe sehr gut bewährt; nicht so sei es mit den Kachelöfen mit eisernen Heizkästen, und es seien letztere auch erheblich teuerer. Für diese Doppelschule würde man 80 Oefen brauchen, und wie viele Schuldiener würde man anstellen müssen, um diese zu heizen.