Jahrgang 
1914
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betrug 445.70 M., wovon wir 300 M. an die Kriegskrüppelfürſorge ab⸗ führten und den Reſt zur Anſchaffung von Handarbeitsmaterial für weitere Liebesgaben an unſere Truppen beſtimmten. Zu einer vierten Wieder⸗ holung unſerer Veranſtaltung am 31. Januar hatten wir 200 Soldaten aus den umliegenden Lazaretten eingeladen, welche die Darbietungen mit gro⸗ ßem Beifall aufnahmen.

Wie der Krieg in das innere Leben der Schule vielfach eingriff, ſo ließ er auch das äußere nicht unberührt. Gleich zu Anfang entzog er uns fünf Lehrkräfte, die Herren Eckhardt, Klanert, Theile, Schütze und Stucke. Herr Eckhardt wurde nach den Herbſtferien der Schule zurückgegeben, die Herren Klanert und Theile ſtehen zurzeit in Rußland und Herr Schütze leiſtet nach längerer Krankheit zunächſt noch Dienſte bei der Intendantur in Straßburg. Herr Stucke wird zu unſerm großen Be⸗ dauern ſeit dem 25. September vermißt. Er bezog an dieſem Tage in den Vogeſen eine Feldwache, von der er nicht zurückgekehrt iſt. Beſtimmte Anhaltspunkte über ſein Schickſal liegen bis jetzt nicht vor. Wie uns ſo⸗ eben mitgeteilt wird, iſt Herr Theile für ſein tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem Eiſernen Kreuz ausgezeichnet worden.

Am 5. Auguſt wurde in den Speicherräumen der Schule eine größere Anzahl ruſſiſcher Aſyliſten untergebracht, und wenige Tage ſpäter mußten auch die Klaſſenzimmer der Knabenſeite und die Turnhalle der Militär⸗ behörde zur Verfügung geſtellt werden. Sie wurden mit 315 Franzoſen belegt, die bei Mühlhauſen und Lagarde zu Gefangenen gemacht worden waren. Die Schule war in jenen Tagen von Schauluſtigen förmlich be⸗ lagert. Zu Tauſenden ſtanden ſie in der Seiler⸗Straße und den Anlagen und warteten oft ſtundenlang geduldig auf die Gelegenheit, die Rothoſen zu ſehen. Der Aufenthalt der Gefangenen war nur von kurzer Dauer; in aller Stille wurden ſie in der Nacht zum 15. Auguſt in das Lager bei Darmſtadt überführt. Inzwiſchen war die Aufforderung ergangen, auch die Klaſſenzimmer der Mädchenabteilung zu räumen, da ſich die Zahl der aufgegriffenen Aſyliſten täglich vergrößerte. Unſere Schülerinnen wurden in der benachbarten Peters⸗Mittelſchule untergebracht, während die Kna⸗ ben bereits in der Oſtend⸗Mittelſchule Unterkunft gefunden hatten. Den beiden Anſtalten ſagen wir für die uns bewieſene Gaſtfreundſchaft, die für ſie ſelbſt mancherlei Unbequemlichkeiten im Gefolge hatte, auch an dieſer Stelle herzlichen Dank. Zu unſerer Freude konnte die Knabenabteilung am 5. September und die Mädchenabteilung am 14. September die Schule wieder beziehen, da die belegten Räume durch die anderweitige Unter⸗ bringung der Aſyliſten frei geworden waren. Unſere Schularbeit nahm nun wieder einen ruhigeren Verlauf und iſt ſeither wenn auch mit ge⸗