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ring anzuſchlagen gegenüber dem Gewinn an ſittlichen Werten, den unſere Kinder aus dieſer großen Zeit mit hinausnehmen ins Leben. Unſere Jugend ſoll dem Vaterland dereinſt neue Kräfte zuführen und mit rechtem Ver⸗ ſtändnis und rechtem Vaterlandsſinn an ſeinen Geſchicken teilnehmen. Dar⸗ um muß ſie vor allem wiſſen, welche Bedeutung der gegenwärtige Krieg für uns hat, daß er hervorgegangen iſt aus dem Neid und Haß unſerer Feinde und uns kämpfen läßt für eine große und gerechte Sache, für un⸗ ſere Ehre, unſern Beſtand und das Recht, uns in der Welt frei zu ent⸗ wickeln. Und weiter ſollen unſere Kinder begreifen lernen, was eine große Zeit wie die jetzige von dem Einzelnen fordert, wie nur der feſte Zuſam⸗ menſchluß zu einem einheitlichen Willen und weitgehendſte perſönliche Opferbereitſchaft zum endgültigen Siege führen können. Nicht zuletzt aber muß der Blick unſerer Jugend auch auf unſere unvergleichlichen Truppen gelenkt werden, auf ihren Mut, ihre Pflichttreue und Todesverachtung, damit ſie erfahre, was echtes Heldentum iſt, und an ihm ſich erwärme und begeiſtere. In dieſem Sinne haben wir die Kriegsereigniſſe in unſern Un⸗ terricht hineinwirken laſſen. Anknüpfungspunkte zu geeigneten Beſprechun⸗ gen und Belehrungen boten ſich in reicher Zahl, namentlich in den Lehr⸗ ſtunden für Geſchichte und Erdkunde, aber auch bei vielen andern Gelegen⸗ heiten. Daneben wurden wichtige Nachrichten vermittelt, politiſche Vor⸗ gänge erörtert, die Fortchritte der Kämpfe auf den Kriegsſchauplätzen an der Hand von Karten und Plänen verfolgt und die großen Siege durch Geſang, Deklamation und Anſprache gemeinſam gefeiert.
Auch an der Kriegsfürſorge nahm die Schule lebhaftes Intereſſe und tätigen Anteil. Die I. Knabenklaſſe ſtellte ein Sparkaſſenbuch zur Ver⸗ fügung, deſſen Betrag von 58 M. für eine Ferientour beſtimmt war. Die Schüler der oberen Klaſſen halfen bei der Einbringung der Ernte und ſon⸗ ſtigen ländlichen Arbeiten, und die Mödchen ſtrickten, nähten und häkelten unter Anleitung ihrer Lehrerinnen unermüdlich für die im Felde ſtehenden Krieger. 260 Paar Strümpfe, 352 Paar Stauchen, 28 Kniewärmer, 98 Leibbinden, 53 Ohrenwärmer und 61 Kopfſchützer wurden zum Teil an die Zentralſtellen abgeliefert, zum Teil mit ſonſtigen Liebesgaben in 182 Paketen ins Feld geſandt. Nach Weihnachten fertigten die Schüle⸗ rinnen der drei oberſten Klaſſen noch 54 wollene Decken an, die wir der Kriegsfürſorge zur Weiterbeförderung an die Oſtarmee übergaben. Das Material ſtellten die Schülerinnen zum großen Teil ſelbſt, teilweiſe wurde es von Geldſpenden der Knaben⸗ und der unteren Mädchenklaſſen beſchafft. Zum Beſten der Kriegsfürſorge veranſtaltete die Schule am 22. Januar in der Turnhalle einen vaterländiſchen Abend, der ſolchen Anklang fand, daß die Aufführungen dreimal wiederholt werden mußten. Unſer Reingewinn


