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hierhin, dann von einem mürriſchen Bauer dorthin geſchickt, bis wir endlich nach Kreuz- und Querlufen am Pariſer Hof anlangten. Schnell wurden unſre Zimmer verleſen, und n ging es wie der Wind die Treppe hinauf. Unſre Zim⸗ mer waren behaglich eingerichtet, und wir hatten darinnen reichlich Platz. Zu meinem größten Schrecken aber machte einmal mein Ko f mit der Zimmerdecke Bekanntſchaft, was aber bei der Maſſenquartierung nicht zu ändern war. Zu unſerem Nachteſſen, das uns vortrefflich ſchmeckte, wurde uns gnädig erlaubt, etwas Wein mit einem Aufguß von Waſſer zu trinken. Bei netten Geſellſchafts⸗ ſpielen, in denen Frau Kr. ſehr gut Be cheid wußte, verging uns die Zeit nur zu ſchnell. Den Abſchluß dieſes wundervollen Tages bildete eine Erzählung von Stoltze, die uns Frau Rektor Ig. in echtem Frankfurter Dialekt vorlas. Lange noch mußte man uns Ruhe gebieten; denn bis ſpät in die Nacht hinein hörte man noch faſt in jedem Zimmer lachen und wiſpern. Dann aber wurde es ſtill. Der Lütige Traumgott zauberte uns noch einmal mit bunten Farben alle Erlebniſſe des ages vor.—
„Aufſtehen!“ Hat es nicht ſo geklungen? Ach ja, richtig, da ruft es ſchon wieder:„Aufſtehen!“ und poltert ſo heftig egen die Tür, daß Hedel ganz entſetzt auffährt. Trotzdem wir ja eigentlich noch etwas müde waren, denn allzufrüh waren wir nicht zu Bett gegangen, machten wir uns doch ans Ankleiden. Nach⸗ dem wir Kaffee getrunken hatten, ging unſer„Monſieur“ mit Gefolge in die Stadt, um Butter, Wurſt, Brot uſw. einzukaufen. Schwer beladen mit einem ungeheuren Preßkopf und ein paar Dutzend Brötchen kamen wir wieder im Pariſer Hof an. Sämtliche Fourage wurde in zwei gemeinſame Ruckſäcke gepackt und von uns abwechſelnd getragen. Heute ſollte es mit dem Dampfer nach Co⸗ blenz gehen. Dieſe Fahrt war ſehr ſchön und intereſſant. Unſere Lehrer erklärten uns die Schlöſſer und Sehenswürdigkeiten am Rhein entlang. Aber bald machte ſich auch unſer Magen bemerkbar. Wir hatten in der friſchen Herbſtluft tüchtig Hunger bekommen. Wir ſtiegen nun alle eine Treppe, die mehr einer Hinkelleiter glich, hinunter in den Kajütenraum. Hier war eine mächtige Hitze. Trotzdem ſchmeckten uns unſere gut belegten Brötchen vorzüglich. Um den ſchönen Loreley⸗ felſen nicht zu verſäumen, ſtellten wir Wachtpoſten aus. Und als wir tüchtig am Eſſen waren, rief es plötzlich:„Die Loreley“, und wir ſtürzten alle die enge Treppe hinauf. Mit Hilfe unſerer Phantaſie zauberten wir uns ſchnell die Loreley mit ihrem goldenen Haar vor die Augen und begrüßten ſie mit dem ſchönen Lied: „Ich weiß nicht, was ſoll es bedeuten“. In Coblenz angelangt, beſahen wir uns dann das„Deutſche Eck“. Es iſt faſt noch ſchöner als das Niederwalddenkmal. Auf Treppen kann man bis zu dem höchſten Punkt des Denkmals gelangen. Wir ſtiegen auch trotz des ſtarken Windes alle hinauf. Dieſer riß, zu Frau Kr.s größ⸗ tem Bedauern, deren Schleier mit fort. Weit über die Moſel hinweg konnten wir ihn noch ſehen. Darauf beſichtigten wir noch die Feſte Ehrenbreitſtein und fuhren dann mit der Eiſenbahn nach Bingen zurück. Unſer Coupé, in dem wir zurück⸗ fuhren, war bald in ein Schlafcoupé umgewandelt; bald nickte dieſe mit dem Kopf, bald jene. Schwupp, da war auch Herr Rektor eingenuppt. Zum Abend⸗ eſſen durften wir heute ein Gläschen puren Bingerwein trinken. Diesmal ſchliefen wir bald ein und träumten vom puren Bingerwein.——
Schon neigte ſich unſere ſchöne Tour dem Ende zu, und früh am anderen Morgen machten wir uns auf, um den letzten Tag im Nahetal zu verbringen. Wir fuhren mit der Bahn nach Kreuznach, und von da ging es nach Münſter a. St. Hier beſahen wir uns die mächtigen Salinen und beſtiegen dann die Ebernburg mit ihrem ſchönen Hutten⸗Sickingen⸗Denkmal. Nach kurzer Raſt machten wir uns auf den Weg nach dem Rheingrafenſtein. Trotzdem es etwas regnete, hatten wir doch einen ſchönen Ausblick auf die Nahe und das Nahetal. Nun waren wir aber müde geworden und gingen nach Kreuznach zurück. Dort tranken wir im Bahnhof noch eine Taſſe Kaffee, zu der uns zu unſerem größten Vergnügen noch zwei feine Torten geſpendet wurden. Vergeſſen war jetzt alle Müdigkeit.— Brauſend fährt


