Jahrgang 
1913
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der Zug den heimatlichen Gefilden entgegen. Gemütlich ſitzen wir da, um unſeren noch ganz vollen Ruckſack auszupacken. Da heißt es:Bethmannſchule ausſteigen! Wir ſehen aus dem Fenſter, und richtig ſteht da auch ſchon ein Häuflein Beth⸗ mannſchülerinnen mit dem Herrn Rektor an der Spitze. Wir ſtürzen auch hinaus, reißen noch ſämtliche Mäntel und Mützen mit und ſtehen im nächſten Augenblick auf dem Perron. Aber es fehlen noch viele von uns. Herr Kr. ſpringt darum mit mächtigen Sätzen am Zug entlang, immerfort rufend:Bethmannſchule aus⸗ ſteigen! Aber niemand hört etwas, da endlich, als er ſchon wieder Kehrt machen will, ſtrect am Ende des Zuges Frau Rektor Ig. ihren Kopf zum Fenſter heraus. Puff, geht auch ſchon die Türe auf, und Butterbrötchen, Schin⸗ ken, Wurſt, Mäntel, alles fliegt auf den Bahnſteig. Dann ein Pfiff, und der Zug geht los. Wir ſehen nur noch neugierige Geſichter aus den Fenſtern heraus⸗ ſchauen, aber auch dieſe ſind bald verſchwunden. Ratlos ſtehen wir da, dann leſen wir ſämtliche Sachen, die zerſtreut auf der Erde umherliegen, auf. Kurz nachher fahren wir dann mit dem Eilzug nach Mainz, wo der Bummelzug mit den andern zum Glück ſchon angekommen war. Mit Hurra begrüßen wir ſie, und alle quetſchen ſich noch in unſer Coupé. Freilich ſind wir wie in einem Herings⸗ faß zuſammengepfercht; aber wir ſind doch froh, daß wir wieder alle beiſammen ſind. Fröhliche Lieder ſingend, fahren wir im Frankfurter Bahnhof ein. Nach⸗ dem wir uns bei unſeren freundlichen Führern, beſonders bei Herrn Kr., der doch alles in die Wege geleitet hatte, bedankt hatten, machten wir uns auf den Heimweg, um den Eltern ja recht bald alles erzählen zu können. Und jedem, der unſere Wanderung mitgemacht hat, wird ſie ſtets eine ſchöne Erinnerung ſein.

Am Ende des Schuljahres treten 38 Knaben und 29 Mädchen nach vollendeter Schulpflicht aus. 4 der Knaben wollen die 9. Klaſſe der Oſtend⸗ Mittelſchule beſuchen, 12 ſich kaufmänniſchen Berufen widmen, 5 Zahn⸗ techniker und 4 Mechaniker werden; die übrigen verteilen ſich auf folgende Berufe: 1 wir Möbelzeichner, 1 Techniker, 1 Stukkateur, 1 Maſchinen⸗ bauer, 1 Bautechniker, 1 Schneider, 1 Diener, 1 Schiffsjunge, 1 Dreher, 1 Spengler und Inſtallateur, 1 Feinmechaniker, 1 Drogiſt und 1 widmet ſich der Muſik. Von den abgehenden Mädchen werden 12 die Handels⸗ ſchule beſuchen, 8 ſich der Haushaltung widmen, 4 den Frauenbildungs⸗ verein und 3 die 9. Klaſſe der Deutſchherren⸗Mittelſchule beſuchen; 1 wird Kontoriſtin und 1 Schneiderin. Da für manche Eltern die Wahl eines geeigneten Berufs für ihre zur Entlaſſung kommenden Kinder eine recht ſchwierige Aufgabe iſt, ſo ſei auch an dieſer Stelle auf die hieſige Zentrale für Berufsberatung und Lehrſtellenvermittlung empfehlend hingewieſen.

Durch Erlaß des Herrn Miniſters der geiſtlichen und Unterrichtsange⸗ legenheiten ſind in unſerer Stadt als vollausgeſtaltete Mittelſchulen im Sinne der Beſtimmungen vom 3. Februar 1910 anerkannt: die Knaben⸗ abteilungen der Weſtend⸗, der Bornheimer und der Oſtend⸗Mittelſchule und die Mädchenabteilungen der Bismarck⸗, der Deutſchherren⸗ und der Fürſtenberger Mittelſchule. Auf die Berechtigungen, die mit dem erfolg⸗ reichen Beſuch voll eingerichteter Mittelſchulen verknüpft ſind, iſt im vorigen Jahresbericht hingewieſen. Ergänzend ſei hier bemerkt, daß Schülerinnen mit dem Reifezeugnis einer neunklaſſigen Mittelſchule auch zur Turnlehrerinnenprüfung zugelaſſen und ohne Prüfung in ein Kinder⸗ gärtnerinnenſeminar aufgenommen werden. Ferner können nach weiteren