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Unter den Lehrern kamen im Laufe des Schuljahres nur wenige länger dauernde Krankheitsfälle vor, ſo daß der regelmäßige Gang des Unterrichtes nur geringe Störungen erfuhr.
Auch der Geſundheitszuſtand der Schüler und Schülerinnen war im ganzen recht befriedigend. Leider aber wurden uns ein Schüler, Richard Heiner(Vorſchulklaſſe II a), und eine Schülerin, Eliſe Schneider (VII b), durch den Tod entriſſen.
Mit dem Abſchluſſe dieſes Schuljahres ſind wir an einem wichtigen Abſchnitte in der Entwicklung unſerer Schule angelangt. Durch die Errichtung mehrerer neuen Schulen iſt der Fortbeſtand von Parallel⸗ klaſſen in der Folge nicht mehr nothwendig. Es wurden deshalb ſchon an Oſtern 1876 die Parallelen der unterſten Klaſſen der Knaben⸗ und Mädchenabtheilung eingezogen.
Es wird aber in der Mädchenabtheilung dieſe Beſeitigung der Parallelklaſſen erſt in ca. 5 Jahren vollſtändig durchgeführt werden können, indem die mittleren Klaſſen ſehr ſtark beſucht ſind und ſelbſt an Oſtern dieſes Jahres noch eine Theilung der dritten Mädchenklaſſe eintreten muß. Auch für die zweite Mädchenklaſſe wäre eine Theilung in Parallelklaſſen ſehr erwünſcht. Es muß jedoch aus Mangel an Platz davon abgeſehen werden.
Anders geſtaltet ſich die Sache in der Knabenabtheilung, in welcher ſchon an Oſtern 1877 alle Parallelklaſſen wegfallen.
Durch die Beſtimmung der Behörden verliert die Bethmannſchule an dieſem Zeitpunkte das ihr proviſoriſch verliehene Recht zur Abhaltung von Abgangsprüfungen, deren erfolgreiches Beſtehen die Be⸗ rechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienſt verlieh.— Dafür aber wurden zwei Realſchulen II. Ordnung, die Adlerflychtſchule und die Klingerſchule gegründet, deren Schüler dieſe Berechtigung nach Abſolvirung eines ſiebenjährigen Realkurſus erlangen. Am 6. November 1876 wurden die Eltern unſerer Schüler von dieſen Veränderungen benachrichtigt und diejenigen, welche für ihre Söhne die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienſt wünſchen, darauf aufmerkſam gemacht, daß ihre Söhne an Oſtern 1877 in der Klingerſchule Aufnahme finden würden. Auf dieſe Aufforderung hin wurden über 500 Schüler der Bethmannſchule für die Klingerſchule angemeldet, außerdem kamen aber auch zahlreiche Meldungen von Schülern, welche bis jetzt andere hieſige Schulen beſuchten, ſo daß an kommenden Oſtern die Klingerſchule, mit 19 Klaſſen und ca. 700 Schülern im früheren Waiſenhauſe eröffnet werden wird. Da nun auch der größte Theil der an der Knabenabtheilung der Bethmannſchule thätigen Lehrer an die Klingerſchule übergeht, ſo geſtaltet ſich thatſächlich die Veränderung derart, daß von Oſtern 1877 an die Knaben⸗ abtheilung der ſeitherigen höheren Bürgerſchule in zwei Anſtalten ſich theilt, in die Klingerſchule, eine ſtädtiſche paritätiſche Realſchule II. Ordnung, und in die Bethmannſchule, eine evangeliſch⸗lutheriſche gehobene Bürgerſchule, mit welcher die Mädchenabtheilung verbunden bleibt. Dieſe aus einer Knaben⸗ und Mädchenabtheilung beſtehende gehobene Bürgerſchule(Bethmannſchule) bleibt in den Localitäten der früheren höheren Bürgerſchule(Seilerſtaße 32), während zum Local der Klingerſchule das frühere Waiſenhaus (Seilerſtraße 31) beſtimmt iſt.
Die neue Organiſation der Bethmannſchule wird im Laufe dieſes Jahres erfolgen, und wird einſt⸗ weilen der bisherige Lehrplan beibehalten werden.
Der Lehrplan der Klingerſchule, welche aus 3 Vorſchulklaſſen und 8 Realklaſſen mit je einjährigem Kurſus beſteht, iſt nach einer Eröffnung des Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums zu Caſſel vom 8. Januar 1877 vom Königlichen Miniſterium der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medicinal⸗Angelegenheiten genehmigt worden. Dieſer Lehrplan ſtimmt im ganzen mit dem Normalplane der Realſchulen II. Ordnung überein, ſo daß den Schülern diejenige allgemeine Bildung verſchafft wird, welche für den Eintritt in das kauf⸗ männiſche oder techniſche Berufsleben nothwendig iſt. In den oberen Klaſſen wird außerdem auf Natur⸗


