wiſſenſchaften, Mathematik und Zeichnen beſondere Rückſicht genommen und es wird ſelbſt, wenn das Bedürfniß ſich herausſtellt, die Einrichtung getroffen werden, daß die Schüler eine Vorbildung erhalten, welche ſie befähigt, direct von der Schule auf Bau⸗ und Gewerbe⸗Akademien, polytechniſche Anſtalten ꝛc. überzugehen.
Die Klaſſeneintheilung iſt von dem Königlichen Miniſterium ſo feſtgeſetzt worden, daß die 8 Real⸗ klaſſen in eine Sexta, Quinta, Quarta, Untertertia, Obertertia, Unterſecunda, Oberſecunda und Prima zerfallen, ſo daß alſo jedenfalls nach abſolvirter Oberſecunda die Schüler die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienſt erhalten. Wenn es auch wohl möglich wäre, dieſe Berechtigung den Schülern ſchon zu verſchaffen, wenn ſie in der Unterſecunda ſich das Reifezeugnis für die Oberſecunda erworben haben, ſo möchten wir doch auf der Abſolvirung eines ſiebenjährigen Realkurſus beſtehen, weil faſt überall die Erfahrung gemacht worden iſt, daß bei einem ſechsjährigen Realkurſus diejenige Schulbildung von den meiſten Schülern nicht errungen werden kann, welche den Anforderungen unſerer Zeit entſpricht und die den Eltern eine gewiſſe Garantie gibt, daß ihre Söhne vermöge derſelben im Stande ſind ſich eine ſichere und ehrenhafte Lebensſtellung zu erwerben. Wir ſchlagen das in einer gediegenen Schulbildung liegende Kapital höher an, als das in Actien und Obligationen beſtehende, und können uns nicht einreden laſſen, daß es den Eltern unſerer Schüler, daß es überhaupt den Bürgern Frankfurts, welche ihre Söhne in höhere Lehr⸗ anſtalten ſchicken, nur darum zu thun ſei, denſelben die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militär⸗ dienſt zu verſchaffen. In erſter Linie ſteht bei uns eine tüchtige, möglichſt abgerundete Schulbildung, welche nicht allein die Grundlage für weitere Ausbildung darſtellt, ſondern uns auch die Gewißheit gewährt, in unſeren Kindern eine vorurtheilsfreie, an ſelbſtändiges Denken und Handeln gewöhnte, für das Gute, Schöne und Wahre begeiſterte Generation heranwachſen zu ſehen; wir irren uns gewiß nicht, wenn wir annehmen, daß unſere Mitbürger hierin mit uns übereinſtimmen.
Die diesjährige Abgangsprüfung der höheren Bürgerſchule fand am 21. und 22. Februar unter Vorſitz des Königlichen Commiſſarius, Herrn Provinzial⸗Schulraths Kretſchel und in Angweſenheit des Local⸗Schulcommiſſarius, Herrn Stadtraths Dr. Sauerländer, ſetatt.
Die Themata für die ſchriftlichen Arbeiten, welche am 22., 23., 24. und 25. Januar bearbeitet wurden, waren folgende:
1. Deutſcher Aufſatz: Einwirkung des Vaterhauſes und der Vaterſtadt auf den jungen Goethe. 2. Franzöſiſches Exercitium: Drouot.
3. Engliſches Exercitium: John Milton.
4. Mathematik:
a. In einem Parallelogramm iſt gegeben eine Seite 20 Em., eine Diagonale 36 Cm. und der Winkel der Diagonale 42 ½°. Geſucht die andere Seite und die andere Diagonale. b. Ein gerader Cylinder von 1570,8 Kubikcentimeter Inhalt iſt doppelt ſo hoch als dick. Ge⸗
ſucht der Inhalt der umbeſchriebenen Kugel.
e. 11 5 † 7= 4=. d. Es kauft jemand nach und nach 150. Hektoliter Wein und bezahlt 50 Hektoliter à M. 80,40; vom übrigen Wein kommt 1 Hektoliter theils auf M. 84,90, theils auf M. 88 zu ſtehen. Nun verkauft er ſpäter den ganzen Wein zu M. 91 per Hektoliter und gewinnt dabei M. 1016. Wie viel Hektoliter hat er mit M. 84,90 und wie viel mit M. 88 bezahlt? Aus den beiden Coetus der oberſten Klaſſe wurden 23 Schüler zu der Prüfung zugelaſſen, welche ſämmtlich mit Erfolg die Prüfung beſtanden und zwar Bethmannſchule 1877. 4


