Jahrgang 
1877
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an welcher er 11 Jahre lang gewirkt hatte, um das Directorium der Adlerflychtſchule und die proviſoriſche Leitung der Humboldt⸗ und Petersſchule zu übernehmen

Durch Decret vom 15. April 1876 wurde die Leitung der Bethmannſchule dem zum Director der Klingerſchule deſignirten Oberlehrer R. Jäger proviſoriſch übertragen.

Von der Schule ſchieden ferner die Herren Profeſſor Lic. theol. Finger und Zeichenlehrer Becker, welche nach langjähriger und ſegensreicher Arbeit in den Ruheſtand verſetzt wurden, und Herr Lehrer Fertig, welcher an die Adlerflychtſchule überging.

Am 18. Auguſt wurde Herr Profeſſor Dr. Freſenius, welcher wegen andauernder Krankheit im Jahre 1875 penſionirt worden war, von ſeinen ſchweren Leiden durch den Tod erlöſt. Von der Grün⸗ dung der höheren Bürgerſchule an wirkte er als Lehrer an derſelben und gehörte zu den Männern, deren aufopfernder Thätigkeit die hoöͤhere Bürgerſchule ihre raſche Entwicklung und ihre ſegensreichen, von der hieſigen Bürgerſchaft allgemein anerkannten Erfolge verdankt. Die trefflichſten Eigenſchaften eines Lehrers, hohe geiſtige Begabung, reiner, dem Idealen zugewandter Sinn, reiche und vielſeitige Kenntniſſe, ungewöhn⸗ liche Lehrgabe, Liebe zu ſeinem Beruf und den ihm anvertrauten Schülern, waren in ihm vereinigt und erhielten einen noch höheren Werth durch wahrhafte Beſcheidenheit und Anſpruchsloſigkeit. Die Herzen ſeiner Kollegen und ſeiner zahlreichen Schüler bewahren ihm ein ehrendes Andenken.

Als ordentliche Lehrer wurden im verfloſſenen Schuljahre die Herren Dr. Gotthold, Ed. Müller und O. Pfänder angeſtellt. Herr E. Müller wurde aber ſchon im Herbſte 1876 an die Eliſabethenſchule verſetzt und ſeine Stelle Herrn O. Pfänder übertragen.

1. Dr. phil. Chriſtian Gotthold, geboren zu Frankfurt a. M. am 4. Nov. 1847, evan⸗ geliſcher Confeſſion, bezog, nachdem er das hieſige Gymnaſium abſolvirt hatte, Oſtern 1868 die Univerſität Leipzig, dann Herbſt 1869 Göttingen. Hier promovirte er 1871 auf Grund ſeiner Inauguraldiſſertation »de fontibus et auctoritate historiae Sauli«. Nach ſeiner Rückkehr nach Frankfurt a. M. beſtand er am 12., 26. Juni und 14. Juli das I. theol. Examen coram ministerio, am 27. Februar 1874 das Examen pro facultate docendi zu Marburg, im December 1875 das II. theol. Examen pro ministerio und endlich am 4. Auguſt 1876 in Marburg ein Schlußexamen in Philoſophie und Pädagogik. Als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer wirkte er ſeit 15. Juni 1872 an der höheren Bürgerſchule und iſt durch Decret vom 1. October 1876 als Lehrer an den höheren Schulen angeſtellt.

2. Otto Pfänder, geboren zu Suppingen im Königreich Württemberg, evangeliſcher Confeſſion, beſuchte von 1860 1864 die Präparandenanſtalt und das Königliche Schullehrerſeminar zu Eßlingen, machte ſodann nach beſtandener Anſtellungsprüfung einen fünfmonatlichen Zeichenkurſus in Eßlingen und im Jahre 1867 einen ſechsmonatlichen Turnkurſus an der Königlichen Turnlehrerbildungsanſtalt zu Stutt⸗ gart durch. Von 1864 1867 war derſelbe vom Konſiſtorium und ſeit 1867 an ſtudienräthlichen Anſtalten(Lyceum in Oehringen und Realſchule I. Ordnung in Reutlingen) definitiv verwendet. Seit 1871 ſetzte er ſeine Studien im Zeichenfache weiter fort und zwar zunächſt an der Kunſtgewerbeſchule in Reutlingen und ſodann an der Königl. Kunſtakademie und am Polytechnikum zu Stuttgart, wo er dieſelben mit 1. Auguſt 1875 abſchloß. Durch Magiſtratsbeſchluß vom 2. Juli 1875 als ordentlicher Lehrer an den ſtädtiſchen Schulen zu Frankfurt a. M. ernannt, wurde er am 1. Auguſt 1875 zunächſt der Oſtend⸗ ſchule zugewieſen und im Herbſt 1876 an die Bethmannſchule befördert.

Zum Hilfslehrer wurde Herr Dr. Gran ernannt und ihm ein Theil des Unterrichets im Fran⸗ zöſiſchen und Deutſchen in den unteren und mittleren Realklaſſen übergeben.