Arbeitsweise, in der Erkenntnis der reinen Zweckform und in der Mögichkeit, wirklich brauchbare Gegenstände anfertigen zu können, liegt die Befriedigung und Würze dieser Werk- arbeit. Die große Zahl der Meldungen für diesen Unterricht und der Eifer der zugelassenen Schü- er peweisen zur Genüge, daß er sich grobter Beliebtheit erfreut. Im neuen Schuljahre wird er deswegen als Werkunterricht fortgeführt werden und von OIII aufwärts können sich Schüler, die gewillt sind, mit Eifer und Aus- dauer zu arbeiten, dafür melden. Es wäre wün- schenswert, daß auch andere Schulen im Rah- men des Werkunterrichts oder der Arbeitsge- meinschaften ähnliche Versuche machen und dadurch helfen würden, dieses neue Arbeitsge-
biet als angewandte Kunstbetrachtung oder an- gewandtes Linearzeichnen auszubauen. Es emp- fiehlt sich selbst durch die in ihm ruhenden Bildungs- und Erziehungswerte und die äußeren Vorzüge der leichten Erlernbarkeit und Billig- keit. Insbesondere sei darauf hingewiesen, daß es:
1. Phantasie und Denktätigkeit anregt,
2. das räumlich-körperliche Vorstellungsver- mögen stärkt,
3. durch Gemeinschaftsarbeit zur Hilfsbereit- schaft erzieht und reinste Schülerkameradschaf- ten ermöglicht.
Möge sich das neue Fach recht viele Freunde erwerben!
(Reupke.)
2. GEGENWARTSFREMDHEIT UND UNTERRICHTSMETHOPDE.
von Dr. J. Kreutzer.
Besonders lebhaft wird heute bisweilen Klage geführt über die Lebensfremdheit der Schule: sie erziehe gegenwartsfremde Men- schen.
Wenn wir in der pädagogischen Geschichte um einige Jahrzehnte nur zurückblättern, wer- den wir überrascht sein, wie oft ähnliche Aus- stellungen schon an dem höheren Bildungswesen erhoben worden sind.
Wir werden uns erinnern, daß der Kampf gegen die Alleinherrschaft des Gymnasiums aus der Überzeugung geführt wurde, die deutsche Gegenwart erfordere nicht so sehr, die jungen Deutschen zu Griechen oder Römern zu erziehen, sondern weit mehr zu Deutschen, die fähig sind, an den Gegen- wartsaufgaben mitzuarbeiten. Die Entwick- lung der Schultypen mit überwiegend realem Charakter war das Ergebnis aus die- sem Kampfe um die Angleichung der Schule an die Lebensbedürfnisse der Neuzeit und der Ge- genwart.
Und trotzdem wollen die alten Kla- gen nicht verstummen über die Weltfremdheit, d. h. Gegenwartsfremdheit der höheren Schule und ihrer Schüler, über allzu starke Betonung und Verflechtung in die Historie und über die Ignorierung der lebendig schaffenden Kräfte, der Nöte und Kämpfe der Gegenwart, über die Igno- rierung der Linien und Strömungen, die zu- kunftssicher und zukunftsstark in das Land der Jugend, das Land der Zukunft, weisen.
Mit der Erhebung dieser Vorwürfe verbinden sich für die Offentlichkeit meist solche gegen die Lehrpersonen, denn vor ihrem geistigen Auge taucht die lebensvolle Überliefe- rung von Witz und Satire auf, in der der weltfremde Professor als eine volkstümliche
Gestalt lebte, jener Lehrer- und Gelehrtentyp, der in eifrigster und deshalb einseitigster Hin- gabe an sein engeres Fachgebiet die nähere Füh- lung mit dem Leben und Empfinden der Gegen- wart völlig vergaß und dessen äußere Haltung schon auf diese seine seelische Einstellung in eindeutiger Weise hinwies— zum Ergötzen aller karikaturfreudigen Zeitgenossen.
Kein Wunder, daß sich diese Haltung des Erziehers auch auf die Zöglinge aus- wirkte, daß er sie zwar an einzelnen Fragen bis zu letzten Tiefen der Wissenschaft zu führen versuchte, daß aber andererseits bei diesem Sich- verlieren in Kleinstes und gewiß oft Feinstes die Erziehung zum Ganzen, die Erziehung zum Ueberblick und zur Zusammenschau der Bildungsstoffe außerordentlich ver- nachlässigt wurde.
Bekannt und vielfach nicht unberechtigt wa-
ren die Vorwürfe beispielsweise gegen den deutschen Unterricht,
wenn ein Gedicht oder gar ein Drama bis ins Kleinste zerpflückt und geklärt wurde in dem übertriebenen Bestreben, auch die letzte gedank- liche Formulierung zum vollen Bewußtsein und zur vollen Erkenntnis weitreichendster Sonder- fragen etwa geschichtlicher, ethischer oder ästhe- tischer Art zu bringen. Diese Analysierung des Kunstwerks ging meist auf Kosten der notwen- digen Synthese, aber gerade in ihr erst erklingt der Rhythmus des Lebens, und erst die Synthese führt demnach zum Erleben und Nachleben die- ses Kunstwerkes und damit überhaupt erst, so- weit möglich, zur nachhaltigen seelischen Beein- druckung von oft bleibendem Wert.
Noch ein zweites, nicht minder wichtiges Moment ist eng mit dieser Frage verbunden. Die Methode, die in der Analyse stecken
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