und der Gußkern liegt glatt und sauber vor uns. Wie aber bekommen wir nun Fuß und Kopf daran? Aus den Brettchen einer Zigarrenkiste nageln wir zwei würfelförmige Kästchen. jedoch ohne Boden und Deckel, zusammen und zwar einen größeren für den Fuß, einen kleineren für den Kopf. Genau in die Mitte des größeren stellen wir den Säulenschaft, nachdem wir am unteren Ende desselben zur besseren Bindung vorher einige Löcher eingebohrt haben, und gie- Ben den Würfel voll. Nach Entfernung der Hülle sehen wir, daß sich beide Teile gut ver- bunden haben. Auf dieselbe Weise erhält der Schaft mit Hilfe des kleineren Würfelkasten einen Kopf. Mit einem spitzen Küchenmesser wird der Kopf für die Aufnahme einer Kerze ausgebohrt, die Ecken der Würfel abgerundet und ein romanischer Leuchter ist in Rohform fertig. Nach dem Trocknen wird er abgefeilt, mit Schellack gehärtet und bemalt. Zum Be- malen nehmen wir diesmal aber Auto- oder Heizkörperlack. Letzterer hält eine Hitze bis zu 90 Grad aus, eignet sich also gut für Aschen- becher und andere Gebrauchsgegenstände, die der Wärme ausgesetzt werden sollen. Aus der Säule ist nun auch sehr leicht eine elektrische Stehlampe zu machen, indem wir beim Gießen des Schaftes ein Stück einer eisernen Gardinen- Hohlstange mit eingießen, den Fuß durch An- gießen einer Platte verbreitern und auf dem Kopfe das Gewinde für elektrische Birne und Schirmhalter eingipsen. Nun will natürlich jeder seine eigene Lampe erfinden und gießen und nun geht's an das Suchen und Ausdenken neuer Formen. Vorschläge kommen in Fülle, beson- ders als der Gedanke auftaucht, den Schaft auch mal viereckig zu machen und andere geometri- sche Körperformen damit zu verbinden. Die Vorschläge werden nach Einfachheit, Möglich- keit, Brauchbarkeit und Schönheit der reinen Zwecksform untersucht und besprochen, die Vorstellungen durch Handskizzen geklärt und danach in verjüngtem Maßstabe als Grundriß, Aufriß und in Parallelperspektive mit dem Reiß- zeuge gezeichnet. Nachdem die körperliche Vor- stellung so zu einer sichtbaren, zeichnerischen Gestaltung geworden ist, bereitet das Auffinden und Herstellen einer Gußform kaum noch Schwierigkeiten, womit dann die plastisch-kör- perliche Gestaltung gegeben ist, und so dürfte eine Querverbindung von Kunstbetrachtung, Linearzeichnen und praktisch gestaltender Werk- arbeit im besten Sinne des Wortes gelungen sein.
An einem andern Beispiele soll die Ableitung von Gefäßformen gezeigt werden. Wir betrach- ten einen alten Taufstein. Seine Grundform ist ein Steinwürfel, der halbkugelig ausgehöhlt und dann gestützt ist. Wie bringen wir nun in einen Würfelblock eine halbkugelige Vertiefung
hinein? Ueber einen halbkugeligen Gegenstand gießen wir einfach Gips. Aber wenn nun der Gegenstand nachher nicht herauszubringen ist? Er muß also biegsam und geschmeidig sein. Nun Nachdenken und Suchen nach solchen Ge- genständen. Von den genannten wird ein Gum- miball als der geeignetste erkannt. Ein alter, zerissener Gummiball wird nach der aufgemal- ten Verzierung in zwei gleiche Hälften zerschnit- ten und die Risse von Innen mit Leukoplast ver- klebt. Eine Hälfte wird mit der Oeffnung nach unten, auf den Arbeitstisch gestülpt, ein ent- sprechend größerer Würfelkasten ohne Boden und Deckel drumgesetzt und der Zwischenraum ausgegossen. Nach Erhärten werden die Brett- chen entfernt, der Ball herausgezogen und wir alle sind höchst erfreut über die schöne Glätte die Vertiefung. Die Freude wird noch gesteigert, als ein Schüler entdeckt, daß das Erzielte be- reits als ein Aschenbecher oder Ziergefäß zu ver- wenden ist. Und nun wird weiter probiert und geforscht und jeder neue Versuch bereichert unser Wissen und unsere Kenntnisse von Ma- terial und Technik. So erleben wir gemeinsam Robinsonsche Entdecker- und Erfinderfreuden und für manchen Schüler ist es vielleicht das einzige Mal, daß er einen schwachen Hauch des Schöpferischen verspürt. So dürfte dieses Fach auch als bester Arbeitsunterricht angesprochen werden, denn die vorhergehende Vorstellungs- und Denktätigkeit wird mit den einfachsten Mit- teln zum greifbaren Gegenstande gestaltet. Da- bei ist die Gestaltung jeweils abhängig von dem einfachen Formmaterial und dem Gußstoff, so- daß der Schüler die Wechselbeziehung zwischen Form und Stoff unbedingt erkennen muß. Durch die Bindung an beide kann sich somit nur die reine, klare Zweckform ergeben. Wie einige Bei- spiele zeigen, ist aber auch ein bescheidener Schmuck möglich.
In ähnlicher Weise kann die halbe Hohlkugel von einem Kelch oder einer Kuppel und die Viertelkugel von einer Apsis abgeleitet werden. Die Gußform besteht in diesem Falle aus zwei Hälften verschieden großer Gummibäller, die so übereinandergestülpt werden, daß der ent- stehende Zwischenraum ausgegossen werden kann.
Die Zahl der Erzeugnisse aus Kunst und Kunsthandwerk, die als Anregung und Ausgangs- punkt für Neugestaltungen dienen können. ist sehr groß. Es sei z. B. auch an die primitiven Formen der vorgeschichtlichen Zeit und der Naturvölker gedacht. Eine Fülle von neuen For- men ergibt sich durch Verbindungen von grad- linigen, kreis- und kugelförmigen geometrischen Körperformen. Es ist besonders darauf zu ach-— ten, daß mit einem Gusse möglichst viel erreicht und fertiggestellt wird. In der Einfachheit der
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