Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

35

vergißt der deutsche Kaiser seine deutsche Jugend, in deren Händen er ja die deutsche Zu- kunft weiß. Er wird nicht müde, seine Fürsorge für Jugend und Vaterland zugleich immer wieder in derselben Weise zu betätigen, an seinem Geburtstage alljährlich, durch die Preise, die für die Jugend ausgesetzt werden, und bei deren Auswahl der Blick seit Jahren die gleiche Richtung einhält, die Richtung aufs Wasser, von dem es nachgerade immer mehr geheißen hat: Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser, wie es jetzt in dem furchtbaren Kriege heißt: Wir haben alle nur einen Feind auch auf dem Wasser, mitten im Wasser jedermann so ver- haßt wie bekannt, Engelland! Und wenn wir uns daraufhin einen Augenblick den Titel des Buches ansehen, das ich hier zu überreichen habe, so tut sich sofort ein weiter Blick auf mitten hinein in den Zusammenhang aller Dinge, die uns jetzt zumeist beschäftigen in unserer Seele: Auf, Uber, Unter Wasser!! In den langen Jahrhunderten, Jahrtausenden der Weltgeschichte hat es nur immer geheißen: Zu Wasser und zu Lande, zu Lande und zu Wasser! d. i. auf dem Wasser und auf dem Lande! Jetzt auf einmal heißt es auchüber und unter dem Wasser, und man könnte hinzufügenüber und unter dem Lande! Wer hat den Fort- schritt herbeigeführt? Wer führt die Welt auf dem Wege des Fortschritts? Ohne Zweifel hat den größten Namen für die Beherrschung der Luft doch ein Deutscher erworben: Zeppelin wer kennt ihn und seine Sache nicht? Der Name wird schon für die Sache gesetzt. Haben die Engländer etwas an die Seite zu stellen, was sie mehr berechtigte zur Führerschaft in der Welt, haben sie überhaupt irgend etwas, was ihnen das Anrecht darauf gäbe? Das Zurück- bleiben hinter den anderen ersetzen sie durch brutaleres, rücksichtsloseres Beherrschen, das sich zum Genießen der Herren gesellt. Arbeiten mögen die Beherrschten! Das ist ihr Standpunkt, und zu den beherrschten Arbeitern rechneten sie auch uns, wie ihre Sklaven in den anderen Erdteilen. Will das der Gang der Geschichte? Das ist es, worum sich der große Kampf dreht: Sollen wir die Knechte sein, die Gehorchenden, die Arbeiter, für die, die unsere Tugenden nicht anerkennen, sie vielmehr zu Untugenden umlügen? Das kann die Weltgeschichte nicht wollen, das dürfen wir nicht wollen, das wollen wir nicht, dagegen wehren wir uns alle gleich einem Mann! Es gilt unser ganzes arbeitsames, gutgewilltes deutsches Vaterland! Dem Führer haben wir das Hoch gebracht. Heute dürfen wir ein Hurra auf die Gesamtheit folgen lassen: Hurra, Hurra, Hurra!

Nachdem am Mittag des 12. Februar die ersten Nachrichten eingetroffen waren über die große Winterschlacht in Masuren, versammelte sich die Schule am Tage darauf in der 4. Stunde in der Turnhalle, da der Festsaal nicht geheizt war. Der Direktor sprach über die neuen überwältigenden Vorgänge in Ostpreußen, die an die Ereignisse im September und Oktober erinnern, und durch die nun hoffentlich für immer der Feind über unsere Grenzen im Osten

zurückgetrieben ist, über die unübertreffliche Organisation d. i. Ordnung und Voraussicht in-

unserer obersten Heeresleitung, die im rechten Augenblick zum entscheidenden Schlage aus- holt, während vom Feinde zu beiden Seiten großsprecherische Reden gehalten werden, und die uns kurz gesagt in jeder Weise zeigt, wie man es machen muß, um den Erfolg auf seiner Seite zu haben, den Sieg an seine Fahnen zu heften. Stehe zu deiner Fahne treu bis in den Tod, das ist der Ruf, der immer erneut von den Schlachtfeldern zu uns herüberschallt, und der unsere Jugend nicht nur Hurra rufen lassen sollte in unseren Feierstunden, sondern nachdenklich stimmen, um so mehr, je größer und ernster die Aufgaben und Pflichten sind, die für sie gerade aus unseren Erfolgen erwachsen, und denen sie sich gewachsen zeigen muß, wenn der Sieg in der kommenden Friedenszeit nicht zur Niederlage umschlagen soll. Im Anschluß an

Nach der Winter- schlacht in Masuren.