Jahrgang 
1915
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Namentlich auf die gehässige Gesinnung Englands gegen Deutschland längst vor dem Krieg geht Redner näher ein und erinnert zur Kennzeichnung der schnöden britischen Geschäftspolitik an die denk- würdigen Worte, mit denen schon 1858 Lord Derby seine eigenen Landsleute brandmarkte:Wir verfahren gegen fremde Nationen höchst schamlos. Wir bestehen auf dem Vollzug des Völkerrechtes, wenn es uns nützlich ist; im andren Fall setzen wir uns über seine Regeln schrankenlos hinweg. Die Geschichte des Seerechtes, das ich Seeunrecht nennen möchte, ist ein unauslöschliches Zeugnis des ungezügelten Egoismus und der Habgier des englischen Volkes und seiner Regierung.

Bei Beginn des Krieges standen Deutschland und Österreich, von Italien im Stich gelassen, allein. Bald aber durften wir die Türkei als Dritten im Bunde willkommen heißen. Wiederum ist es ein hohes Verdienst Wilhelms II., in kluger Beurteilung der Weltlage so großen Wert auf die Freundschaft zwischen Deutschland und dem Halbmond gelegt zu haben. Mit wahrer Liebe und ungeheuchelter Verehrung blicken die Gläubigen Mohammeds auf den deutschen Kaiser als ihren Erlöser von den nach den Dardanellen und Konstantinopel lechzenden Wölfen.

So wenig wie das deutsche Volk hat der Kaiser den Krieg gewollt. Aber wer den Frieden erhalten will, muß kampfbereit sein, und daß ein Hohenzoller unablässig als oberster Kriegsherr für die Schlag- fertigkeit unseres Heeres wirkte, ist beinahe selbstverständlich. Schon die Mobilmachung zeigte, wie voll- kommen die gewaltige Kriegsmaschine bis zu dem kleinsten Rädchen funktionierte, und die Taten, die unsere treuen Kämpfer bisher zu Land und zur See in blutigem Ringen vollbracht haben, erregen die Bewunderung der ganzen Welt. Aber frevelhaft erschien demFriedenskaiser auch nur der Gedanke an einen Eroberungszug. Selbst auf die Gefahr hin, der Schwäche geziehen zu werden, gab er bei mancher Gelegenheit dem Drängen seiner Generäle, zum Schwert zu greifen, nicht nach. Noch zuletzt, in der schwersten Zeit seines Lebens, Ende Juli des vorigen Jahres, bot er alle Kraft auf, den Frieden zu erhalten. Und so ging es denn auch jedem zu Herzen und war aus jedem Herzen gesprochen, als der Kaiser bei der denkwürdigen Reichstagseröffnung am 4. August im weiten Saal des königlichen Schlosses sagen konnte: Mit reinem Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert. Und wahrlich, das Rechtsbewußt- sein und das gute Gewissen sind auf unserer Seite. Das haben wir den Gegnern voraus, das entflammt den lodernden Zorn, das gibt die Kraft zum Sieg, die Ruhe der Seele in Not und Tod.

Siegesgewiss strömten in den ersten Augusttagen auf den Ruf des obersten Kriegsherrn die Millionen herbei zum Schutze des Vaterlandes, wie ein Mann erhob sich das ganze waffenfähige deutsche Volk, nicht nur nach des Gesetzes Befehl, wie es die Grabschrift des Leonidas und seiner todesmutigen Schaar besagt, nein, Hunderttausende stellten sich freiwillig zur Fahne und bewiesen damit, daß es in deutschen Landen noch Ideale gibt, daß es nicht an Männern fehlt, die uneigennützig für die gute Sache eintreten und sich selbst ihr zu opfern imstande sind..

Ein halbes Jahr währt schon das furchtbare Ringen auf den Walstätten in West und Ost, zu Lande, auf der See und sogar im Luftmeer, wovon uns früher nur die Sage zu berichten wußte. Fast überall ist es unseren Helden gelungen, den Kampf in Feindes Land zu führen. Schweres, vielleicht das Schwerste, liegt noch verhüllt hinter dem Schleier der Zukunft. Aber einig, stark und voll Zuversicht fühlt sich Deutschland in dieser Stunde noch ebenso wie in den ersten Tagen seiner Erhebung.

Mögen dem Läuten der Glocken, die heute zu Ehren des Kaisers schallen, bald frohe Friedens- klänge folgen, kündend den Einzug lorbeerbekränzter Sieger in die geliebte Heimat unter der Führung ihres verehrten Kaisers. Das sei unser Herzenswunsch an dessen heutigem Geburtstag, und in diesem Sinne bringen wir auf Ihn unser dreifaches Hoch aus.

Nachdem das Kaiserhoch ausgebracht und die Nationalhymne gesungen war, über- reichte der Direktor das von Sr. Majestät anläßlich des Geburtstages zur Verleihung an einen Schüler überwiesene WerkAuf, UÜber, Unter Wasser von Gerd Fritz Leberecht im Auftrag des Lehrerkollegiums dem Schüler der Untersekunda Eduard Bergheimer. Er tat es, nicht ohne den Wunsch hinzuzufügen, wir möchten doch alle dankbarsten Herzens der hohen Bedeutsamkeit der Tatsache inne werden, daß auch in diesem Jahre in unseren Schulen noch Preise ausgeteilt werden wie gewöhnlich, als wäre nichts anders draußen denn sonst, als lebten wir mitten im schönsten Frieden.Ja, zu keiner Zeit, so wurde weiter ausgeführt,