Jahrgang 
1915
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dieser Welt. Aber eine große Menge von ihnen sind neuerdings wieder selbst irre geworden an ihrem Evangelium. Und wenn wir die Geschichte der Welt zurückverfolgen bis in die ältesten Zeiten und von da noch einmal vorwärts gehen und genau zusehen bis in unsere Tage hinein, so werden wir nicht finden, daß die Menschheit auf die Dauer im Frieden ausgekommen ist zu irgend welcher Zeit und an irgend welchem Ort. Was ihr, meine lieben Schüler, so hier in der Schule in euren Geschichtsstunden hört und lest, das ist doch im wesentlichen eine Darstellung der schier unaufhörlichen Kämpfe, durch die sich die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende fortentwickelt hat, und wenn ein Herrscher einmal nach der Palme des Friedens greift, nun, jetzt haben wir es selbst erlebt nach den 25 Frie- densjahren unseres mehr und mehr geliebten Kaisers, wie sehr er eines Tages zu seinem Schrecken und vielleicht zu seiner bittersten Enttäuschung inne werden mußte, wohin ihn das ewige Walten geführt hat. Und vergessen wir doch nicht: Hat nicht unser Herr Jesus Christus selbst, unser Heiland, durch den das Heil in die Welt gekommen ist, und dessen Geburt wir alljährlich im Weihnachtsfest feiern, hat er, unser Erlöser und Mittler, nicht selbst gesagt: Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert?! Und ist nicht unser ganzes Leben auch ein fortgesetzter Kampf, den wir im Widerstreit der Empfindungen, Meinungen und Geschehnisse zu führen haben und zu führen gewohnt sind?! Und sollte uns solche Gewöhnung so wenig gestählt haben, daß wir heute verzagen müßten, selbst wenn es uns viel schlechter ginge, als das Geschick es bisher gewollt hat?! Nein, gerade an diesem Geburtsfest unseres Herrn und Heilandes, unseres Führers durch die Nöte des Lebens, da wollen wir uns stark zeigen und dem Leben gewachsen, wie immer es selbst ein Kampf auch fürder noch kommen mag.

Und diese unsere Stärke möge sich kundtun in der Genügsamkeit, indem wir uns genügen lassen mit unserer Sehnsucht, die doch in allem das Wertvollste ist, und mit unserem sehnsuchterfüllten Wirken durch allen Krieg hindurch hin auf den Frieden, durch allen Haß hindurch hin auf die Liebe durch allen Tod hindurch hin auf das Leben.

In dieser Kriegesweihnachtszeit Aus aller irdischen Verwesung?

wie dehnt das Herz sich doppelt weit, Schickt' Gott nicht seinen einigen Sohn der frohen Botschaft voll zu werden, darum herab vom Himmelsthron,

der Mär vom Frieden hier auf Erden, daß er nach menschlich reinem Streben den Menschen all ein Wohlgefallen. den Weg uns führ durch Tod zum Leben? Ach, heut scheint's nur ein Himmelslallen: Das Leben ist das Höchste nicht

Von fern her dringt ein furchtbar Dröhnen, auf Erden, ihm gar viel gebricht.

Klingt nicht nach menschlichem Versöhnen; Und setzen wir nicht das Leben ein,

Es ist der Donner der Geschütze, Nie wird uns das Leben gewonnen sein. am Himmel kündens zuckende Blitze. So hat's gekündet der deutsche Dichter, In unserm seligen Weihnachtsnachten so künden's auch heute die Weihnachtslichter: steigt auf das Bild vom Menschenschlachten. Vom Himmel hoch, da komm ich her, Wer sich am Höchsten deucht auf Erden, ich bring euch gute neue Mär;

Mit welchen niedrigsten Gebärden der guten Mär bring ich so viel,

verrät er da sein wahr Gesicht. davon ich singen und sagen will.

Schaut hin, es ist kein blos Gerücht: Euch ist ein Kindlein heut geboren,

Die braunen, schwarzen, gelben Briüder Von einer Jungfrau auserkoren,

hat sich der stolze Weltgebieter ein Kindelein, so zart und fein,

zu Kampfesknechten her entboten; das soll euer Freud und Wonne sein.

Seht die im Knäul gehäuften Toten Es ist der Herr Christ, unser Gott, zerfetzte Leiber aller Farben der will euch führen aus aller Not;

band Schnitter Tod sich hier zu Garben; er will euer Heiland selber sein,

erstarrten Blicks liegt Freund und Feind von allen Sünden machen rein.

zerkrampft im Tode da vereint. Er bringt euch alle Seligkeit,

Vor solchem grausen Männermord die Gott der Vater hat bereit,

erstirbt im Mund des Menschen Wort. daß ihr mit uns im Himmelreich

Doch mitten in des Krieges Grauen sollt ewig leben allzugleich.

Kehrt bald zurück das Gottvertrauen: Es ist die Mär vom ewigen Leben,

Ist nicht verheißen uns Genesung das uns der Himmel hat gegeben.