Jahrgang 
1915
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Vor dem Buss- und Bettag.

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Damit kommt der Direktor auf die Toten der Adlerflychtschule in diesem Krieg: Schon haben wir aus den Reihen unserer ehemaligen Schüler eine Anzahl als gefallen zu verzeichnen und als Helden zu verehren. Ihre Namen werden verlesen, und die Schüler werden aufgefordert, mit den Lehrern aufmerksam zu sein auf alles Geschick, das noch kommen sollte.

Am 17. November, am Tag vor dem Buß- und Bettag, versammelten sich Lehrer und Schüler in der Aula, und der Direktor leitete mit folgender Ansprache die Mitteilungen ein,

die er zu machen hatte:

Als ich mir gestern vornahm, liebe Schüler, euch heute hier in dem Festsaal der Schule zu versammeln, da dachte ich nicht, euch Taten zu verkünden, sondern von euch

. Taten zu fordern; nicht bringen wollte ich etwas, sondern etwas begehren oder doch euch

nahelegen. Ihr wißt: Morgen ist im ganzen Lande Buß- und Bettag. Da schien es mir nicht mißgetan, wenn wir in diesem großen Jahre auch unter uns hier in unserer Schulgemeinde eine kurze Stunde des Besinnens hätten und uns klar darüber würden, daß in der schweren Zeit, die wir durchleben, alles Tat sein muß, auch unsere Buße, unser Beten zur Tat werden, im tätigen Opfer sich äußern muß, wenn wir sieghaft ans Ziel kommen wollen, äußerlich und mit unserm innern Menschen.

Fassen wir unser Empfinden zuerst zusammen mit den Worten der Heiligen Schrift im Psalm 41:Wohl dem, der sich des Bedürftigen annimmt!(usw., folgt Verlesung des Psalms.) So dürfen wir mit dem Psalmisten nur sprechen, wenn wir bereit, sind, durch die Tat zu beweisen, daß wir teilnehmen an dem, was draußen vorgeht, und zwar teilnehmen nicht nur durch Hurrarufen zur geeigneten Stunde. Als ich gestern an die Tafeln schrieb, daß ihr alle heute eure Gesangbücher mitbringen solltet, da wußte ich noch nicht, was der Tag bringen würde. Nach dem, was geschehen, wäre es aber unnatürlich und kein Beweis unserer Teilnahme, wenn wir des neuen Erfolges nicht, gedächten, von dem uns im Laufe des Tages zunächst in Umrissen der Telegraph die Kunde brachte. Die Fahnen verkünden es: Hindenburg ist wieder in aller Munde. Längst war es ein offenes Geheimnis, daß wir im Osten auf der ganzen Linie im Rückzug begriffen seien. Wie viele Siege mögen in der letzten Zeit unsere Feinde, die Russen, ihren Verbündeten gemeldet haben! Jetzt ist der Beweis erbracht, wer in Wahrheit der Sieger dort geblieben ist. Der Klügere gibt nach, heißt es, und damit hat unsere Heerführung einen neuen Sieg erfochten, den unsere Frankfurter Zeitung einen der größten nennt, die in diesem Kriege erfochten wurden. Sei dem, wie da wolle; in einer Beziehung wird er kaum übertroffen werden können: Unsere Heere standen nicht weit mehr von der Hauptstadt des russischen Polenlandes, Warschau. Da hieß es der Übermacht weichen. Ein Standhalten wäre gewiß Torheit gewesen. Aber das Zurück nach allen vorausgegangenen Opfern war bitter. Manches Zähneknirschen mag die Folge gewesen sein. Aber auch dieses Opfer der Selbstüberwindung wurde gebracht, und daß nach ihm und allen Mühseligkeiten, die es mit sich brachte, die Stoßkraft unserer Truppen unerschüttert blieb, so unerschüttert, wie der neue Sieg beweist, das sucht gewiß seinesgleichen. Zuletzt war der Feind so nahe etwa an unserer Grenze, in breitem Aufmarsch gegen unsere Feste Thorn hin, wie wir selbst vor Warschau gewesen waren. Da griffen wir zu, in dem Gelände offenbar, das unser Heerführer Hindenburg ausgesucht hatte. Die Manvrierkunst dieses Mannes, die Wege- losigkeit Polens und noch einmal sei es gesagt der Opfermut unserer Truppen, wo solches zusammenwirkt, da sollten wir in der Tat die Sorgen nicht mehr über uns mächtig