Jahrgang 
1915
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zückten Auge auftat, hoffte er jedem einzelnen zu einer neuen Offenbarung werden lassen zu können. Und nicht viel anders war es, als eines Tages der Direktor auf der Suche nach ihm ihn endlich auch in dieser neuen Himmelswelt fand. Es war ein wundervoller, sonnenheller, luftlichter Tag, der die ganze Landschaft im Umkreis aufs herrlichste in allen Einzelheiten er- strahlen ließ. Ein gewöhnlicher Sterblicher konnte es nur vor Hitze nicht lange da oben im Freien aushalten. Otto Schuckmann achtete dessen nicht. Er sagte vielmehr, daß er auch das gerade jetzt neben allem andern noch da oben suche. Wieder einmal war er einer Sache ganz und gar ergeben: Eine achtwöchige militärische Ubungszeit stand für ihn bevor. Da erging er sich auf der Sternwarte mit dem Zeißglas in der Hand und übte sich im Entfernungsschätzen und zugleich im Ertragen der strahlenden Sonnenhitze. So ist er dann wenige Wochen darauf ausge- zogen, nicht zur militärischen Ubung, aber in den furchtbar ernsten Krieg, dessen ganze Grausamkeit die Adlerflychtschule an ihrem Leib erfahren hat durch den Verlust dieses Besten, den Verlust, der ihn aber jetzt noch einmal in der Feierstunde der Erinnerung vor uns hat lebendig werden lassen, lebendig, daß er für alle Zeiten hoffentlich an der Stätte seines Wirkens fortleben wird, solange zum wenigsten noch einer von denen hier aus- und eingeht, die sich mit ihm in die Arbeit geteilt haben! Ehre seinem Andenken! Seiner vorbildlichen Pflicht- und Arbeitstreue sollte jung, und alt nacheifern, es ihm nachzutun trachten getreu bis in den Tod. Zumal aber unsere Jugend so schloß der Direktor werde immer mehr wie er hart gegen sich selbst,

immer mehr arbeitend in der Schule, den Eltern dadurch die Not der Zeit erleichternd und sich

selbst das Leben bauend. Für sie besonders, für ihre Zukunft besonders, wird doch auch jetzt gekämpft, für sie ist auch Otto Schuckmann gefallen.

Beim Auseinandergehen vor den Herbstferien mahnte der Direktor zum geduldigen Ausharren, zum Ausharren auch im Dank, den wir immer aufs leichteste in uns wach halten können, wenn wir uns vorstellen, wir hätten die Greuel über uns bekommen, die schon aus der Ferne so furchtbar auf uns wirken. Die Schüler wurden aufgefordert, ihre Dankbarkeit zu betätigen durch die offene Hand, nicht minder aber durch einen edlen Wettstreit in der Schule, im kommenden Winter wieder gut zu machen, was etwa auch infolge der Wirren der Zeit bis jetzt nicht geschehen oder verfehlt worden sei.

In der gleichen Richtung bewegten sich die Ausführungen des Direktors am Tage des Schulanfangs nach den Herbstferien. Es war Veranlassung gegeben, vom Krieg als Künder der Wahrheit zu reden: Es war ja aus Belgien so viel ans Tageslicht gekommen. Hier war mittlerweile auch Antwerpen gefallen, was nicht übergangen werden durfte; wurde es doch in der Offentlichkeit das größte Ereignis nicht nur des Krieges, sondern der Weltgeschichte genannt. Darüber sollten die Schüler klar sehen. Jedenfalls bewies die Einnahme der gewaltigsten Festung, daß wir in unerbittlichemDrauf« vorwärts gehen und auch vorwärts kommen, wo einmal als Notwen- digkeit erkannt ist, daß ein Hindernis unbedingt beseitigt werden muß. Und das kann unser Trost sein, geduldig des Augenblicks der Entscheidung an der langen Schlachtlinie zu harren, wo es zunächst gilt, gegenüber demDrauf« vor Antwerpen die militärische Ausdauer zu be- währen, an der Schlachtlinie von Belfort bis Lille und Nieuport, wo die Erdteile, kann man sagen, gegeneinander zu Felde geführt werden, wo die Farbigen die Niederlagen, aber auch die Niederträchtigkeiten der Weißen miterleben, die da vorgeben, daß sie den Schwarzen, Braunen und Gelben ihre Kultur brächten. Demgegenüber unsere Reinheit und Wahrhaftigkeit! Schon die Schlichtheit unserer Berichte, unserer Sprache über alles Geschehene zeugt für uns. Und so bleibe unsere Rede: Ja ja, nein nein! Dann wird unser Blut nicht umsonst fließen.

Schulschluss vor den Herbstferien.

Schulanfang nach den Herbstferien.