Jahrgang 
1915
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Trauerfeier für den ge- fallenen Ober- lehrer Otto Schuckmann.

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noch einmal kurz auf dem Schulhof zu den Schülern und entließ sie dann in die Freiheit, die sie doch am Tage vorher etwas vermißt haben mochten.

Wenige Tage später, in der Mittagsstunde des 9. September erreichte uns die Bestätigung der erschütternden Nachricht, die schon im Umgang gewesen war, daß Herr Oberlehrer Otto Schuck- mann, von dem man seit Wochen nichts mehr gehört hatte, der als der frohgemutesten einer uns verlassen hatte und ins Feld gezogen war, gleich beim ersten Ansturm seines Regiments gegen den Feind in der großen Lothringer Schlacht am 20. August bei Mörchingen den Heldentod für König und Vaterland gefunden habe.Vorwärts! Das war allzeit seine Losung bei der treuen rastlosen Friedensarbeit in unserer Mitte. Mit ihr ist er auch hinausgezogen vor den Feind. Ehre dem Andenken des ruhmreich Vollendeten! Wer ihn gekannt hat, wird ihn nicht vergessen. Wir haben unsagbar viel in ihm verloren. Mit diesen Worten hat das Lehrerkollegium, dem er angehörte, die öffentliche Anzeige der Trauerkunde von seinem schnellen tapferen Ende begleitet, und in diesem Sinne sprach dann auch der Direktor, als er in der Frühe des nächsten Tages vor der versammelten Schule, selbst im Innersten tief ergriffen, dem Dahingegangenen warme und ehrende Worte des Gedenkens widmete, die ihm aus der Seele kamen.War doch Oberlehrer Schuckmann so etwa führte er aus ein Mann, so wie ihn die Schule braucht: Immer ganz der Sache ergeben, die er nun einmal zu der seinigen gemacht hatte, wie es sich schon durch unverwischbare Eindrücke offenbarte in Bremerhaven, wo ich den angehenden Schulmann vor 6 ½ Jahren aufsuchte, um ihn für Frankfurt a. M. zu gewinnen, wie es sich dort offenbarte nicht nur im Unterricht, sondern auch im persönlichen Verkehr, als wir plaudernd zusammen- saßen, oder als wir nach getaner Arbeit miteinander zum Hafen hinauszogen, wo der Wind der Wasserkante uns ins Gesicht blies und der Mensch dem Menschen näherkam; wie es dann aber auch von Anbeginn an der Adlerflychtschule in Frankfurt a. M. war, wo Otto Schuck- mann sich gleich und sich treu geblieben ist ohne Wandel der Gesinnung bis zuletzt. Hier war es hauptsächlich die Sache der Physik, der Physiksaal, dem er sich verschrieben hatte, von dem man sagen konnte, daß er sich ihm ergeben habe mit Herz und mit Hand, sodaß er nicht eher ruhte, als bis er in ihm alles hatte, so wie er es sich ausgedacht und für nötig erklärt, hatte. Es mußte mehr Licht in den Raum, es mußte eine ganze Anlage für Elektrizität hinein; es kam die Versetzung der nach hinten aufsteigenden Bankreihen und des Experimentiertisches gegen das Fenster hin, wie es Schuckmann vorgeschlagen hatte, es kam die Schalttafel mit allem Zu- behör, die neue Lichtquelle, der fahrbare Tisch, aber auch im inneren Betrieb der sogenannte Arbeitsunterricht, auch Schülerübungen genannt, die Schuckmann so sehr am Herzen lagen, deren Ausbau er aber nun nicht mehr erlebt hat, ebensowenig wie die Dunkelkammer, das Epidiaskop und die elektrische Beleuchtung, die er alle auch so sehr herbeigesehnt und deshalb immer wieder begehrt hatte. Solange etwas nicht erreicht war, kam ihm die Türklinke meines Amtszimmers nicht aus der Hand. Dafür war er aber auch bei seiner Arbeit, man mõchte sagen Tag und Nacht, als der erste und der letzte im Hause. Der Direktor hatte in ihm den treuesten Hausgenossen im Schulgebäude. Und dann kam am Ende durch den Erweitérungsbau der be- nachbarten Humboldtschule die Sternwarte, an der auch die Adlerflychtschule teilhaben sollte, und damit für Oberlehrer Schuckmann neue Liebe, neues Leben. Da mußten seine Jungen mit hinauf, und einmal oben arbeitete er nicht nur mit ihnen im strengen Sinne des Wortes, sondern war auch bemüht, ihnen ein Empfinden beizubringen für die Wunder der Natur rings um Frankfurt, seine neue Heimat, herum; hier hatte es ihn ja aus der Ferne wieder hergezogen, der alten Geburtsheimat so viel näher. Das ganze Panorama, das sich hoch oben dem ent-