Jahrgang 
1915
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sein? Verteidigen wir doch jetzt gegen eine ganze Welt, die unsern Untergang oder doch Niedergang auf ihr Panier geschrieben hat, alles, was uns hier auf Erden noch heilig und teuer ist! lHaus und IHlof mag vergehn, deutsches Wesen muß bestehn. Hab und Gut ist wieder zu erla ngen, llaus und Hof wie- der aufzurichten; geben wir aber uns selbst auf, so können wir picht mehr von uns sagen: Das Reich muß uns doch bleiben! Und das hatten, des bin ich gewit wie von einem Instinkte getrieben, alle jene Massen unseres Volkes in sich verspürt, die in den bangen Tagen des drangvollen Harrens vor der Mobilmachung in den großen Stüdten sich zusammengeballt hatten, über die es dann wie eine Erlösung kam, als von der obersten Stelle, die die Verantwortung erst auf sich nahm, als es sein mu Bte, endlich die Mobilmachung des gesamten deutschen Heeres und der Flotte angeordnet wurde, und die diesem Gefühl der Erlösung Luft machten, indem sie sich ihrem Schöpfer anvertrauten in dem LiedeNun danket alle Gott! Konnte die Volksseele gewaltiger hervorbrechen und bekunden, wie bereit jeder war, für sein Vaterland einzustehen, für sich und die Seinen, für alle, für alles, was der Namedeutsch einschließt, unsre Wiesen, unsre Wülder, unsre Auen, unsre Felder, alles, was wir, Kinder, Greise, Münner, Frauen täglich schauen, Berg und Tal, allüberall, unsere Seele zu erbauen.

Ja, wahrlich, nicht nur unser tüglich Brot galt es jetzt, das verspürte ein jeder, auch nicht das

tügliche- Brot des ganzen Staates. Alles das wird da sein, wenn wir uns selbst behaupten, unsern Willen zur Arbeit, unser Pflichtbewußtsein und Verantwortungsgefühl, auch all unsere wissenschaftliche

Vertiefung und Genauigkeit und ein ganzes volles Vertrauen in allen den Dingen, die über unsere Wissen--

schaft hinausgehen, die jenseits der Grenzen unseres Wissens liegen, unser tiefwurzelndes Gottvertrauen. Was dau ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen! Das galt es jetzt und gilt es noch weiter. Und dazu haben wir unsern Willen schon bekundet und somit die Probe der Treue schon bestanden. Alle Schranken sind dabei gefallen, alle Unterschiede aufgehoben, wie ein Mann ist das deutsche Volk auf- gestanden. Stand doch auch seine Einigkeit, seine Einheit auf dem Spiel.Vaterland! In 1000 Jahren kam dir solch ein Frühling kaum; Was die hohen Väter waren, Heißet nimmermehr ein Traum. 8o sang der Dichter der Freiheitskriege vor 100 Jahren. Und schon taucht die Frage auf, ob nicht das Jahr 1914 größer zu nennen sei als 1813. Gott bewahre uns vor Oberhebung! Solche Frage wird in ihrem ganzen Umfang erst die Zukunft beantworten können, wenn sie überhaupt der Beantwortung wert ist. Jedem Zeitalter wird man im günstigsten Falle seine eigenen Maßstäbe zugestehen. Bei allen Maßstäben wird aber das Eine allezeit zu Recht bestehen bleiben müssen: Das Vaterland über alles!

Jahraus jahrein haben wir immer an unserm Sedantage gesungen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält! Das wird für alle Zeiten seine Richtigkeit und seine Wichtigkeit behalten, wenn auch die große Ueberraschung des Krieges, die verderbenspeiende Kanone mit dem 42 m. Geschoß, von dem der Eisenbeton mit all seiner flürte geschlagen wurde, dem Jahre 1914 seinen besondern Maßstab zuweisen mag. Trotz aller Technik mit ihren Flugschiffen und Flugzeugen, mit ihren Zeppelinen, ihren Ein- und Zweideckern wird es doch der Mensch mit seinem Herz im Leibe bleiben, der auch im Jahre 1914 in unserer schweren ernsten Zeit zu erweisen hat, ob es auch fürderhin wird erklingen dürfenDeutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. Sein oberster Kriegsherr, den das deutsche Volk als seinen Herzog in diesen Tagen und Monden von neuem schützen und verehren lernt, geht darin mit leuchtendem Beispiel voran. Ihm wollen wir jetzt zuerst ein dreifach donnerndes Hurra ausbringen mit folgender Nationalhymne und dann mit dem Lied vom deutschen Vaterland schließen. Seine Majestät Kaiser Wilhelm II., unser aller- gnädigster König und Herr, unser getreuer Herzog, Hurra, hurra, hurra!

Am Abend des 2. September traf aus Frankreich die Nachricht ein, daß in dem Geländedreieck, in dem Sedan den dritten Winkelpunkt bildet, von den Deutschen unter Führung ihres Kronprinzen etwa 10 französische Armeekorps zurückgeworfen worden seien. Auf den katalaunischen Gefilden war wieder einmal ein gewaltiger Kampf im Gange, in dem allein auf französischer Seite gegen eine halbe Million Menschen standen; und wenn auch noch nicht von einem entscheidenden Siege berichtet wurde, so war doch der Jubel über das vorläufige Gelingen groß genug und wurde am Vormittag des 3. September zur Veranlassung, nach der zweiten Stunde in den Schulen den Unterricht abzubrechen. Der Direktor sprach

Progr.-Nr 590. 4

Siegesjnbel am 3. September.