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geblieben, wir Deutschen, und bieten nunmehr allen von ihnen, die uns in so verlogener Weise herausgefordert haben, in diesen Wochen und Tagen mit steigendem Erfolge die Spitze. Und daß das so- ist, daß wir ihnen die Spitze zu bieten vermögen, dazu hat doch neben allem andern auch geholfen die Tatsache, daß wir allen Widersachern zum Trotz in jedem besten Sinne unser Sedan nicht vergessen haben, daß wir Deutschen vor allem uns die Demut bewahrt haben, ohne die— Völker wie Menschen ihrer Größe verlustig gehen, jenes Selbstbescheiden, das uns vor Überhebung schützt und uns allzeit sagt, daß wir auf der Wacht zu sein haben und ohne Unterlaß an uns zu arbeiten haben, an Leib und Seele, an Haupt und Gliedern, wenn wir nicht unterliegen wollen, jene Demut auch, in der wir des höchsten Lenkers der Schlachten nicht vergessen, der auf der Seite dessen ist, der bei ihm ist und zu ihm hält. In solchem Sinne haben wir an unserm Sedantage festgehalten, und nur in solchem Sinne, keinem zu 4 Leid, nur uns zur Freud, nur uns zu Nutz und Frommen; und so können wir denn auch jetzt nach den 3 Erfolgen ohne gleichen, von denen wir tagtäglich hören, von neuem anheben: Nun laßt die Glocken von 1 Turm zu Turm durchs Land frohlocken im Jubelsturm! Des Flammenstoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes an uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe! Aber ein anderer Sedantag ist denn doch heute als irgend einer war, der ihm vorausgegangen. Den furchtbaren Ernst, in dem wir stehen, haben wir bedacht, wenn wir aus dem Tage keinen Feier- tag machten wie sonst, sondern bei der Arbeit blieben, die wir— ein jeder an seinem Platze— zu leisten haben. Und diesem furchtbaren Ernst fürwahr können wir uns inmitten all des Siegesjubels, der immer 4 wieder ertönt, garnicht entziehen, wenn wir der grenzenlosen Mühsale und Qualen gedenken, die unsere Brüder draußen im Felde für uns auszustehen haben. Wir bejubeln das stürmische Vorgehen, mit dem unsere Heere dem Gegner immer näher aufs Fell rücken. Schier ungeduldig können wir immer neue Siegesnachrichten manchmal kaum erwarten. Denken wir dabei auch immer an die fast unmenschlichen Anforderungen, die z. B. allein an die Marschfähigkeit auch der ältesten Truppenjahrgänge gestellt werden, 5 und zwar gestellt werden müssen, wenn der Sieg errungen werden soll? Wenn von einem verwundeten 4 Landwehrmann erzählt wird, daß er mit seiner Truppe 7 Stunden Anmarsch zur Schlacht gehabt, dann 11 Stunden im Kampf gelegen und zuletzt noch 2 Stunden zum Nachtquartier zurückgelegt habe, ja, klingt denn das nicht geradezu unglaublich, zumal von einem ältern Mann, der nicht mehr in der Ubung ist? Und dazu, wie steht es an solchem Tage mit der Ernährung? Selbst wenn alles zur Stelle ist, was ge- wiß nicht immer der Fall sein kann, so ist doch während des Kampfes gar keine Möglichkeit, es zu er- reichen. Und wenn schließlich das Nacht quartier da ist, so ist damit noch lange nicht die Nachtruhe verbürgt, zumal bei der Wildheit und Grausamkeit, mit der dieser Krieg von 1914 geführt wird, in dem allem Völkerrecht Hohn gesprochen und nicht nur aus dem Hinterhalt von Männern und Frauen geschossen, sondern auch von den kůmpfenden Soldaten nicht einmal das Rote Kreuz geschont wird, das doch Freund und Feind in gleichem Maße mit seiner Hilfe betreut. Durch die Lazarette im Felde pfeiffen die Kugeln des Feindes, so hört man die zurückgekehrten Verwundeten erzählen, und der Arzt, die Schwester, die draußen um die auf dem Rasen liegenden Hilfsbedürftigen sich zu tun machen, sind keinen Augenblick ihres Lebens sicher: Soeben hat ein Stabsarzt einem schwer getroffenen französischen Offizier den linken Arm ver- bunden und in die Binde gelegt, da greift dieser schon mit dem rechten Arm nach seinem unsichtbar ge- haltenen Revolver und schießt seinen Wohltäter, der ihm den Rücken gewandt hat, nieder. Das ist nur ein Fall unter vielen, die ich in diesen letzten Tagen von Heimgekehrten habe berichten hören, und zwar einer der weniger gräßlichen, die man noch selbst nacherzählen kann, gar nicht zu reden von den zahl- losen grausamen und grausamsten, an die man garnicht zurückdenken mag, die aber ein Wehe! Wehe! herabführen auf die unseligen Missetäter und auf den feindlichen Staat, der diese in die Irre geführt auf die Bahn solcher Greuel; denn eine Kampfsweise ist solches Tun kaum noch zu nennen. Es verrät uns vielmehr die Schwäche des Gegners, der außerstande ist, sich mit den gerechten Waffen zu verteidigen. Erschreckend hart ist es, daß wir mit solchem Feinde zu tun haben, und es kostet uns unzählige teure Menschenleben, aber die da zutage tretende Schwäche vermag uns die Größe unserer Erfolge zum Teil schon begreiflich zu machen. Wer mit den Waffen des Hinterhalts und der Hinterlist kümpft, ist doch wahr- lich kein ebenbürtiger Gegner.— Und war es denn aber nicht schon Hinterhalt und Hinterlist, mit denen wir von Anbeginn be- kümpft worden sind, noch ehe die verschiedenen Kriegserklärungen überhaupt erfolgt waren? Mit elendem Mord gedungener Buben hat die ganze Sache unserer Gegner eingesetzt, einer letzten Untat in einer Kette von Drangsalierungen, die unsern langjährigen Verbündeten Osterréich-Ungarn in seinem Ehr-


