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anfangs schier die Worte ausgehen. Dazu kam die Verwirrung, die in der ersten Zeit im Schulbetrieb herrschte, die freie Schulzeit und zuletzt die bedauerliche innere Hemmung, die sich auf die ganze Bevölkerung der Stadt legte, als sich das in den Vormittagsstunden des 20. August aufgetauchte ungeheure Gerücht nachträglich als falsch erwies, daß die Festung Belfort mit einem nach Hunderttausenden zählenden Heere in deutsche Hände gefallen sei.
So kam es, daß zum erstenmal zusammenhängend vor der versammelten Schule erst gesprochen wurde, als der 2. September herankam, an dem man das Sedan von 1870 zu feiern gewohnt war. Wie sollte man den Tag jetzt begehen? Die Ansichten darüber waren geteilt. Was die Adlerflychtschule tat, wie sie nach dem Wunsche des Direktors, wenn auch nicht ohne Widerspruch aus dem Kreise ihrer Lehrer, von der üblichen Schulfreiheit absah und sich darauf beschränkte, Schüler und Lehrer in der 5. Vormittagsstunde in denr Festsaal zu gemeinsamer Erhebung zusammenzuführen, das mag zugleich mit den Gründen, die dabei bestimmend mit- wirkten, aus der Rede des Direktors ersehen werden, die im Wortlaut hier mitgeteilt wird, damit sie ferner Zeugnis ablege für den Geist, in dem wir auch in allen folgenden Monaten die Ereignisse, die Taten unserer Brüder, Söhne und Väter im Felde haben auf uns wirken lassen.
Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm durchs Land frohlocken im Jubelsturm! Des Flammen- stoßes Geleucht facht an! Der Herr hat Großes an uns getan. Ehre sei Gott in der Höhe!
„ So sang der gottbegnadete Dichter am 3. September 1870, am Tage nach der Schlacht bei Sedan. Ein Heer von 80 000 Mann mit allen seinen Offizieren bis hinauf zu den Generalen und mit dem Kaiser der Fran- zosen an der Spitze war in unsere Hände gefallen. Unter allen den großen Ereignissen jener Zeit ragte dieses hervor, man glaubte sich dem Ende des Krieges nahe, und wenn das dann auch ganz anders gekommen ist und noch schwere Kämpfe danach zu bestehen waren, so ist die Erinnerung an Sedan geblieben, und jahraus jahrein— ihr wißt es, meine jungen Freunde— haben wir in der Schule unsern Sedantag festlich begangen.
Nicht immer waren alle mit ganzer Seele dabei: Erst ganz kürzlich— an dem Tage, als die betrüblich falschen Gerüchte über den angeblichen Fall von Belfort umliefen und ich mit den Tausenden vor den Zeitungshäusern der Bestätigung harrte, da habe ich aus dem Munde eines alten Adlerflycht- schülers behaltenswerte Worte darüber vernommen: Jetzt wüßten gewiß alle, die mich bei unseren Sedan- festen gehört, was ich mit meinen Ansprachen gewollt habe,— wie viele von ihnen stehen doch schon im Felde heute, sind auch schon unter den Verwundeten—; als Schiler hätten sie es vielfach nicht ver- standen und zweifelnd den Kopf dazu geschüttelt, wenn ich mit meinem Nachdruck immer wieder von der nötigen Unterordnung und Einordnung geredet habe, von unseren Turn- und Freiübungen als Vor-
stufen des langsamen Schrittes beim Militär, von dem ja bis auf den heutigen Tag so viele sonst Verständige nichts wissen wollen. Und es hat Zeiten gegeben, in denen nicht nur von Schülern, sondern von den Großen, vor der breiten Öffentlichkeit allen Ernstes die Frage aufgeworfen wurde, ob es nicht richtiger sei, die Feier des Sedantages gänzlich einschlafen zu lassen.
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Das war namentlich um die Wende des Jahrhunderts, und damals kofnte man dem Empfinden, das da zu Worte kam, noch einigermaßen Verständnis entgegenbringen, als im Jahre 1900 in dem fernen China zur Niederwerfung des Aufstandes, der gegen die Christen und Ausländer tobte, und dessen die chinesische Regierung nicht mächtig werden konnte oder werden mochte, sich alle die Staaten zusammen- taten und Schulter an Schulter kämpften, die heute in verzweifeltem Kampfe in zwei Gruppen gegen- einander stehen: Deutschland, Osterreich, England, Rußland, Frankreich und Japan,— und Italien und die Vereinigten Staaten waren damals auch dabei. Aus der Mitte aller erscholl in schwierigster Lage auf dem Wege nach Peking der Ruf, den seitdem die ganze Welt kennt,„The Germans to the front!— Die Deutschen an die Spitze!“ Alle großen Kulturvölker oder doch solche, die es sein wollten, standen dort zusammen gegen die Verwilderung in Asien und riefen zur Führung an ihre Spitze die, die sie doch wohl als die Tüchtigsten unter sich erkannt haben mußten— die Deutschen. Und heute?! Da scheint man das alles vergessen zu haben! Was ist aus den sogenannten Kulturvölkern geworden? Wir dürfen es wohl ruhig aussprechen und tun es ganz gewiß, ohne uns zu überheben: Wir sind an ihrer Spitze
Der 2. September.


