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Bei Sedan und vorher, da war denn das alles doch ganz anders. Das planmäßige Zu- sammenwirken aller Deutschen von Anbeginn des Feldzuges bestreitet doch wohl niemand, jenes Zusammenziehen aller Streitkräfte, bis sich über Sedan der eiserne Ring schloß und das Heer der Franzosen, im Kessel zusammendrängt, sich mit seinem Kaiser ergab. Das ist ja alles zu bekannt, als daß ich hier dabei verweilen sollte. Der Hauptunterschied aber, den wir nicht vergessen durfen, ist der, daß das Schlachtfeld von 1870 draußen war und nicht im Lande wie 1813. Das hatte unsere bereite, zum Schlag fertige Macht erreicht, und dazu sollten wir uns für alle Zukunft stark genug erhalten, daß nie ein Feind wieder über unsere Grenze küäme. Da muß aber auch die Jugend schon mitmachen. Ihr alle müßt euren Körper, eure jugendlichen Kräfte nicht vergeuden, sondern stählen, wo, wann und wie immer die Gelegenheit sich bietet. In Sport und Spiel geschieht heute so viel, das Wandern ist der Jugend Lust; aber auch im strengen Turnen, im einigen, frei gewollten Zusammenwirken, im Stillhalten, im einmütigen Stillhalten, wenn es verlangt wird, gilt es, nicht nachzulassen. Was darin die Adlerflychtschule will und kann, darüber pflegen wir uns alljährlich am Sedantage Rechenschaft abzulegen. Und dabei soll es bleiben. Schon früh wollen wir anfangen, für unser schönes Vaterland das Unsere zu tun und uns tüchtig zu machen für die Zeiten, da es uns auf die eine oder andere Art braucht. Gestählte Jünglinge und Männer hat es schließlich auch im Frieden nötig. Tun wir aber das Unsere, dann können wir allzeit mit umso größerem Rechte sagen und singen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!
Nachdem das Vaterlandslied gesungen war, folgte ein geordneter Aufmarsch aller Realschulklassen zu gemeinsamen turnerischen Vorführungen, Freiübungen, Keulenschwingen und Barrenturnen, alles nach dem Takte der Musik. Zum Schluß brachte der Direktor das Kaiserhoch aus, und die Nationalhymne wurde gesungen. Um 9 ½ Uhr war die Feier zu Ende, und der übrige Tag gehörte der Jugend.
Das Herbstwetturnen wurde wieder wie im letzten Jahre abgehalten: Am 19. Sep- tember vereinigten sich die Schüler aller Frankfurter öffentlichen Schulen(Volks-, Mittel- und höheren Schulen) zum Sechskampf im Ostpark. Von den Schülern der Adlerflycht- schule trugen Julius Sieber und Wilhelm Neuwirth, beide aus IVb, einen dritten und einen dreizehnten Preis davon.
Gleich nach den Herbstferien wurde am 18. Oktober das Andenken an die Völker- schlacht bei Leipzig gefeiert, wobei als Festredner Herr Professor Dr. Wohlfeil in beredten Worten der Bedeutung des Tages gerecht zu werden wußte. Die Feier verlief nach
folgendem Programm: 1. Gemeinsamer Gesang: Wachet auf, ruft uns die Stimme..... 2. Vortrag aus Rückerts Geharnischten Sonetten: Da ich gebot von Jericho, den Mauern. 3. Chorgesang: Herr, sieh, die Not.... 4. Vortrag aus Rückerts Geharnischten Sonetten:
Es steigt ein Geist.... 5. Chorgesang: Was glänzt dort vom Walde.... 6. Festrede. 7. Vortrag von Arndts:„Die Leipziger Schlacht“. 8. Chorgesang: Deutschland, hoch in Ehren! 9. Schlußwort des Direktors zur Preisverteilung. 10. Gemeinsamer Gesang: Nun danket alle Gott... Der Direktor begann in seinem Schlußwort mit Rückerts Sonett „Tritt auf, Gigant, mein Lied, und schlage Saiten“.... und fuhr dann etwa folgender- maßen fort: Dieses Sonett aus den gewaltigen Geharnischten Sonetten Rückerts habe ich mir für den Schluß aufgehoben. Aus dem ersten Sonett klang es heraus: Wo die Not am größten, da ist Gott am nächsten,— der Allgewaltige, dessen Macht über alle Macht geht im Himmel und auf Erden, der mit seinen Blitzen zu Boden schleudert, wen er will.
In dem zweiten hörten wir den Geist Friedrichs des Großen heraufkommen, die Nach- geborenen zu den Fahnen rufend und größern Ruhm verheißend als den Ahnen.— Das dritte nun jubelt in gewaltigen Worten den Dank hinaus nach dem und für das, was ge- schehen. Was es war, die Rede des Tages hat es uns gezeigt. Dann haben wir darüber
Schüler-
wetturnen.
Der 18. Okt.


