Jahrgang 
1914
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lieber von allem andern reden als von dem, was sich da zugetragen habe; vom Frieden solle man sprechen und von seinen Werken. Die Leute, die so sagen, wären ja an sich vielleicht harmlos, aber sie haben einen Anhang. Da gilt es denn in diesem Jubiltumsjahr, wo neben das Wort Sedan sich das andere Leipzig stellt, so viel auch bisher schon an den vorausgegangenen Fest- tagen gesprochen worden ist, doch gerade den 2. September nicht vorübergehen zu lassen, ohne seine Stimme zu erheben und sich recht vernehmlich auf die Seite von Ernst Moritz Arndt zu stellen, wenn er nach dem Siegestag von Leipzig seinem Volke den Rat gab:Versammelt euch an jenem Tag abends am Feuer, und die Väter, die alsdann kommen, sollens den Jungen erzählen, was einst geschehen, damit sie's nicht vergessen, sondern damit das Gedächtnis fortgehe von Ge- schlecht zu Geschlecht und man allzeit bereit sei, Gut und Blut zu opfern für das Vaterland. Wir haben ja jetzt gottlob eine lange Reihe von Jahren in unserem Vaterland keinen Krieg gehabt. Dürfen wir aber darum etwa von Ferien unseres Heeres sprechen, wie gelegentlich jene übereifrigen Friedensvereinler? Wären etwa Heer und Flotte zu entbehren, könnten wir die Hände beruhigt in den Schoß legen, weil so lange kein Feind mehr verheerend und raubend, mordend, sengend und brennend durch unser Land gezogen ist?! Welche Verirrung würe das, welche Verdrehung der Tatsachen! Haben wir nicht vielmehr Frieden im Land, eben weil wir ein gefürchtetes Heer haben, Soldaten, um den Feind draußen zu halten?! Man denke doch nur an dieses allerletzte Jahr mit seinen wiederholten Gefahren für uns. Man braucht den Krieg nicht zu wollen, aber den Willen zur Macht muß man aufrecht erhalten, wenn man sich nicht selbst aufgeben will, wenn man nicht immer wieder erleben will, wie es uns z. B. in unserem Vaterlande noch ergangen ist, nachdem wir die Schlacht bei Leipzig schon gewonnen hatten. Davon habe ich noch kürzlich in einem Heimat- blatt aus unserer Gegend eine sehr deutlich redende Schilderung gelesen. Sie werden auch die Kleinsten unter uns verstehen. Deshalb lese ich einen Abschnitt hier vor:

1813. Dieses Jahr war ein trauriges und schreckenvolles Jahr für unsere Stadt und die umliegende Gegend; denn nach allen vorher schon ausgestandenen Kriegslasten kam zuletzt der 27. Oktober, wo die ganze französische Armee, etwa 150 000 Mann, hier durch unsere Stadt retirierte. Zuerst kamen die Kosaken und plünderten uns bis gegen Mittag, wo alsdann die Ko- saken wieder abzogen und die ganze französische Armee mit dem Kaiser Napoleon hier eintraf. Bei den fürchterlichen Aussichten ging ich mit meiner Frau und meinen drei Söhnen hier weg, liet Haus und Hof alles im Stich und flüchtete drei Stunden von hier nach Neuengronau zu dem damaligen Pfarrer, einem guten Freund und nahen Anverwandten von uns. Hier blieben wir bis zum 9. November, während in der Zwischenzeit auch die Kaiserliche, die preußische und die russische Armee, zusammen dreimal 100 000 Mann, den Franzosen auf dem Fuße nachmarschierten und das Ganze, was die Franzosen noch zurückgelassen hatten, alles noch aufzehrten und mit Gewalt mitnahmen. Als wir am 9. November wieder heimkehrten, fanden wir alles in der trau- rigsten Lage vor. Der Keller war ganz ausgeplündert an Öl, Wein und Branntwein, in dem Haus waren die Türen und alle Schränke eingeschlagen, Kleider, Weißzeug, Betten und Warenartikel meistens ruiniert und das Beste mit fortgenommen. Es fehlte an allen Nahrungsmitteln, sodaß man auch für bares Geld nichts haben konnte, und dabei beständige Einquartierung! Und was das Traurigste noch war, so wütete das pestartige Faul- und Nervenfieber, woher in der Stadt und auf dem Lande viele Hunderte dahinstarben u. s. w.« Nachher wird noch erzählt, wie gern der Vater trotz allem noch einen seiner Söhne für teures Geld 1000 Gulden zum Kriegsdienst ausrüstete, als die junge wehrhafte Mannschaft bald darnach hierzu aufgerufen wurde, um das Vaterland zu befreien.

Will man zur Verhütung solcher Zustände und Ereignisse Macht und Stärke haben, so muß man vor allem einig sein, auch ohne Neid und Scheelsucht aufeinander, und es nicht machen, wie es die Verbündeten auch noch nach Leipzig machten. Sie waren alle hinter dem geschlagenen und flüchtigen Franzosenkaiser mit seinem Heere her. Auch der Marschall Vorwärts, wie wir ihn alle kennen. Schon war dieser in Fulda. Da wandte er sich plötzlich seitwärts über den Vogelsberg nach Gießen. So hatte es der Höchstkommandierende, Fürst Schwarzenberg, befohlen, weil er wollte, daß sein Kaiser Franz als erster der Verbündeten an der Spitze seiner Osterreicher in die alte Krönungsstadt einzöge. Wäre solche kleinliche Eifersüchtelei nicht gewesen, hätte dann nicht vielleicht Napoleon schon bei Hanau von allen Seiten angegriffen vernichtet werden können?!