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Das Lehrerkollegium hatte beschlossen, den seltenen Anlass der Jahrhundertfeier wahr- zunehmen und einmal ausnahmsweise aus der Schulkasse der Adlerflychtschule, so be- scheiden ihre Mittel auch sind, ein paar eigene den vorhandenen Mitteln entsprechende Preise für würdige Schüler zu stiften. Nicht auf die Kostbarkeit der Preise kommt es ja dabei an, sondern auf das, was mit ihrer Verteilung gesagt sein soll. Es wurde dreimal dasselbe Buch gekauft, ein Urkundenbuch über das Jahr 1813, das seinen Wert für jedermann, groß und klein, nie verlieren, für die heranwachsende Jugend aber immer mehr steigern wird in dem Maße, wie der Leser selbständiger und reifer wird in seinem freien Urteil. Der Festredner des Tages hat aus ihm geschöpft, auch in dem oben stehenden Auszug seiner Rede darauf Bezug genommen, und der Titel ist in der Anmerkung mitgeteilt. Der Direktor hatte die Aufgabe, die Bücher den Schülern zu überreichen, die von dem Lehrerkollegium ausgewählt worden waren. Er trug das Bundeslied von Arndt vor(Sind wir vereint zur guten Stunde.....) und zeigte im Anschluß daran, wie in dieser ihm von früher Jugend an liebgewesenen, wundervollen Dichtung alles zusammengefaßt ist, was wir nicht nur in solcher weihevollen Stunde der Erinnerung uns ins Gedächtnis zu rufen, sondern auch zu allen Zeiten festzuhalten haben. Das führte dann in der Ansprache zu einer Würdigung des als Preis ausgesuchten Werkes, dessen Exlibris„Schicksal und Abenteuer“ der Mahnung der Jahrhundertfeier gemäß zum Schluß kurz dahin gedeutét wurde, daß dem Schicksal verfällt, wer dem Abenteuer sich hingibt.— Die Preise aus der eindrucksvollen Gedenkfeier davonzutragen, durften sich freuen die Schüler Alfred Bein (O IIIb), Hermann Sauer(U IIL) und Siegfried Weiler(U IIa).
Anfang Mai freute sich wie immer alle Frankfurter Schuljugend dem üblichen Mai- fest entgegen. Das Wetter wollte nicht das nõtige Gesicht dazu machen. Aber es sollte ein unerwarteter Trost kommen: Am Abend des 5. Mai begann in der Festhalle mit dem Begrüßungskonzert der Sängerwettstreit, der alle vier Jahre in Gegenwart S. M. des Deutschen Kaisers in Frankfurt a. M. abgehalten wird. Als seine Majestät hier erfuhr, daß die Direktoren der höheren Schulen abgelehnt hätten, während der Tage des Wett- streites den Unterricht ausfallen zu lassen, vertrat Er eine andere Anschauung und be- wirkte, daß allen Frankfurter Schülern bis zum 8. Mai einschließlich freigegeben wurde. In Verfolg dieses Allerhöchsten Befehls wurde von der Schulbehörde dahin gewirkt, daß jede Schule eine Anzahl ihrer Schüler zu einem der Wettgesänge hinführen konnte, damit sie durch persönliche Teilnahme einen Begriff von den Vorgängen gewönnen, die in jenen Tagen vor Pfingsten die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich zogen. Freitag den 9. Mai ging es wieder zur Schule, und am Samstag begann die Freiheit der Pfingst- ferien. Von dem Maifest waren die Gedanken einigermaßen abgelenkt worden, namentlich auch durch die anhaltende sehr ungünstige Witterung. Vergessen war es aber nicht.
Mit dem Monat Juni rückte die Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums S. M. des Deutschen Kaisers heran. Auf Erlaß des Herrn Ministers fiel am 16. Juni der Unterricht aus, und Schüler wie Lehrer versammelten sich in der Aula zur festlichen Begehung des Tages. In seiner Festrede wies Herr Oberlehrer Schroeder darauf hin, welchen unver- gleichlichen Aufschwung Deutschland in wirtschaftlicher Beziehung unter der friedensreichen Regierung Kaiser Wilhelms II. genommen habe. Ausdrücklich wurden der scharfe Wettstreit, der anderen Großmächte und die Gefahren hervorgehoben, die Deutschland in den letzten Jahren glücklich überstanden habe. Es wurde gezeigt, daß dies ganz wesentlich der
Sänger- wettstreit- Ferien.
Der 16. Juni.


